Unter dem Namen “Brindille” ist dieses Dekor vor 250 Jahren in die Villeroy & Boch- Geschichte eingegangen. Es ist zweifellos das berühmteste Muster aus dem traditionsreichen Unternehmen. Im aktuellen Jubiläumsjahr wurde der Klassiker sogar neu inszeniert. Claude Wolf an der Schnittstelle zwischen Alt und Neu.

Dekoriertes Porzellan. Mit dem Seeweg nach China entdeckten die Europäer am Anfang des 17. Jahrhunderts das feine blau dekorierte Porzellan der Chinesen. Sie waren begeistert und begannen unmittelbar mit der Herstellung ähnlicher Muster. Porzellan war jedoch teuer und für die bescheidenen Bevölkerungsschichten nicht zu bezahlen. Deshalb wurden ab dem 18. Jahrhundert kostengünstigere Alternativen gesucht. Erste Versuche starteten 1749 in Lunéville, wo der Steingutmeister Jacques Chambrette aus Kalkerde eine Paste herstellte, die derjenigen der Porzellanherstellung sehr nahe kam. Damit legte er den Grundstein zur Fayence-Herstellung.

Die Brüder Boch aus Audun-le-Tiche verfeinerten dieses Verfahren und als 1767 die Produktionsanlagen ihrer neuen Steingutfabrik im Rollingergrund anliefen, kam es bald auch schon zu Dekorversuchen. Das Muster “Brindille” war einer der ersten.

Die Geburt des “Brindille”-Musters

“Inspiriert von der chinesischen Porzellankunst, hatte die französische Manufaktur Chantilly diese einfachen Streublumen auf ihr Weichporzellan übertragen und damit den Nerv der Zeit getroffen”, so der Historiker Jean-Luc Mousset, der hierzulande als einer der Spezialisten der Fayence-Geschichte gilt.”Das brachte die Bochs auf die Idee, das blühende Zweiglein, inzwischen als ‘Brindille-Chantilly’ bekannt, ab 1775 auf ihrem Steingut abzubilden. Heute beanspruchen wir es gewissermaßen als nationales Kulturgut.”

Auch die Muster des in Paris, Straßburg, im elsässischen Niderviller oder in Lunéville hergestellten Geschirrs wurden hierzulande kopiert. Der Versuch sollte sich lohnen, die Luxemburger hatten mit ihrem Zweiglein, das bis heute mit drei- und fünfblättrigen Blumen in Erscheinung tritt, sehr großen Erfolg. Die Steingutfabriken in Lüttich, Arlon, Attert, Nimy und Echternach machten ihre Waren nach.

Das Bemalen des “weißen Golds”

Es dauerte jedoch noch etwa 50 Jahre, bevor das Fayence-Geschirr systematisch bemalt wurde. Den Grundstein dafür legte der an der Pariser “Ecole des Sciences” ausgebildete Jean-François Boch (die dritte Generation der Bochs), als er ein neues Ofensystem und vor allem ein weißes, extrem festes Steingut entwickelte, mit dem er das “weiße Gold” für breitere Schichten erschwinglich machte. Blumenmuster tauchten im Lauf der Zeit immer wieder auf und wurden gewissermaßen zur Signatur der Boch-Produktionen. Weil die erste Sorge der Luxemburger jedoch stets der vernünftige Preis war, durfte das Muster nicht allzu aufwendig herzustellen sein. Auch das war ein Grund, sich auf blaue Motive zu spezialisieren, die verhältnismäßig einfacher zu produzieren waren als die bunten Blumen. Allerdings war das dafür benötigte Kobalt nicht immer so leicht zu beschaffen, so dass das Unternehmen es zeitweise sogar selbst herstellte.

Anfangs wurde das Steingut von Hand bemalt, ab 1823 und nach einer Reise nach England wurden Druckmuster eingesetzt, die einfacher aufzutragen waren als die gemalten Motive, was die Produktion kostengünstiger machte. “Brindille” blieb aber zunächst weiter in Handarbeit, weiß Mousset. Seit 1967 trägt es den Namen “Vieux Luxembourg”.

In ihrem aktuellen, neuen Design kommt die Blütenranke in einer schlichten runden Form daher, entweder kräftig blau auf strahlend weißem Hintergrund oder in umgekehrter Farbstellung in Weiß auf Blau. Einzelne Aspekte des Motivs wurden ausgeschnitten, vergrößert und neu inszeniert, dadurch hat das Geschirr eine ausdrucksvolle Farbigkeit mit starken, dekorativen Impulsen bekommen.

1 Kommentar

  1. Und Irgendwann schmissen die tollen Boch´s das Personal in Luxenburg auf die Strasse, und hofften die doofen Luxemburger würden trozdem ihre Waren kaufen, sie ab jetzt irgendwo in Billiglohn Länder produzieren liessen. Mir soen Merci

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