“Der Straßenverkehr birgt für Autofahrer vielerlei Potenzial für Stress und Frust”, beides Ursachen “für gefährliche Manöver und risikoreiches Verhalten”, heißt es in einer Studie über gegenseitiges Handeln und Kommunizieren zwischen Verkehrsteilnehmern. Die Forscher haben außerdem sieben Autofahrer-Persönlichkeitstypen ausgemacht: Vom „Belehrer“ bis hin zum „Philosophen“ ist alles dabei. Daisy Schengen fasst zusammen.

“Eigentlich bin ich ’n ganz ganz Lieber, ’ne ruhige Kugel-Schieber,
Charmant und wohlerzogen, gelassen, ausgewogen.
Ein harmoniebedachter, fairer Benimmbeachter …
Doch kaum am Steuer – mutiere ich zum Ungeheuer“, sang einst der deutsche Musiker Roger Cicero. Eine solche Verwandlung findet tatsächlich statt, haben Sozialpsychologen der London School of Economics and Political Science (LSE) im Auftrag des Reifenherstellers Goodyear in einer Befragung von rund 9.000 Autofahrern aus 15 europäischen Ländern (Luxemburg nicht vertreten) festgestellt.

Beeinflussen sich die Fahrer gegenseitig, erhöhen sie das Risiko für alle Verkehrsteilnehmer und lösen gefährliche Situationen aus.

Wie wir selbst reagieren, hängt maßgeblich vom Umgang mit den „eigenen Gefühlen und der Unvorhersehbarkeit“, die das Verhalten der anderen Verkehrsteilnehmer birgt, zusammen, schreiben die Experten.

Der Leiter der Studie, Dr. Chris Tennant, spricht in diesem Zusammenhang von einer Art Auslöser. Indem man auf andere Autofahrer negativ einwirkt, ruft man in ihnen die Seiten ihrer Persönlichkeit hervor, die man an sich selbst überhaupt nicht mag.

Die Studie

„Psychologische Studie: Gegenseitige Beeinflussung erhöht das Risiko im Straßenverkehr“, zwei Erhebungen im August und Dezember 2015.
Neben „qualitativen Befragungen und Fokusgruppen“ fußen die Studienergebnisse auch auf einer Online-Befragung von rund 9.000 Autofahrern aus 15 europäischen Staaten, darunter Frankreich, Italien, die Niederlande, Deutschland und Belgien. Autofahrer aus Luxemburg wurden nicht befragt.

“Schneeballeffekt”

Gleichzeitig lässt sich mit Freundlichkeit und Rücksichtnahme bei den anderen Fahrern punkten. In beiden Fällen – rücksichtslose wie rücksichtsvolle Fahrweise – sei eine „Kettenreaktion“ zu beobachten.

Die große Mehrheit (87 Prozent) der Studienteilnehmer bestätigte, dass die Höflichkeit anderer Fahrer (Danke fürs Einfädeln-Lassen, Entschuldigung für Fahrfehler) sie selbst zu mehr Umsichtigkeit motiviert habe.

Etwas mehr als die Hälfte der Befragten (55 Prozent) gab an, dass „sie ihre Verärgerung über einen Fahrer anschließend wahrscheinlich an einem anderen Fahrer auslassen würden“.

In beiden Fällen sprechen die Sozialpsychologen um Dr. Tennant von „Logik der Gegenseitigkeit“. Diese „Wie du mir, so ich dir“- Reaktion findet aber zeitversetzt statt. Ist man über das Verhalten eines anderen Autofahrers verärgert, lässt man die eigene Missmut nicht am Verursacher selbst, sondern an anderen „unschuldigen“ Verkehrsteilnehmern aus.


Und so beschreiben die Forscher den jeweiligen Fahrertyp*:

Der Belehrer muss sicherstellen, dass andere Fahrer wissen, was sie falsch gemacht haben, und erwartet Anerkennung für seine Bemühungen.

 

Der Besserwisser denkt, er sei von inkompetenten Verkehrsteilnehmern umgeben, und begnügt sich damit, andere Fahrer aus dem geschützten Bereich seines Fahrzeugs heraus herablassend anzuschreien.

Der Aussteiger hört Musik oder telefoniert, um sich selbst zu isolieren. Er lenkt sich ab – auch vom Verkehrsgeschehen, um nicht mit anderen Autofahrern in Beziehung treten zu müssen. In erster Linie ist dies eine Strategie zur Frustrationsvermeidung.

 

Der Vermeider verhält sich gegenüber Fahrern, die Fehlverhalten zeigen, distanziert, sieht sie als potenzielle Gefahr.

Der Wettkämpfer muss immer an vorderster Stelle fahren und ärgert sich, wenn ihn jemand daran hindert. Es ist möglich, dass er beschleunigt, wenn ihn jemand überholen will, oder dass er dicht auffährt, damit niemand vor ihm einfädeln kann.

 

Der Bestrafer möchte andere Fahrer für wahrgenommenes Fehlverhalten bestrafen. Gut möglich, dass er aus seinem Auto aussteigt und andere Fahrer direkt konfrontiert.

Der Philosoph akzeptiert Fehlverhalten und versucht, dieses rational zu erklären. Es gelingt ihm, seine Gefühle beim Autofahren zu kontrollieren.

 

*(Quelle: Psychologische Studie: Gegenseitige Beeinflussung erhöht das Risiko im Straßenverkehr“, August 2015)

4 Kommentare

  1. @ Desi Schengen. Dann gibt es noch den Oberlehrer II, der absichtlich mit 30km/h durch den inneren Kreis eines Kreisverkehrs zuckelt und sich über all diejenigen aufregt die ihn RECHTS überholen ! Dabei gilt es definitiv nicht als Überholen wenn mehrere Spuren in die gleiche Richtung führen und eine Spur davon schneller als die andere ist. (Art. 125 des Code de la route)

  2. Den Problem,éen groussen,lait do dran,dass vill leit net wessen wat éen Code de la Route ass,Behuelen an Respekt sin um Nullpunkt unkomm,an et get net besser op eisen Stroossen,éischter schlechter.An dofir get et Zait,dass nach méi streng Réegelungen kommen,dén déi Onbeleíherbar zur Raison bréngt.

  3. Was soll ich tun, möchte so gern Philosoph bleiben, kann es aber nicht wenn ich soviel Unverstand im Verkehr sehe. Mit 70 km/h an den Radaren vorbei und dann weiter mit dergleichen Geschwindigkeit durch die Ortschaft, Blinker gibt es nur für kleine Autos, SMS schreiben während der Fahrt, im Kreisverkehr beide Spuren für sich beanspruchen, auf der Autobahn kilometerweit auf der linken Spur tuckern ohne sich um den Rest der Welt kümmern, auf 2 Meter hinterher fahren. Ich spare jetzt für einen alten Caterpillar 938. 😊

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