Als Muhammad Yunus im Jahr 2006 für die Idee der Mikrofinanz mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, war die Begeisterung groß. Jedem war klar, dass diese Idee einen großen Beitrag zur Armutsbekämpfung in der Welt leisten wird. Die Mikrofinanz ist eine Art Hilfe zur Selbsthilfe: Potenzielle Unternehmer, die keinen Zugang zu einem Bankensektor haben, sollen dank Kleinstkrediten Projekte umsetzen und eigenes Geld verdienen können. Der Kreditnehmer soll so seinen Wohlstand mehren können – und sobald der Kredit zurückgezahlt ist, kann mit dem gleichen Geld die nächste Idee des nächsten Unternehmers finanziert werden.

In Luxemburg wurde das Potenzial der Idee schnell erkannt. Regierung und Finanzsektor sind auf den Zug aufgesprungen, der von wohltätigen Organisationen gestartet wurde. Die Erwartungen waren hoch. Die Regierung wollte Synergien zwischen dem Finanzplatz und den wohltätigen Organisationen aufbauen – alles mit dem Hauptziel, die weltweite Armut zu bekämpfen. Gleichzeitig sollte die Initiative helfen, neue Geschäfte für den Finanzplatz zu finden und auch das Image des Landes zu verbessern. Eine ganze Reihe Projekte wurden gestartet und neue Organisationen gegründet. Dazu zählen unter anderem die European Microfinance Platform, das Microinsurance Network, der Luxembourg Microfinance and Development Fund sowie die Fonds-Labelling-Agentur LuxFlag.

Heute, mehr als zehn Jahre später, gibt es diese Organisationen immer noch. Sie sind gewachsen und haben sich in der Welt der Mikrofinanz gut etabliert. Wer das Stichwort Mikrofinanz bei Google eingibt, stößt sogleich auf Webseiten aus oder über Luxemburg. Auch internationale Finanzierungsinstitutionen wie etwa die Europäische Investitionsbank sind auf den Zug mit aufgesprungen. Der von ihr mitorganisierte „European Microfinance Award“, bei dem es satte 100.000 Euro zu gewinnen gibt, war gar so erfolgreich, dass er nun jährlich stattfindet – statt wie anfangs alle zwei Jahre.

Trotzdem kann der Beobachter von vor zehn Jahren heute auch enttäuscht sein: Denn innerhalb Luxemburgs hat sich kein selbsttragender Mikrofinanz-Privatsektor entwickelt. Im Gegensatz zu beispielsweise chinesischen Banken ist kein Tsunami von Mikrofinanz-Firmenzentralen ins Land geströmt. Und die große Mehrheit der Organisationen bestehen nur, weil sie jährlich Geld vom Staat erhalten.

Stellt sich die Frage, warum die allgemeine Begeisterung nicht zu einem wirtschaftlich nachhaltigen Sektor im Lande geführt hat. Die Antwort ist wahrscheinlich ganz banal: Es gibt wohl doch nicht genug Geld zu verdienen, um die Rendite-Ansprüche der Investoren zu befriedigen. Die Gründe hierfür sind vielfältig, etwa hohe Risiken, unsichere Geschäftspläne, politisch instabile Länder, Mangel an Professionalität, mancherorts Investitionsbeschränkungen für Ausländer. Dass viele Unternehmen dennoch im Bereich investieren, liegt eher an gefühlter „sozialer Verantwortung“ als am Business.

Trotzdem ist es gut, dass Finanzunternehmen über Luxemburg ihre Expertise und Fachkenntnisse mit in den Bereich einfließen lassen. Und auch, dass der luxemburgische Staat diesen mit Steuergeldern fördert. Immerhin gibt es kaum eine andere Art und Weise, mit der die Armut in der Welt effizienter bekämpft werden kann als mit Mikrofinanz. Und vielleicht bietet der (auch dank der Mikrofinanz) weltweit wachsende Wohlstand dann in Zukunft doch noch Geschäftsmöglichkeiten für die hiesige Wirtschaft.

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