Hat CSV-Präsident Marc Spautz eine rote Linie überschritten, als er eine Anspielung auf die sexuelle Orientierung des aktuellen Vizepremiers Etienne Schneider zum Besten gab? Der Applaus des Kongresspublikums zeigte: Politiker können heute noch mit derlei Anzüglichkeiten punkten. Nicht nur beim eigenen Parteivolk, das per definitionem kritisch mit dem politischen Gegner ist.

Tatsache ist, dass am Dienstagabend zwar ausschließlich CSV-Mitglieder in der Escher Kulturfabrik saßen, die Partei als Volkspartei aber einen Querschnitt der aktuellen Bevölkerung, ihres stimmberechtigten Anteils, darstellt. So dass Spautz so manchen Lacher wohl auch außerhalb der Partei hatte und haben wird.

Mit dem Nebensatz lag Spautz klar daneben. Er hat sich dafür entschuldigt.
Die Dynamik von Parteikongressen fordert solche Ausrutscher geradezu heraus, insbesondere wenn der Redner sich erstens von seinen Emotionen, von der Stimmung im Saal treiben lässt. Und zweitens nicht einen zuvor spruchreif formulierten Text abliest. Spautzens Ansprache war eine aus dem Stegreif vorgetragene Rede.

Zwar waren die Versatzstücke wohlüberlegt, die sprachliche Ausgestaltung aber überließ er seiner Fantasie, was allein schon darin zum Ausdruck kam, dass er am Montag vor dem Bezirkskongress Zentrum mit den Aussagen anfing, die er in Esch beim Südbezirk am Ende setzte. Wobei nebenbei bemerkt der Dienstag-Ausrutscher am Montag nicht vorkam.

Die Empörung über die kritisierte Aussage, man könne über die neue Bemalung der Polizeiwagen unterschiedlicher Meinung sein, ebenso darüber, ob sie (die Beamten) rosa Uniformen bekommen, ist berechtigt. Folgenschwerer dürfte jedoch sein, wenn Parteitage allein auf derlei Nebensätze reduziert werden.

Denn auch wenn es sich nur um Bezirkskongresse handelte, inhaltliche Aussagen über die politische Ausrichtung einer wahrscheinlichen zukünftigen CSV-geführten Regierung verdienen etwas mehr Aufmerksamkeit. So lassen Sätze über notwendige Reformen in Luxemburg, insbesondere bei den Sozialversicherungssystemen, aufhorchen. Die CSV wolle diese Reformen durchziehen, weil sie notwendig seien, hämmerte Spitzenkandidat Claude Wiseler ein. Was das konkret für die aktuellen und zukünftigen Rentner, für heute noch Berufstätige bedeutet, bleibt vorerst unklar.

Ob Spautzens rosa Uniformen als Nebelkerze herhalten sollten, wäre der CSV wohl zu viel Machiavellismus unterstellt. Dennoch wurde bei den Kongressen die Arbeitsteilung der CSV-Spitze deutlich: Spautz ist der Bulldozer, der Mann fürs rhetorische Grobe, der Mann, der sein Publikum durch kräftige Ausdrücke und derbe Witze aufputscht. Das Talent dazu hat er allemal. Er verdankt es seiner Karriere als Gewerkschafter. Seine Kongressrede hätte er auch auf einer 1.-Mai-Kundgebung vortragen können.

Sein Gegenpart ist Spitzenkandidat Claude Wiseler, der smarte Staatsmann, der Lehrer, der seine politischen Botschaften geschliffen vorträgt, mit humoristischen Einsprengseln versehen, die aber so formuliert sind, dass sie niemandes Ohr verletzen, er sich nachträglich dafür nicht zu entschuldigen braucht. Er muss nichts zurücknehmen und er gibt damit das Bild des Politikers ab, der das realisieren will, was er zuvor gesagt hat. Auf welches der beiden Alpha-Männchen der CSV sollte man also eher achten?

9 Kommentare

  1. Wat den H. Spautz vun sech gëtt, ass mir esou eppes vun egal. Mech géng awer interesséieren wat den H. Wiseler mengt, wann hien vun “Reformen, insbesondere bei den Sozialversicherungssystemen” schwetzt. Hien soll emol eng kéier Kloërtext rieden.

    • Soulaang et keng Detailer ginn, muss ee sech déi Reform am Sënn vun der UEL hire fiichten Dreem virstellen: näämlech, datt alles ofgeschaaft gëtt respektiv den Employé selwer alles muss blechen respektiv kaum nach oder guer keng Krankeschäiner méi duerchginn. Also à l’americaine.

  2. Do geseit Een wei knaschtech Politik ass. Ech si keen Frend vum Bettel ma sein Privatliewen geet Keen eppes un. Ech keint jo dann och dem chrechtlechen Haer Spautz soen dass Een da keint seng Iwerleeungen op katoulesch Geeschtlecher iwerdroen, an da behaapten, dass dei meescht Massen vun Paschteier mat rosa Gewaenner missten ofgehale ginn.

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