Endlich Ferienzeit! Schnell noch ein Parteikongress – bei “déi gréng” und LSAP mit Wahlprogramm, bei der DP ohne – und los geht die Reise. So wie jeden Sommer, trotz des Wahltermins in gerade mal drei Monaten. Eigentlich ganz schön lässig, angesichts dessen, was auf dem Spiel steht: fünf harte Jahre auf der Oppositionsbank, wenn nicht sogar das Karriereende.

Wahlen im Frühherbst bleiben, nach 40 Jahren Frühlingswahlgängen, ungewohnt. 2013 war der Ferienanfang von der Ankündigung der vorgezogenen Neuwahlen geprägt. Voller Tatendrang, vom Adrenalin aufgepumpt, liefen die Wahlkämpfer sich warm, in erster Linie Etienne Schneider, der es doch glatt wagte, für die LSAP Anspruch auf die Regierungsspitze zu erheben. Doch dann geschah das Unvorstellbare und dennoch Vorhersehbare: Die Luxemburger verschwanden für zwei Monate im Urlaub. Der Wahlkampf musste warten.
Auch dieses Mal wird dieser wohl kurz, aber heftig ausfallen. Vor dem Schulanfang am 17. September wird höchstens auf kleiner Flamme gekocht. Dann bleiben vier Wochen bis zum Gang an die Urne. Rein vom Charakter her kommt dies den Alphamännchen Xavier Bettel und Etienne Schneider wohl entgegen. Doch müsste auch ihnen bereits aufgefallen sein: Niemand spielt derzeit stärker auf Zeit als die CSV.

Üblicherweise leiden Oppositionsparteien unter der fehlenden Aufmerksamkeit für ihre Arbeit. Man erinnere sich nur an die Liberalen zwischen 2004 und 2013, die sich nur mit größten Mühen bemerkbar machen konnten.

Anders derzeit bei der CSV. Sie hat über die letzten Jahre gelernt: Je weniger Präsenz sie zeigt, je unkonkreter sie bleibt, desto besser sind scheinbar ihre Umfragewerte. Das Wahlprogramm der Christsozialen muss demnach noch warten – was niemanden zu stören scheint.

Die Regierungsparteien haben der CSV somit ein Kunststück erlaubt, das fast unmöglich schien: zwei Jahre vor den Wahlen einen Spitzenkandidaten zu bestimmen, ohne dass dieser zum Auftakt des Wahlkampfs bereits massive Abnutzungserscheinungen zeigt. Die größte Herausforderung für Wiseler kam somit vonseiten seiner eigenen Partei. Anfang 2016 gab diese sich alle Mühe, den Anschein zu erwecken, dass nicht die Person, die die Stellung hielt und die Drecksarbeit machte, den Hauptpreis gewinnt, sondern vielleicht doch noch einer der Posten- und Pöstchensammler, die sich höchstens für Premierministerehren noch mal in Luxemburg zeigen würden.

Die anderen Parteien haben Wiseler seither weitestgehend erlaubt, unter dem Radar zu fliegen. Er wird im September fast jungfräulich in den Wahlkampf einsteigen können, nicht wie einer, der seit zwei Jahren Tag für Tag das Gleiche erzählt. Dieses Risiko erscheint derweil wesentlich größer bei den in den Medien weitaus präsenteren Regierungsmitgliedern.

Bei allem Talent von Xavier Bettel, Etienne Schneider und Felix Braz für den politischen Nahkampf, den CSV-Spitzenkandidaten bisher so ungeschoren davonkommen zu lassen, war ein Versäumnis.

3 Kommentare

  1. “nicht wie einer, der seit zwei Jahren Tag für Tag das Gleiche erzählt. ” Genau so ist es. Aalglatt und breites Grinsen,schaut her,mit mir ist die Welt in Ordnung. Streitkultur in der Politik scheint sowieso von gestern.Da muss man sich nämlich festlegen,zu einer Idee stehen. Und was wenn die öffentliche Meinung kurz vor den Wahlen noch kippt? Dann gibt’s kein zurück. Das wäre vielleicht ein Wunsch der Wähler,endlich wieder eine Partei die Farbe zeigt. Wie sozial ist die LSAP und wie christlich die CSV? Warum in aller Welt gibt die aktuelle Regierung kein Signal-“hey- Leute.Wir haben gute Arbeit gemacht und wollen weiter machen.Gebt uns das Mandat dazu!”
    Statt dessen stellt sich ein Bodry vor die Kamera und sagt uns,dass er mit Blau und Grün nicht mehr kann. Das ist äusserst verwirrend.Wer wählt schon einen der ” nicht mehr kann”? Dann doch lieber weitermachen wie die letzten gefühlten 100 Jahre. CSV -mir wëlle bleiwe wat mir sinn.

  2. Allerdings sind wir in einer Zeitenwende. Die katholischen Strategien des Machterhalts werden immer mehr durchschaut. Die CSV will an die Macht zurück ohne moderne Politik zu liefern. Der katholische Machtapparat, der nichts mit Jesus von Nazareth gemeinsam hat, hat seit Kaiser Konstantin immer eine Möglichkeit gefunden, sich anzupassen. Das Zeitalter der Digitalisierung hat diesem katholischen Opportunismus die Zähne gezogen. Die selbsternannten Christen streiten sich untereinander und verwalten nur noch den Untergang ihrer inquisitorischen, rückständigen Religion. Wir brauchen weder Christentum noch Islam, sondern Politik mit gesundem Menschenverstand. Parteien, die sich einer Ideologie verpflichten, haben ausgedient.

  3. Die CSV braucht nichts zu tun. Ein Rätsel wieso und weshalb diese Partei die kommenden Wahlen aller Wahrscheinlichkeit nach gewinnen wird? Was können Wiseler, Spautz , Reding und Co besser und wann und wo haben sie ihre Überlegenheit bewiesen?

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