Ein klassisches Doping-Drama im Sport hat immer zwei Arten von Protagonisten: Schafe und Lämmer, schwarze Schafe und Unschuldslämmer. Der aktuelle Skandal um die Nordische Skiweltmeisterschaft im österreichischen Seefeld, bei der Athleten in flagranti beim Dopen erwischt wurden, hat demnach alles, was es zu einem klassischen Drama braucht. Die überführten Athleten und Hintermänner übernehmen die Rolle der schwarzen Schafe, nicht betroffene Sportler, Funktionäre und Trainer üben sich als Unschuldslämmer. So läuft es bei Doping-Enthüllungen bereits seit Jahrzehnten. Ob bei der Festina-Affäre 1998, dem Fuentes-Skandal 2006, der Armstrong-Beichte 2013 oder dem russischen Doping-Skandal, die Inszenierung ist immer die gleiche.

Ganz gleich, wie groß der Skandal ist und wie viele Sportler und Hintermänner involviert sind, der Sport gibt sich alle Mühe, die Einzeltäter-Theorie aufrechtzuerhalten, anstatt das System infrage zu stellen. Denn eigentlich sind die Rollen nicht so klar verteilt. Viele Lämmer sind überhaupt nicht so unschuldig. Ob durch einfaches Wegsehen oder aktive Beteiligung, sie haben dazu beigetragen, dass Athleten keine andere Möglichkeit sehen, als zu dopen.

Wie krank das Sportsystem ist, zeigt sich beim aktuellen Fall in Seefeld an einer Person: dem Präsidenten des Österreichischen Skiverbandes. Peter Schröcksnadel ließ sich kurz vor der WM noch mit überführten Dopern ablichten und sprach nach der Polizeiaktion bei der WM von getürkten Razzien und einer Gruppe, die dem Österreichischen Skiverband schaden wolle. Außerdem liege die Zentrale des Dopingnetzwerkes ja in Deutschland, so der ÖSV-Präsident, der noch von einer schönen Weltmeisterschaft sprach. Schröcksnadel ist eher die Regel als die Ausnahme unter den Sportfunktionären. Was wiederum erklärt, wieso die großen Dopingskandale fast ausschließlich von staatlichen Behörden und nicht von sportlichen Instanzen aufgedeckt werden müssen. Letztere sind vor allem darum bemüht, den Schein des sauberen Wettkampfs und der Null-Toleranz-Politik zu wahren. Jahrelang wurde der biologische Athletenpass als der große Durchbruch im Kampf gegen Doping gefeiert. Bluttransfusionen können die Sportler dennoch bedenkenlos durchführen, wie die Enthüllungen in Seefeld bewiesen haben.

Die Langläufer wiesen bei der WM jedenfalls keine auffälligen Werte auf, und das trotz Blutdoping. „Wer beim Blutdoping bei einem normalen Check auffliegt, muss ein Trottel sein“, sagt Dominik Baldauf, der bei der Razzia überführt wurde. Von Abschreckung keine Spur. Trotzdem geben sich Trainer, Funktionäre, Betreuer, Fans und auch Journalisten immer wieder überrascht, wenn Sportler immer noch dopen.

Solange die Unschuldslämmer ihre Rolle weiterspielen, wird es genügend schwarze Schafe geben. Es wäre an der Zeit, endlich das Drehbuch umzuschreiben.

1 Kommentar

  1. Wie überall, gibt es auch im Sport, in Sachen Doping, nicht nur schwarz und weiss. Im grauen Bereich sind die Übergänge fliessend und sehr viele können von Gluck reden, dass sie nicht/nie erwischt werden/ worden sind. Wie blauäugig muss man sein, zu glauben , der Spitzensport oder der Sport im allgemeinen sei sauber? So lange es Menschen geben wird, wird gemogelt und betrogen was das Zeug hält.

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