Der gezahlte Preis bleibt unvorstellbar. Über 10.000 alliierte Soldaten haben am 6. Juni 1944 ihr Leben an den Stränden der Normandie gelassen. Der D-Day steht für den Anfang des Endes von Nazideutschland. Darüber hinaus steht er auch für den Anfang einer von den USA vorgegebenen Weltordnung, der Pax Americana. Zuerst für die westliche Welt, nach dem Fall der Berliner Mauer auch darüber hinaus.

Nicht einmal einen Monat nach dem Beginn der Operation Overlord wurden an der amerikanischen Ostküste in Bretton Woods die Fundamente für diese neue Welt gelegt: Die Weltbank und der Internationale Währungsfonds werden in Washington angesiedelt. Der Sitz der Vereinten Nationen kommt nach New York. Das GATT, der Vorläufer der heutigen Welthandelsorganisation (WTO), wird geschaffen. Über Jahrzehnte werden die USA diskret die europäische Einigung fördern.

Am 75. Jahrestag des D-Day, vergangenen Donnerstag, musste man sich diese Fakten ganz bewusst wieder ins Gedächtnis rufen. Zu stark dominieren gegenteilige Eindrücke aus den letzten zweieinhalb Jahren, seit Donald Trump im Weißen Haus amtiert.

In Trumps Weltbild haben die USA bisher aus einer Mischung von Schwäche, Naivität und Konfliktscheu ihre eigenen Interessen hintangestellt. Was offensichtlicher Unsinn ist. Was sich geändert hat, ist das Verständnis der Interessen der Vereinigten Staaten. Nach 1944 waren diese auf lange Sicht und grundsätzliche Prinzipien angelegt: Allianzen bei der Verteidigungspolitik sowie Freihandel in der Wirtschaftspolitik gehörten zu den Grundpfeilern. In Europa bezeugen dies die NATO sowie die aus dem Marshallplan heraus entstandene OECD.

Der jetzige US-Präsident vertritt eine Sicht der US-Interessen, die nicht nur sehr viel eingeschränkter ist. Sie gehört vor allem zu einem ängstlicheren und einem auf eine vermeintlich gute alte Zeit gewendeten Weltbild. Dort, wo vor Jahrzehnten die amerikanischen Kinoexporte die Sehnsucht nach dem American Way of Life befeuerten, sieht Trump die USA als Kohleförderer und Erdölexporteur.

Donald Trump stellt dabei weniger einen Bruch als vielmehr einen Höhepunkt der Distanzierung zwischen Europa und den USA dar. Einerseits sind die Zeiten, in denen die USA uneingeschränkt als Vorbild gesehen wurden, schon sehr lange vorbei. Das Bewusstsein für die zahlreichen Fehlentwicklungen in Amerika, sei es im sozialen und im Gesundheitsbereich oder beim gesellschaftlichen Zusammenhalt, ist dafür viel zu stark entwickelt. Andererseits hat sich die Abkapselung der USA sowie ihr stärkerer Blick nach Asien als nach Europa schon lange angedeutet.

Inwieweit Donald Trump seine scharfe Rhetorik bis zum Ende seiner Amtszeit(en) umsetzen kann, bleibt abzuwarten. Derzeit scheint seine Partei, die Republikaner, auf jeden Fall nicht bereit, in einen offenen Konflikt mit ihm zu treten. 75 Jahre nach dem D-Day sollten die Europäer sich so oder so keinen Illusionen hingeben. Mit oder ohne Donald Trump wird sich die Beziehung zu den USA weiter wandeln.

4 Kommentare

  1. Der Gröpaz (Größter Präsident aller Zeiten) wird tiefe Spuren hinterlassen und seine Nachfolger werden Arbeit haben um die Wogen zu glätten. Der mentale Zustand der amerikanischen Wähler scheint aber auch auf einem Tiefpunkt angelangt zu sein,den man nicht für möglich gehalten hätte. Wer stimmt für so einen Mann? Wie naiv oder desillusioniert muss man sein? Und die Illusionen haben einen großen Stellenwert bei den Amerikanern.Die Jungs die in der Normandie(aber auch im Pazifik,die wollen wir nicht vergessen) im Sand verblutet sind würden sich im Grabe umdrehen. Deren Freiheitsgefühl war sicher ein anderes und das “America First” wäre ihnen im Halse stecken geblieben,denn sie kamen als Befreier,nicht als Invasoren.

  2. Bei aller Dankbarkeit gegenüber den Amerikanern, konkreter den mutigen Soldaten, sollt man trotzdem nicht vergessen, dass den amerikanischen Politiker – mmer die eigenen Interesse wichtiger war als alle grossen vorgeschabenen Prinzipen . Die Aussenpolitik der Amerikaner war immer knallharte Machtpoltik mit oder ohne Trump. Eigentlich ist Trump ehrlicher weil er genau sagt dass ihn nur seine Eigenintessen interessieren.
    Eine realistische Einschätzung sind die Werke von z.B. Noam Chomski .

  3. Trump eckt eben mit seiner Art an, aber die USA haben immer ihre eigenen Interessen verteidigt, nur dass die Frage ob Europa sich nicht auch mal selbst verteidigen könnte, ohne Hilfe aus den USA zu verlangen, das ist die Thematik, der wir uns stellen müssen. Wir müssen den USA auch mal zeigen, dass wir selbst was hinkriegen, und nicht jedes Problem an die USA weiterreichen, im letzten Balkankrieg habe die Europäer aber wie immer versagt und die USA musste wieder eingreifen, um Serbien zu bremsen…

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