Der Despot:

Diesmal also musste Erdogan seine Niederlage in Istanbul eingestehen. Satte 777.000 Stimmen Vorsprung für Ekrem Imamoglu, den Kandidaten der Opposition (gegenüber knappen 13.000 bei der ersten Wahl), raubten ihm jede Möglichkeit, die Wahl einmal mehr aufgrund von dürftig belegten Wahlfälschungsvorwürfen wiederholen zu lassen. Es hätte dem Sultan selbstverständlich zu Gebote gestanden, das Resultat mit der souveränen Begründung „weil es mir nicht gefällt“ annullieren zu lassen und seinen Kandidaten Yildirim („Blitz“) einfach zum Bürgermeister auszurufen.

Doch Sultane sind leider auch nicht mehr das, was sie mal waren, und so musste er zähneknirschend anerkennen, dass eine deutliche Mehrheit der Istanbuler seine Faxen dicke haben und sich bitter entschlossen zeigten, diese vielleicht letzte Gelegenheit zu nutzen, der Errichtung einer Diktatur Einhalt zu gebieten.

Erdogan hat also den Sieg der Opposition anerkannt. Und dennoch soll keiner meinen, dass er sich damit geschlagen gibt. Gespannt warten die Anhänger der Demokratie darauf, welche dirty tricks er sich nun wohl einfallen lassen wird, um den Verlust Istanbuls für seine islamistische AKP doch noch zu verhindern.

Wird die Polizei bei einer nächtlichen Razzia in der Wohnung des Wahlsiegers urplötzlich illegale Drogen ausheben? Wird ein Deep-Fake-Video auftauchen, in dem derselbe angeblich beim Kinderschänden zu beobachten sei? Oder wird gar eine sich auf unglücklichste Weise verirrt habende Kugel postelektorale Fakten schaffen? Der Fantasie von Erdogans Erfüllungsgehilfen dürften da nur wenig Grenzen gesetzt sein.

Wer Erdogan kennt, weiß „it ain’t over till the fat lady sings“ und es wird wohl eher morgen die Sonne nicht aufgehen, als dass am Sonntag der Untergang der Ära Erdogan eingeläutet wurde. Und doch ist Imamoglus Sieg ein extrem wichtiges Ereignis, da es unwiderlegbar bewiesen hat, dass Erdogan in keiner Weise der Vater einer einig frommen türkischen Nation ist, als den er sich so gerne darzustellen beliebt.

Der Demagoge:

Mister Bean wäre wohl eher geeignet, das Amt des britischen Premiers auszufüllen, als Boris Johnson. Wenn Johnson der würdige Erbe Churchills sein soll, dann aber allerhöchstens jenes Churchill, der das Gallipoli-Desaster (für das auf türkischer Seite übrigens ein gewisser Oberstleutnant Mustafa Kemal Bey – später bekannt als „Atatürk“ – mitverantwortlich zeichnete) auf der Kappe hat. Letzte Zweifel an seiner mangelnden Eignung zum höchsten Amt hat er am Wochenende ausgeräumt, als er einen Streit mit seiner Lebensgefährtin dermaßen ausarten ließ, dass gleich mehrere Nachbarn die Polizei alarmierten.

Johnson ist sogar für seine eigene Partei derart unberechenbar, dass er konstant einen „Minder“ zur Seite hat, der ihn notfalls – wie bereits geschehen – unter Anwendung körperlichen Zwangs an der Äußerung der irreparabelsten „Bauzegkeeten“ hindern soll. Wie es ausschaut, täte der Minder gut daran, sogar in Bojos Schlafzimmer Wache zu schieben. Am besten zwischen den Kontrahenten liegend. Zum Premier taugt er also definitiv nicht.
Aber vielleicht braucht ja der durch seine schmachvolle Niederlage zutiefst betrübte Sultan Erdogan einen neuen Hofnarren?

1 Kommentar

  1. “Wie es ausschaut, täte der Minder gut daran, sogar in Bojos Schlafzimmer Wache zu schieben” Das ist unterste Schublade. Wer im Privaten von Politikern herumwühlt macht sich unglaubwürdig.

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