Am 24. Oktober 2017 veröffentlicht die neue CSV-“déi gréng”-DP-Mehrheit im Escher Gemeinderat ihren Koalitionsvertrag. Dort steht geschrieben: “Der ehemalige Komplex Ariston soll zu einer multidisziplinären Kultureinrichtung umgestaltet werden.” Knapp ein Jahr später beschließt der Schöffenrat, den Komplex nicht zu kaufen und ihn damit zum Abriss freizugeben.

Am 9. Februar 2018 nimmt der Gemeinderat auf Vorschlag der schwarz-grün-blauen Mehrheit einstimmig den PAP “Portal Eent” an, der eine niedrige Bebauung auf dem Gelände der ehemaligen Losch-Garage am Boulevard Prince Henri vorsieht. Rund ein Jahr später reicht der Bauherr erneut ein Projekt mit einem 19-stöckigen Hochhaus ein, das bereits 2017 verworfen worden war. Die Rückkehr zum Hochhaus sei “auch auf Wunsch des Schöffenrats” zustande gekommen, erklärte der Bauherr dem Tageblatt.

Zweimal revidierten die Verantwortlichen der Stadt Esch demnach eine Entscheidung, die eigentlich schon feststand. Eine solche Inkonsequenz ist an und für sich kein Vergehen, denn jeder hat das Recht, seine Meinung zu ändern.

Doch in den beiden genannten Fällen ist der Sinneswandel des Schöffenrats nur schwer nachvollziehbar. Nicht nur für die Opposition im Gemeinderat, sondern auch für viele Escher. Das hat vor allem damit zu tun, dass die beiden Entscheidungen über die Köpfe der Bürger hinweg getroffen wurden. Bei jeder Gelegenheit wirbt die Escher Mehrheit, wie wichtig ihr Bürgerbeteiligung ist. Doch diese kam zuletzt weder beim Ariston noch beim “Portal Eent” zum Tragen.

Die logische Konsequenz: Es regt sich Widerstand. Gegen das Hochhaus hat sich letzte Woche eine Bürgerinitiative gegründet, die am Montag eine Petition gestartet hat.

Noch stärker bläst der Gegenwind beim Ariston. Der Vorschlag der neuen grünen Kulturministerin Sam Tanson, das Gebäude zu schützen, wurde von der nationalen Denkmalschutzkommission befürwortet. Unterstützung erhält die Ministerin von einer Initiative zur Rettung des ehemaligen Kinos, die bereits über 1.100 Unterschriften gesammelt hat. Zudem haben die LSAP-Abgeordneten Lydia Mutsch und Mars di Bartolomeo mit einer parlamentarischen Anfrage weiteren politischen Druck aufgebaut. Und dem Vernehmen nach organisiert sich zurzeit in Esch eine breite Bürgerinitiative, die sich mit öffentlichen Aktionen für die Erhaltung des Ariston einsetzen will.

Der Escher Kulturschöffe Pim Knaff (DP) erklärte in der letzten Sitzung des Escher Gemeinderats, die Gemeindeführung wisse nicht, wie sie das Gebäude nutzen soll, ohne umfangreiche und teure Umbauarbeiten vorzunehmen. Daraus lässt sich schließen, dass er nicht grundsätzlich gegen den Schutz des historischen Gebäudes ist, sondern dass es den Verantwortlichen der Stadt nur an Ideen fehlt. Kompromissloser war die Einschätzung des CSV-Bürgermeisters Georges Mischo, der betonte, dass der Entschluss des Schöffenrats, das Gebäude nicht zu kaufen, “definitiv” und damit logischerweise unumkehrbar sei.

Was aber passiert, wenn Bürgermeister um jeden Preis Entscheidungen durchsetzen wollen, die den Eschern nicht passen, weiß Lydia Mutsch wohl am besten. Doch auch der CSV, der DP und den Grünen dürfte der Name “Heller” noch ein Begriff sein.

2 Kommentare

  1. Rein in die Kartoffel, raus aus den Kartoffeln! Und jetzt auf einmal ein 19 ( ! ) stöckiges Hochhaus ! Mit welcher Begründung hat der Schöffenrat entschieden, diesen Komplex einfach abzureissen. Die Gemeindeverantwortlichen entscheiden ganz einfach über die Köpfe der Bürger hinweg. Das ist doch kein Wunschkonzert. Hier scheint die linke Hand nicht zu wissen, was die rechte tut, Uneinigkeit im Schöffenrat ? ” Wat ee Gewuerschtels ” !

  2. Das mit dem Ariston kann man leider verstehen, wenn gesagt wird das dieses Gebäude Denkmalgeschutz werden sollte. dann sollte doch das Ministerium es kaufen.
    Könnte ja ausgebaut werden und als Hotel dienen
    Weil das ist ja mangelware in Esch.
    Jeder sollte aber eine Gemeinde verstehen die einfach sagt das auf weite Sicht keine Nutzung für dieses Gebäude vorgesehen ist.Und Kultur gibt es ja genug.
    Und zur Frau Spatz und H Hinterscheid die wollen sich nur in Errinerung rufen.
    Aber das ist Kaffe von gestern

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