Bei John F. Kennedy ist es“Ich bin ein Berliner“, bei Martin Luther King „I have a dream“. Sie gehören zu jenen Menschen, bei denen ein kurzes Zitat genügt, um sie in Erinnerung zu rufen. Bei Mario Draghi wird der Satz, wohl unausweichlich für einen Zentralbanker, etwas länger, dafür weniger poetisch sein: „Die EZB ist bereit, im Rahmen ihres Mandats alles zu tun, was nötig ist, um den Euro zu retten. Und glauben Sie mir: Es wird genug sein.“
Die Herausforderungen für die Europäische Zentralbank (EZB) und den Euro wurden mit dieser Aussage im Sommer 2012 nicht wie von Zauberhand beantwortet. Aber sie machte auch dem letzten Spekulanten an den Finanzmärkten klar: Eine leichte Beute, wie Anfang der 1990er Jahre das britische Pfund, würde der Euro nicht werden.

Das ändert nichts daran, dass die Währungs- und Zinspolitik der vergangenen zehn Jahre für die meisten kaum nachvollziehbar ist: Seit Jahren gibt es keine nennenswerten Zinsen mehr auf dem Sparkonto. Geld zum Hausbau bekommt man hingegen für weniger als 1,50 Prozent Zinsen nachgeworfen. Der Einzelne beurteilt die Situation wohl rein nach der persönlichen Lage, je nachdem, ob er eher Geld auf der hohen Kante hat oder bei der Bank in der Kreide steht. Zur Wahrheit gehört aber auch: Ohne diese Niedrigstzinsen wären die Wohnungspreise in Luxemburg über die letzten zwölf Monate kaum um über elf Prozent gestiegen.

Den Mitgliedstaaten der Eurozone geht es ähnlich wie den Haushalten. Die Sparnation Deutschland weint Mario Draghi keine Träne nach. Diese laufen eher für die vermeintlich verpassten Zinseinkünfte. Schaut man stärker nach Süden, findet sich hingegen kaum Kritik an „Super Mario“.

Doch auch Deutschland würde ein Blick über den Tellerrand guttun. Dass der deutsche Bankensektor seit der Finanzkrise getrost als drittklassig bezeichnet werden darf, ist nicht der EZB anzukreiden. Vor allem muss man sich der Frage stellen, was denn bitte die Alternative zum Euro und zur Währungspolitik der EZB gewesen wäre.

Trotz der tiefsten Wirtschaftskrise seit den 1970er Jahre haben die Euroländer nach 2008 auf einer Insel der Stabilität gelebt: Gegenüber ihren wichtigsten Handelspartnern, den anderen Euroländern, blieb alles beim Alten. Allein ein Blick in die frühen 1990er-Jahre offenbart, was ohne den Euro geschehen wäre: Der Wechselkurs der Deutschen Mark wäre durch die Decke gegangen, der französische Franken hätte nicht mithalten können, während die Belgier und Luxemburger zwischen Hammer und Amboss geraten wären.

Ein Blick in die Schweiz, die derzeit auch Negativzinsen hat, zeigt des Weiteren: Ob die deutschen Zinsen derzeit ohne Mario Draghi höher wären, darf bezweifelt werden. Denn das wahre Problem der deutschen Sparer ist volkswirtschaftlicher Natur: Da weder die private noch die öffentliche Hand derzeit viel investiert, gibt es kaum einen produktiven Nutzen für das tapfer ersparte Geld. Deutschland kann man daher nur raten, etwas weniger auf Mario Draghi zu schimpfen und etwas mehr in die zu oft marode Infrastruktur zu investieren.

12 Kommentare

  1. Wer investieren will muss auch Rendite haben, sonst investiert er nicht, sparen ist unter Dracula Draghi unmöglich gewesen, da es nur negative oder gar keinen Zinsen gab und auf die Inflationsrate bezogen eine negative Rendite….Mario war gut für die Staatsanleihen der Club Med Staaten insbesondere Italien , schließlich war er mal Zentralbank Gouverneur dort gewesen, aber er war auch bei Goldman Sachs in den glorreichen Zeiten als die Daten von Griechenland geschönt wurden um dem Euro beizutreten, das sollte man auch dürfen erwähnen Herr Siwek…also in allem einen durchwachsenen Bilanz würde ich sagen..für Luxemburg, Deutschland etc…

  2. juste comme il a volé les intérêts d’épargne des Allemandsavec son politique d’intérêts , il a volé les intérêts sur l’épargne des Luxembourgeois. Grace à lui les épargnants luxembourgeois on pu contribuer au paiement du déficit budgétaire italien. en plus avec l’absence de placements sécurité avec des taux zero, il a contribué au rush sur l’immobilier à Luxembourg, et il est donc co-coupable pour l’augmentation des prix dans notre pays. si l’union européene ne met pas des mesures on place pour rendre impossible de tels comportements de la BCE ds l’avenir, elle est co-coupable.

