Seit dem 1. Januar sind Einweg-Plastiktüten in Luxemburg kostenpflichtig – wenn sie es ohnehin nicht schon waren. Ein Händler, der seiner Kundschaft die Tragetasche nicht in Zahlung stellt, bricht das Gesetz. Bis zu 1.000 Euro kann die Gratis-Tüte dann kosten. Das Großherzogtum hat aber nicht das schärfste Plastiktüten-Gesetz der Welt. In Kenia drohen Plastiktüten-Sündern bis zu 40.000 Dollar Strafe oder vier Jahre Knast. Auch in Ruanda wurde der Beutel verboten, seither blüht der Tütenschmuggel zwischen der Demokratischen Republik Kongo und dem umweltbewussten Bergstaat.

Fest steht: Niemand mag mehr Plastik, selbst China nicht. Über Jahrzehnte floss über die Hälfte der Plastikabfälle dieser Welt in das Reich der Mitte. Seit Juli 2017 gibt es dort ein Importverbot für 24 Abfallarten und viele Länder haben ein akutes Müllproblem. Wohin mit dem ganzen ausgedienten Kunststoff? Am einfachsten wäre es, wenn es keinen mehr gäbe. Jede Tüte, die nicht über die Ladentheke geht, ist eine weniger zum Entsorgen.

Die Müllvermeidung löst das Plastikproblem jedoch nicht im Alleingang. Das aktuelle Verbot wohl auch nicht. Nicht jeder hat immer einen Jutebeutel für unvorhergesehene Einkäufe parat. Viele Kunden werden die drei Cent ausgeben, um die Einkäufe nicht nach Hause jonglieren zu müssen. Schließlich kann man die Plastiktüte, ob kostenlos oder nicht, ja auch recyceln und so dem Rohstoff ein zweites Leben schenken.

Beim Recyceln hat Luxemburg jedoch noch Nachholbedarf. Denn von den 533 Kilogramm Haushaltsabfällen, die jeder im Jahr 2016 produzierte, landeten, laut Statec, 277 Kilogramm im Restmüll und wurden so dem Wertstoffkreislauf entzogen. Eurostat zufolge beträgt die Recyclingquote des Luxemburger Mülls nur 48 Prozent. Der Rest wird thermisch verwertet, d.h. verbrannt und in elektrischen Strom, Rauch und mehr oder weniger feste Rückstände verwandelt – die dann auf einer Schlacken-Deponie enden.

Bei Plastikabfällen lag die Recyclingquote laut Statec im Jahr 2016 bei knapp 33 Prozent. Dieser Wert ist seit Jahrzehnten relativ stabil, schon im Jahr 2000 betrug die Quote fast 36 Prozent. Zwei von drei Plastiktüten enden also nach ihrem Erstgebrauch als Brennstoff für die Stromerzeugung, der EU-Kommission zufolge gehört die Müllverbrennung zu den erneuerbaren Energien.

Dafür sind die Plastiktüten aber eigentlich zu schade. Ihnen könnte ein zweites und sogar drittes Leben geschenkt werden. Verbrannt werden können sie ja schließlich immer noch. Eine Erhöhung der Recyclingquote hätte auch – im Gegensatz zu der Kostenpflicht – einen Effekt auf den Erdölverbrauch, den Rohstoff der Plastiktüte.

In den meisten Gemeinden des Großherzogtums wird den Verbrauchern das Plastiktüten-Recycling nicht gerade erleichtert. Laut Sortierleitfaden von Valorlux gehören u.a. “Folien, Tragetaschen aus Plastik; Schachteln, Schalen, Kisten und Eimer aus Plastik; Becher für Margarine, Butter, Joghurt und Speisequark” ausdrücklich nicht in den blauen Plastiksack und werden nicht wiederverwertet.

Recyclingwilligen bleibt also nichts anderes übrig, als die Tüten zu sammeln und regelmäßig zum Recyclinghof zu fahren, wenn sie sie nicht einfach in die graue Tonne hauen. Daran wird auch das neue Gesetz nicht viel ändern.

6 Kommentare

  1. Wann Autoen keng Wegwerfartikele méi wieren, kéint een och vill Plastik spuren. Ech schwetzen net nemme vum Interieur.An et brauch keen ze mengen, dass dat mat Elektroautoen ännert, am Contraire, et kommen nach Onmengen selten Erden derbäi.

    Plastik komplett verbidde, geet jiddefalls net. Plastik as net nemmen rondrem Liewensmettel. Mir kennen och rem ufänken iwwerall Biodegradable Plastik ze huelen, wéi an den 80er. Resultat waren vergammelt Kablen(=Kuerzschloss) no 20 Joer!

  2. Wei ass et dann matt den Tiitercher wou de Pechert sein Ticket dran apaakt ? Wei ass et matt den Tiitercher fier de malaise aus dem Fliiger ? Wei ass et matt den Tiitercher dei mer huelen vir eise Muppen hiere Kaka ewech ze maachen ?

  3. Trotz aller guten Vorsätze wird sich nichts ändern, außer man erhebt drastischen Strafen bei Mißachtung der Entsorgung wie in Singapore ( Malaysia )

  4. Das mit den 3 Cent ist keine Lösung. Die Plastiktüten gehören verboten und aus dem Verkehr gezogen. Wichtig wäre auch eine entsprechende Aufklärungskampagne in den Schulen um die Kinder resp. die Jugendlichen für dieses Problem zu sensibilisieren und zu motovieren es anders zu machen. Wir alle müssen umdenken und unsere Gewohhnheiten ändern, sonst drohen wir in unserem eigenen Abfall zu ersticken.

Kommentieren Sie den Artikel


Please enter your comment!
Please enter your name here