Es muss schon eine Menge geschehen, ehe das selbst nicht gerade mit dem allerbesten Leumund ausgestattete Internationale Olympische Komitee drastische Maßnahmen beschließt. So geschehen vergangene Woche bei der 134. IOC-Session in Lausanne, als die „Association internationale de boxe amateure“ (AIBA) suspendiert wurde. Dass die heile olympische Welt Risse offenbart, ist durchaus außergewöhnlich.

Die AIBA steckt seit Jahren in der Krise und droht nun definitiv aus der olympischen Familie verstoßen zu werden, was gleichbedeutend mit dem Olympia-Aus einer der ältesten Sportarten überhaupt wäre. Will die AIBA das verhindern, muss sie in nächster Zeit deutliche Verbesserungen in die Wege leiten, und zwar in Verbandführung, Ethik, Kampfrichterwesen und Finanzen.

Nach den Spielen von Rio 2016 wurden 36 Punkt- und Kampfrichter suspendiert, ohne dass es zu wirklichen Konsequenzen für die Betroffenen kam. Offensichtlich waren einige Kämpfe verschoben worden. Jahrelang versickerte in der AIBA Geld, sodass sie mittlerweile vor dem Bankrott steht. Das IOC-Fass zum Überlaufen brachte 2018 die Wahl des Usbeken Gafur Rachimow zum Präsidenten. Rachimow wird unter anderem von den US-Behörden als einer der ganz Großen im organisierten Verbrechen eingestuft. Inzwischen ist er zwar von seinen Ämtern zurückgetreten (worden), doch der Imageschaden für die AIBA war und ist noch immer immens.

Im Olympiaprogramm von 2020 ist das Boxen nach wie vor vertreten, auf Bewährung. Die Qualifikationskriterien bestimmt aber erstmals in seiner Geschichte nicht der Fachverband, sondern das IOC selbst. Das ist auch für Michel Erpelding gut. Luxemburgs Vorzeigeboxer ordnet seit zwei Jahren alles dem großen Ziel Olympia unter. Obwohl er bei den am Sonntag zu Ende gegangenen Europaspielen in Minsk eine deftige Niederlage kassieren musste, lebt sein Olympiatraum weiter.

Ein Aushängeschild ist genau das, was dem Luxemburger Boxen seit Jahrzehnten fehlt. Dabei blickt das Großherzogtum auf eine imposante Boxtradition zurück. So vertraten bis heute immerhin 26 Boxer die Luxemburger Farben bei Olympischen Spielen. Die Auftritte von Ray Cillien oder Ray Philippe verfolgten hierzulande Tausende von Fans. 1965 boxte Philippe auf Limpertsberg vor 4.000 Zuschauern um die EM-Krone. Der Glanz früherer Tage ist verblasst und die Erneuerung auf Verbandsebene nach den Turbulenzen rund um den skandalumwitterten Chisora-Haye-Kampf unter Luxemburger Lizenz 2012 erweist sich noch heute als schwierig. Die Altlasten der FLB sind noch immer da, Vereinsmeierei verhindert zudem seit Jahrzehnten ein konstruktives Wirken auf nationaler Ebene. Der luxemburgische Boxverband ist momentan mehr oder weniger führungslos.

Boxern werden Respekt, Kampfgeist, das Befolgen von Regeln, Demut, Disziplin und nicht zuletzt Fairness abverlangt. Diese Charaktereigenschaften sollten auch auf Verbandsebene eine zentrale Rolle spielen. National wie international.

2 Kommentare

  1. Absolut keine Einigkeit….wie ist es möglich, das einem luxemburger RINGRICHTER der eine Profilizens hat die Leitung eines Amateurkampfs verweigert wird . So blöd kann der doch gar nicht sein.
    Aber ein deutscher RINGRICHTER der ebenfalls diese Profilizens hat, darf schon seit Jahren hier in Luxemburg bei Amateuren bewerten ….das verstehe ich beim besten Willen nicht !!!

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