  3. Es ist das Erlebnis, dass die deutschen Finanzen zwar auf Kurs gehalten werden, in der Scorecard zwar Finanzparameter hinterlegt sind, aber keine strategischen Paramter. Doch es scheint keinen wirklichen Horizont der Ziele zu geben auf den man zusteuern möchte. Jetzt mit den Klimavorgaben, Digitalisierung usw. sowie deren Umsetzungen scheint es nach Jahren wieder eine wirkliche (zukunftswesende) Herausforderungen zu geben, denen man sich zu stellen hat. Wenn auch derzeit zu viele noch eigene finanzielle Vorteile suchen, seien Firmen, Staaten usw. Der Euro und Draghi haben wie sie sagen die Suprimekrise von den Menschen ferngehalten, wenn die Aktienkurse auch in entsprechende Tiefen gesunken sind. Dies war nur in der Gemeinschaft des Euro möglich. Was kann die Einheit sein, die uns beim Klima zusammenschweißt, wer kann diese moderieren?

  4. Eine interessante Analyse eines Nichtökonomen. die Niedrigzinspolitik führt zu gravierenden Verwerfungen bei der privaten Altersvorsorge, erhöhe der Versicherungsbeiträge, da die Versicherung ihre Verwaltungskosten nicht mehr über die Zinsen finanzieren können. Die Sparkassen und Volksbanken müsen Filialen schließen und können lokale Projekte nciht mehr finanzieren. Ältere Leute haben Probleme ihre Bankgeschäfte Online zu erledigen.
    Für Luxemburg, das halb so groß ist wie Kölön und seit Jahren uns um Miliarden von Steuergeldern bringt ist dies alles kein Problem

  5. Die sollen schnellstens uns wieder die gestrichenen Zinsen geben dann kann man auch wieder was
    ausgeben. Was haben die uns alles eingebrockt? Profitiert hat doch nur das Großkapital.
    Schauen Sie sich nur die gewinne der Automobil Industrie an.Noch Fragen?

  6. Herr Draghi sollte seine Kritik lieber an die wirtschaftlich Schwachen der EU richten, die sollten endlich die dringend nötigen Reformen durchführen, damit die ihre Konkurenzfähigkeit am Weltmarkt verbessern.

  7. «Ein Blick in die Schweiz, die derzeit auch Negativzinsen hat, zeigt des Weiteren: Ob die deutschen Zinsen derzeit ohne Mario Draghi höher wären, darf bezweifelt werden.» Mit diesem Satz soll suggeriert werden, dass auch in Nicht-Euro-Ländern die Sparer benachteiligt sind. Es wird klug verschwiegen, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) Negativzinsen haben muss(!) wegen dem Draghi-Kurs der EZB, wegen der fundamentalen Schwäche des Euro. Denn: Würde die SNB nicht die Zinsen tief halten so würde noch mehr Geld in die stabile Schweiz fliessen, würde der Euro gegenüber dem Schweizer Franken noch schwächer, würde der Export der Schweiz in die Euro-Länder – Deutschland! – noch stärker abnehmen – würden umgekehrt deutsche Produkte die Schweiz überschwemmen und den heimischen Markt kaputtmachen.

  8. Die öffentliche Hand in Deutschland würde gerne in Infrastruktur investieren. Budgetierte Gelder können nicht ausgegeben werden, weil der Markt für Tiefbau, Hochbau, Handwerker leer ist. Selbst auf Multimillionenausschreibungen bewirbt sich manchmal kein einziges Unternehmen.

  9. Der Euro hat so miserable Deckung, ist so minimal, dass keiner dafür nennenswerte Leistung erbringen will, es sei denn für derartige Summen, die unberenbar und unkalkulierbar sind. Man muß doch zumindest den Mut haben, der eigenen Währung in “die Augen zu schauen”, geschweige denn, der eigenen Unzulänglichkeit.

  10. Was zumndest irritiert an Herrn Siwecks Artikel, ist die Fixierung auf Deutschland als vermeintliches Problem. Gewiss gibt es hier und dort Investitionsstau, geht es aber ums Sparen, so ist dies ja kein rein deutscher “Sport”; auch viele Luxemburger sind Sparer und geben vielleicht gerade wegen Nullzinsen und immer höherer Bankgebühren auch weniger Geld aus – was ja eigentlich nicht der Zweck von Draghis Politik sein sollte. Altersvorsorge wird immer schwieriger – und nicht jeder ist Häuslebauer, der billige Kredite benötigt. Herr Draghi wollte vor allem die südeuropäischen Länder stützen – ob ihm das mit der Enteignung von mittel- und nordeuropäischen Kleinanlegern auf Dauer gelungen sein wird, darf bezweifelt werden.

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