Der Lehrermangel in der Grundschule ist real, auch wenn sich Unterrichtsminister Claude Meisch schwertat, das Problem einzugestehen. Nachdem das Ministerium erst versucht hatte, mit einer schnellen Ausbildung für Ersatzpersonal und der Reaktivierung pensionierter Lehrkräfte gegen die Personalnot anzugehen – ohne rechten Erfolg –, drehte er zusammen mit dem Lehrersyndikat SNE an der Ausbildungsschraube. Die schnell durchs Parlament gebrachte Verkürzung des „Stage“ der angehenden Grundschullehrer von drei auf zwei Jahre, kombiniert mit weiteren Maßnahmen wie etwa der Öffnung der Laufbahn für Studenten mit „fachverwandten“ Diplomen, wird schneller diplomierte Lehrer vor die Klassen bringen und helfen, im kommenden Herbst die Lage zu entspannen.

Allerdings ist die Notlösung alles andere als ausgereift und beantwortet nicht die Kritikpunkte, die u.a. während einer gemeinsamen Versammlung von SEW, Landesverband und Studierenden, die zur Gründung einer Plattform zur Verteidigung der gemeinsamen Interessen führte, formuliert wurden. Diese betreffen hauptsächlich das Praktikum, dessen Kürzung allgemein begrüßt wird.

Der kürzere „Stage“ demotiviere die Auszubildenden allerdings immer noch: Die Praktikanten würden sich weiterhin so fühlen, als seien sie noch auf der Universität. Nach ihrem Studium würden die angehenden Lehrer weiter getestet, evaluiert werden, bereits Gelerntes werde wiederholt.

Der Stress sei entsprechend groß, da zwei Drittel der Punkte Bedingung für die Lizenz zum Grundschulpädagogen sind; die Vorbereitung auf den Unterricht werde so zur Nebensache. Der „Stage“ sei Schikane. Die Kinder würden hierunter leiden. Die Studenten argumentieren, sie hätten bereits während der akademischen Ausbildung 26 Wochen Praxis absolviert und seien entsprechend ausreichend auf den Beruf vorbereitet, auch ohne Praktikum, das mittlerweile zur Bremse für Einschreibungen an der Uni zum BScE (Lehrer-Bachelor) geworden sei.

Dass beim Staat ein Praktikum für Berufsanfänger vorgesehen ist, stellen die künftigen Lehrer dabei nicht infrage; allerdings soll dieses einen begleitenden Charakter haben. Erfahrungen sollten laut Studierenden während der zwei Jahre an sie vermittelt werden und Unterstützung und Hilfe zur Verfügung stehen, wenn nötig.

Dabei befürchten die Absolventen des vierjährigen BScE überdies eine Abwertung des Lehrerdiploms durch die Zulassung zum „Concours“ von Bachelor-Absolventen anderer Fachrichtungen. Diese sollen zwar 240 Stunden zusätzliche berufsspezifische Ausbildung am IFEN absolvieren; diese stünden aber in keinem Verhältnis zu den 7.200 Stunden, die an der Uni.lu Voraussetzung für das Diplom sind.

Demnach wäre eine nachhaltige Überarbeitung der Ausbildung wohl der richtige Weg, um dem Lehrermangel mittel- bis langfristig zu begegnen. Die jetzt im stillen Kämmerlein verhandelte und schnell umgesetzte Lösung mag die Problematik um ein oder zwei Jahre verschieben – ehe die Misere dann wieder von vorne beginnt.
Die jetzt gewonnene Zeit sollte zur Ausarbeitung einer richtigen Reform genutzt werden.

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