Honda wird seine Fabrik in Swindon, die älteste der japanischen Autofabriken in Großbritannien, 2021 schließen. Das alles soll aber rein gar nichts mit dem Brexit zu tun haben, wie der Direktor des Werkes treuherzig versicherte. But he would say that, wouldn’t he? Erstens sind die Japaner ausgesucht höfliche Menschen und zweitens würden sie es sich – indem sie den Briten feierlich erklärten, dass sie es wegen ihrer bescheuerten Brexit-Entscheidung halt nicht besser verdient haben – unnötigerweise mit einer Nation verderben, der sie auch weiterhin ihre Ware verhökern wollen.

Nun gut. Swindon war nie besonders produktiv. Und Hondas Autobranche sitzt, verglichen mit Toyota oder Nissan, schon länger auf dem absteigenden Ast. Und doch: Um Swindon konkurrenzfähig zu machen, hätte Honda massiv in die Modernisierung des Werkes, vor allem in Hinblick auf den Wechsel in Richtung Hybrid- und Elektrotraktion investieren müssen. Und genau dies ist dem Autokonstrukteur das Risiko – bei aller öffentlich zur Schau getragenen Höflichkeit – eben doch nicht mehr wert. Was nach dem Brexit kommt, weiß nämlich niemand.

Eine Just-in-time-Produktion, jenes „schlanke“, auf minimalen Lagerbeständen beruhende Produktionskonzept, mit dem Toyota einst die Welt beglückte, wird mit einer „harten“ Grenze zwischen der EU und der Insel, welche die notwendige Konsequenz eines „hard Brexit“ wäre, nämlich nicht mehr aufrechtzuerhalten sein. Mit Lastwagen, die in Calais oder Dover am Zoll vermodern, anstatt ihre Fracht zackoflex direkt an den Fließbändern abliefern zu können, ist eine „lean production“ nicht mehr machbar.

Hinzu kommt, dass im Rahmen des eben geschlossenen Freihandelsabkommens zwischen der EU und Japan ab 2027 sämtliche Zölle für den Import japanischer Autos in die EU (und vice versa) entfallen. Japanische Klein- und Kompaktwagen werden dann wohl auch weiterhin in der EU montiert, weil sich angesichts der bescheidenen Margen in diesem Segment der Schiffstransport aus dem Land der aufgehenden Sonne in die Alte Welt kaum lohnt.

Zudem bewirken hochautomatisierte Fabriken in den EU-Ländern Slowakei, Ungarn oder Polen, bei denen die Lohnkosten nur schwach ins Gewicht fallen, dass es nach dem Brexit keinen vernünftigen Grund mehr gäbe, in neue Produktionsanlagen in Großbritannien zu investieren.

Diese Länder haben Kompetenzcluster im Automobilsektor entwickelt, die dem britischen voraus sind. Und vor allem haben die Osteuropäer hoch qualifizierte Arbeitskräfte anzubieten, während die handwerkliche Ausbildung in Großbritannien keinen sehr guten Ruf genießt.

Der Brexit würde mithin dem seit Thatcher ohnehin brutal zusammengestutzten Produktionsstandort UK einen weiteren schweren Schlag versetzen. Hier offenbart sich die ganze Idiotie der Brexit-Tragödie: Demagogen wie Farage oder Johnson hatten den leichtgläubigen Untertanen ihrer Majestät verklickert, dass nach dem Brexit keine bösen osteuropäischen Auswanderer mehr ihnen die Jobs im eigenen Land wegschnappen würden. Doch nun werden halt unzählige Jobs nach Europa auswandern. Und Albion, das Land der untergehenden Sonne, schaut in die Röhre.

2 Kommentare

  1. Nissan wärt wuel bleiwen, bei deene Massen un Qashqai, déi op der Insel verkaf ginn. Mee Toyota mam Corolla Hatch a Kombi, sin ech mol gespant wéi lang nach…

  2. Endlich mal ein Kommentar in erfrischend klarer Sprache und mit einem durchweg überzeugenden Gedankengang. Ein Dankeschön nach Luxemburg!

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