Als Kolumbus (und vor ihm die Wikinger) Amerika entdeckte, war dies ein Zufallsfund. Ein alternativer Weg nach Indien war das Ziel. Mit dem Mond verhielt es sich anders: Seit Jahrtausenden begleitete er die Menschheit, beeinflusste sie auf eine Weise, dass mehr als eine Zivilisation den Trabanten als Heiligtum verehrte. Bloß … er schien unerreichbar.

Bis zum 20. Juli 1969, als der Adler, die Mondlandekapsel, die sich vorher von der Trägerrakete Apollo 11 gelöst hatte, um 21.17 Uhr (mit 39 Sekunden Verspätung auf den ursprünglichen Plan) 387.000 Kilometer von der Erde entfernt landete. Um 3.56 Uhr (MEZ) betrat dann Neil Armstrong als erster Mensch den erdnahen kosmischen Begleiter, 18 Minuten später tat Edwin Aldrin es ihm gleich, während Michael Collins allein an Bord der Kommandokapsel bleiben musste.

Millionen Menschen sahen sich die Landung live im damals recht neuen Medium Fernsehen an. Zwar war die Bildqualität mehr als bescheiden; dies tat der Begeisterung aber keinen Abbruch. Der Glaube in die Wissenschaft wuchs ungemein; es war dem Menschen gelungen, etwas kaum Vorstellbares mit einer Technik zu realisieren, die heute wohl als veraltet gilt, die es aber immerhin schaffte, die bemannte Raumfahrt aus dem Reich der Science-Fiction und der Comics (Tintin war virtuell bereits vor Armstrong Mondtourist gewesen) in die Realität zu holen. Dass dies auch heute nicht so einfach ist, zeigen die jüngsten Anstrengungen der Inder, die fünf Jahrzehnte nach der NASA, nach Russen und Chinesen versuchen, den durchschnittlich 384.403 Kilometer von der Erde entfernten Himmelskörper zu erreichen, und dabei größere Probleme haben.

Die Begeisterung war, wie beschrieben, enorm. Von Klimawandel ging keine Rede, Atomkraft wurde fast kritiklos als energetisches Potenzial der Zukunft gesehen, die Medizin machte große Fortschritte (1967 wurde die erste Herztransplantation durchgeführt), der Zukunftsglaube nach zwei Weltkriegen wurde nur durch die Angst vor einem weiteren Krieg getrübt.

So war auch die Mondlandung Teil des Kalten Krieges, des unheimlich teuren Wettbewerbs der politischen Systeme. Die Sowjets hatten zwar bereits 1957 ein Lebewesen, die Hündin Laika, in den Orbit geschossen; das gewonnene Prestigerennen zum Mond bedeutete für die USA, sprich den Kapitalismus, aber einen unvergleichbar größeren Sieg, eine konsequent werbetechnisch ausgenutzte, überall bestaunte Leistung.

Der Glaube an die Überlegenheit des westlichen Systems hielt dennoch nicht lange an. Zu unmenschlich wurde der Krieg in Vietnam geführt, zu unappetitlich waren die Auswirkungen des US-Imperialismus zu der Zeit und danach.

Was bleibt, ist die Erinnerung an eine der wichtigsten Leistungen der Menschheit, die übrigens mit minimaler Computerkapazität (die Mondrakete verfügte etwa über das digitale Potenzial eines Taschenrechners der Achtzigerjahre) erreicht wurde. Und jene, die sich die Landung damals ansehen konnten, haben die verschwommenen Bilder immer noch im Kopf. Ich war damals fünf und auch bei der Mondlandung dabei … irgendwie.

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