„Ich werde Verantwortung übernehmen, wenn ich sämtliche Hintergründe kenne“, schickte Xavier Bettel der Vorstellung des Artuso-Berichtes voraus. Gleichzeitig versprach er, ohne jegliches Tabu an das schwierige Kapitel der Kollaboration der Luxemburger Behörden mit den deutschen Besatzern heranzugehen. Der Bericht, der zahlreiche verschwommene Aspekte der Geschichte des Zweiten Weltkriegs analysiert, öffne neue Türen und stelle weitere Fragen, hieß es bei der Vorstellung. „Es ist wichtig, unsere Vergangenheit zu kennen, um unsere Zukunft zu bestimmen“, erklärte Bettel im Vorfeld der Erklärungen.

Claude Wolf cwolf@tageblatt.lu

Daraufhin bleibt dem Artuso-Bericht nur zu wünschen, dass ihm das zweifelhafte Schicksal jener Untersuchung erspart wird, die Experten zwischen 2002 und 2009 über die Plünderung jüdischen Besitzes erstellten. Ihre Schlüsse wurden zwar veröffentlicht, jedoch nie diskutiert oder gar ausgewertet.

Sobald die Abgeordneten nach den Karnevalsferien ihre Arbeit aufnehmen, bekommen sie den Bericht. Sie sollen ihn öffentlich diskutieren. Und dann kann die Frage nach der Verantwortung beziehungsweise nach einer offiziellen Entschuldigung beantwortet werden. Sie würde, 70 Jahre nach Kriegsende, nichts ungeschehen machen. Aber es wäre in einer schwierigen Zeit und einer vielschichtigen Gesellschaft eine schöne Geste. Gewissermaßen ein Neuanfang.

Claude Wolf