Zum Foto:  1967 setzte Kathrine Switzer eine Revolution im Sport im Gang: Als erste Frau lief und beendete sie den Boston-Marathon – zum Missfallen mancher Männer: Hier kämpft sie sich am Marathon-Direktor Bill Cloney (im schwarzen Mantel) vorbei.  Foto: UPI/dpa

Als Pierre de Coubertin die Olympischen Spiele der Neuzeit ins Leben rief, standen die Frauen außen vor. Dass bei den zweiten Spielen 1900 in Paris 22 Frauen am Start waren, gefiel den zu dieser Zeit allgegenwärtigen Sittenwächtern überhaupt nicht. Die 22 nahmen ohne Zustimmung des Internationalen Olympischen Komitees teil, denn der sportliche Wettkampf galt damals als unweiblich und ungesund. 1936 waren unter den 4.066 Athleten 328 Frauen, nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Akzeptanz stetig. Bei den Olympischen Spielen 2016 waren 45 Prozent aller Sportler weiblich, ein neuer Rekord.

Ein Grund zum Jubeln ist das freilich noch nicht, denn Parität heißt noch lange nicht Gleichberechtigung. Durch die Bank verdienen Profisportlerinnen erheblich weniger als Profisportler. Es gibt nur wenige Ausnahmen, die diese Regel bestätigen. Das Tennis zum Beispiel. Die Preisgelder sind im Laufe der Jahre angepasst worden, das Damentennis erfreut sich vielerorts größerer Beliebtheit als das der Herren. Die Ballwechsel sind länger, das Spiel dadurch technischer. Ansonsten sind die Sportarten, bei denen Männer und Frauen gleichgestellt sind, rar gesät. Bezeichnenderweise findet man sie meist im künstlerischen Bereich (Kunstturnen, Sportgymnastik, Eiskunstlaufen).

Dass die Sportwelt eine Männerwelt ist, verwundert zudem nicht, wenn man sich die Zusammensetzung der Verbandsspitzen anschaut. Das Nationale Olympische Komitee COSL schneidet im internationalen Vergleich noch gut ab, obwohl im elfköpfigen Verwaltungsrat lediglich drei Frauen sitzen.

Auch ist es so, dass der Sportkonsument im Stadion bzw. vor dem Fernsehgerät zum Großteil männlich ist. Da der Erfolg (und damit die Rentabilität) einer Sportart heutzutage in allererster Linie von den Einschaltquoten im TV abhängt, kommen die Frauen in der traditionellen Sportwelt meist schlecht weg.

Der Unterschied in der Entlohnung von Profifußballern und Profifußballerinnen ist momentan ein großes Thema am Rande der Frauen-WM in Frankreich. Wirtschaftsexperten erklären die Diskrepanz mit dem sogenannten Wertgrenzprodukt: Demnach sich die Entschädigung eines Mitarbeiters daran orientiert, welchen zusätzlichen Wert er der Firma bringt. Und da gibt es zwischen Männer- und Frauenfußball gewaltige Unterschiede, die sich z.B. an Zuschauerzahlen oder Followern in den sozialen Medien messen lassen. Dass Neymar unendlich mehr verdient als Marta, die im Grunde genommen das Gleiche leistet, mag demnach ungerecht sein, ist aber letztendlich das Resultat von Angebot und Nachfrage.

Dass das Pendel zumindest etwas gerechter ausschlagen kann, dafür soll die Fußball-Weltmeisterschaft in Frankreich sorgen. Sämtliche Turnierspiele werden live im TV übertragen, da die Damen-WM beim Rechteverkauf an die Männer-WM 2022 gekoppelt wurde.

Die Hoffnung auf Besserung gab es aber bereits nach der Frauen-Weltmeisterschaft 2011 in Deutschland, ohne dass sich etwas wirklich nachhaltig im Frauenfußball unseres Nachbarlandes geändert hätte. Und der Blick auf die Einschaltquoten der Turnierspiele 2019 offenbart erneut den meilenweiten Unterschied zwischen Frauen- und Männer-Fußball.

3 Kommentare

  1. Das immer wieder das Tenis angeführt wird um die Gleichstellung zu demonstrieren ist verwunderlisch.
    Den so gleich ist es nicht.
    1) Die Frauen spielen nicht über 5 Gewinnsätze.
    2) Nur über 3 Gewinnsätze
    3) bekommen trozdem das gleiche Preisgeld
    4) Ist das Gleichstellung für gleiche Leistung gleiches Geld?
    Mann sollte sich bei aller thematik immer ein bischen zurückhalten mit diesem Paradox zwischen gleichstellung bei Mann oder Frau

  2. Hier auf dem Foto, wurde in den 1960er Jahren beim Boston Marathon, eine als Mann “getarnte” Konkurrentin aus dem Rennen genommen. Zu der Zeit war es dem ” schwachen ” Geschlecht untersagt an Langstreckenläufen teilzunehmen. Inzwischen haben die Sportlerinnen bewiesen, wozu sie fähig sind und dass sie vielen männlichen Athleten überlegen sind.

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