Bald sind Wahlen. Und wie bei den meisten Wahlen in den letzten Jahrzehnten gibt es einen Dauerbrenner, der jedes Mal wieder gut geeignet ist, um die Wahlprogramme zu füllen: und zwar die immer weiter steigenden Immobilienpreise.

In ihren Sonntagsreden sind sich alle Politiker einig: Die Preise sind zu hoch. Junge Menschen, die gerade in den Jobmarkt einsteigen, haben nun mal keine halbe Million Euro zur Verfügung, um sich eine Wohnung zu kaufen. Und Jahr für Jahr wird die Lage schwieriger: Die Preise für Wohnungen steigen deutlich schneller, als die Gehälter der Angestellten zulegen.

Warum das so ist, ist wirtschaftlich ganz einfach zu erklären: Es handelt sich um das Spiel zwischen Angebot und Nachfrage. Werden mehr Wohnungen gesucht, als verfügbar sind, dann steigen die Preise. Und dies ist seit Jahrzehnten in Luxemburg der Fall. Sowohl gesellschaftliche Faktoren (kleinere Familien) als auch wirtschaftliche tragen dazu bei. Allein im Juli wurden in Luxemburg etwa 1.300 neue Jobs geschaffen. Das sind Hunderte neuer Haushalte, die eine Unterkunft benötigen. Im nahen Grenzgebiet können nicht alle wohnen – der allmorgendliche Verkehrskollaps lässt grüßen.

Doch damit nicht genug. Es gibt weitere Faktoren, die die Preise nach oben drücken. Dazu zählt die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Mit ihrer Nullzins-Politik macht sie das Aufnehmen von Krediten so billig, dass es für jegliche Investoren interessant ist, Häuser zu kaufen. Auch die Mehrheit der staatlichen Hilfen setzt auf eine Unterstützung für das Kaufen von Immobilien (und unterstützt damit die Nachfrage noch weiter).

Die Schlussfolgerung ist klar: Wer will, dass die Preise für Wohnungen fallen (oder zumindest nicht weiter steigen), der muss das Angebot an Wohnungen erhöhen. Gestern hätten wenigstens tausend neue Wohnungen gebaut werden müssen. In der aktuellen Legislaturperiode wurde zwar mehr gebaut als in der Vergangenheit – das ist aber weiterhin kaum mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein.

Auch andere Länder haben mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. So etwa Neuseeland. Auch in dem Pazifikstaat sind die Preise für Immobilien in den vergangenen Jahren deutlich schneller gestiegen als die Löhne – vor allem in der Hauptstadt Auckland. Hintergrund für diesen Anstieg ist neben einem zu geringen Bestand an Wohnraum auch die Zuwanderung von reichen Menschen aus dem Ausland, bei denen der Inselstaat immer beliebter wurde. Neuseeland reagierte Mitte August mit einem Gesetz, das den Kauf von Wohneigentum durch Nicht-Neuseeländer weitgehend verbietet.

Dass diese Lösung nicht passend für Luxemburg ist, versteht sich von selbst. Es stellt sich aber die Frage, ob hierzulande überhaupt jemand wirklich will, dass die Preise fallen. Die große Mehrheit der Luxemburger Haushalte wohnt in der eigenen Wohnung. Zudem ist eine Situation, in der die Nachfrage über dem Angebot liegt, fast eine Garantie gegen Immobilienblasen. Und das dürfte die Banken freuen.

4 Kommentare

  1. “Wer will, dass die Preise für Wohnungen fallen, der muss das Angebot an Wohnungen erhöhen. ”
    Oder man könnte auch die Nachfrage reduzieren.
    Aber darüber darf man ja nicht sprechen.

Schreiben Sie einen Kommentar zu Nomi Antwort abbrechen


Please enter your comment!
Please enter your name here