Wissenchaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass Farben und Musik das Verhalten der Menschen nicht unwesentlich beeinflussen können. Es heißt, Rot mache aggressiv, Blau beruhige und Grau drücke auf die Stimmung. Ein Blick auf die Straße zeigt, dass die meisten Autos grau, schwarz oder weiß sind, das erklärt dann längst nicht alles, oder? Andererseits stellt ein lustiger roter Kleinwagen nicht unbedingt eine Gefahr für uns dar, während man einem roten Sportwagen eher fasziniert und bewundernd begegnet und nicht, wie erwartet, einen Wutanfall bekommt.

Auch Musik beeinflusst unsere Stimmungslage. Es gibt sanfte Hintergrundmusik, die man zu Hause auflegt, um dann entspannt im Urlaubskatalog zu blättern oder Ikea-Möbel aufzurichten, hier würden Motörhead oder AC/DC ein Billy-Regal schnell in eine viereckige Mausefalle verwandeln.

Rock, Pop oder Klassik

Musik und Musikanlagen haben im Automobil ihre Tradition. Vor langer, langer Zeit galt es als chic, ein Autoradio zu haben, meist war es aufpreispflichtig und der Antennenträger auf den vorderen oder hinteren Seitenflügeln stellte eine zusätzliche Rostquelle dar, während die Lebensdauer einer Antenne davon abhing, wo man das Auto parkte. Es gab den Verkehrsfunk und die Nachrichten und man konnte im Auto die Bundesliga-Konferenzschaltungen oder die Hitparade verfolgen. Später kamen dann die Kassettenspieler hinzu, die einen für den nachträglichen Einbau gedacht, die anderen in das Radio am Armaturenbrett integriert. Sie waren kompliziert zu montieren und einfach auszubauen, dazu genügten ein Schraubenzieher und eine zweite Person, die an der Ecke Schmiere stand. Auf die Kassetten folgten die CD-Player, heute hat man Bluetooth und/oder Apple Carplay, um die Musik vom Handy über die integrierte, standardmäßige Digitalanlage des Autos abzuspielen.

Die Musik, die man heute am Lenkrad hört, ist unterschiedlicher Natur und von Fahrer und Insassen abhängig. Es gibt Klassik-, Pop- oder Rocksender, man kann auf langer Fahrt klassische Musik ohne Werbeunterbrechungen hören und sich fragen, wie denn die Radiosprecher zwischen den langen Werken die Zeit totschlagen, und man stellt sich vor, wie sie sich nach getaner Schicht ihrer Motorik besinnen und ihre eingeschlafenen Glieder zum Lift und zur Tiefgarage bewegen, ins Auto steigen und dort den Sender mit der Rubrik „Klassische Musik und das Konsumverhalten von Dritte-Welt-Diktatoren in Waffenläden“ einschalten. Laut der Musikwissenschaftlerin Helga de la Motte-Haber erhöht klassische Musik das Unfallrisiko, denn mit ihren Höhen, Tiefen und den Lautstärke- und Tempowechseln beansprucht sie das menschliche Gehirn ziemlich stark und beeinflusst dadurch das Reaktionsvermögen. Auch Jazz und Blues werden Umfragen zufolge als risikoreiche Automusik wahrgenommen, wie die Welt schreibt. Unkomplizierte Musik, also Pop, ist da schon empfehlenswerter. Gleichmäßiger Rhythmus ohne dramatische Lautstärkenwechsel lenkt weniger ab und entspannt den Fahrer.

Laute Musik erhöht Unfallrisiko

Laute Musik, egal um welche Gattung es sich handelt, erhöht das Unfallrisiko. So hat Dr. Rötter, ein Wissenschaftler der Uni Dortmund, herausgefunden, dass mit der Lautstärke auch die Herzfrequenz des Fahrers steigt und sich seine Reaktionszeit verlängert. Laute Musik soll demnach bei 100 km/h den Bremsweg um mehr als 15 Meter verlängern.

Radio hört man heutzutage im Auto eigentlich nur noch der Informationen und Staumeldungen wegen, die Musik dazwischen ist ein netter Zeitvertreib und die Werbung kann auch sehr lustig sein, wenn man den lokalen Kontext, das Produkt und die Ansprüche der Zuhörer kennt. Wie erwähnt bringen die Menschen ihre eigene Musik per Handy ins Auto mit und diese Musik beeinflusst auch ihr Verhalten am Steuer und ihre Einstellungen zu den anderen Verkehrsteilnehmern. Normalerweise reagieren Fahrer unter klassischer Musikberieselung anders als solche, die Heavy Metal hören, eine Polizeisirene empfindet man bei einem Streichorchester anders als bei voll aufgedrehtem Bass und Schlagzeug. Dabei kann auch Klassik klanglich und lautstärkenmäßig sehr inspirierend sein. Der Walkürenritt, ein Helikopter und ein vietnamesisches Fischerdorf und schon ist die Hölle los. Und „Highway to Hell“ muss man nicht unbedingt auf einer Luxemburger Autobahn auflegen, da reicht „The Road to Hell“ von Chris Rea dicke.

Natürlich kann man Musik so laut hören, wie das Gehör es aushält, vernünftige Zeitgenossen wollen ohnehin die Musik in ihrem Auto genießen und dazu bedarf es bei geschlossenem Fenster nicht einmal voller Lautstärke. Das Problem ist, dass ein Haufen vornehmlich junger Fahrer meint, ihre Musik- und Klangvorstellung der Außenwelt aufzwingen zu müssen, vielleicht leiden sie an Einsamkeit oder haben irgendeine Profilneurose, die sie zu dieser aufdringlichen Mitteilsamkeit führt, wenn sie mit offenen Wagenfenstern durch die Straßen rollen, während die Lautsprecher vorne und hinten das Blech erzittern lassen. Ist es Zufall, dass man in jenen Fällen meist Rapmusik hört oder haben Rapper ein besonderes Bedürfnis, ihr sinnlos in Dingwörter und Vokabel gemischtes Anliegen der Außenwelt vorzutragen und sie damit enorm zu nerven? Hupen zwecklos, kann man da nur sagen, diese Menschen würden einen Jumbojet nicht einmal hören, wenn er quer durch das Auto fliegt.

Mozart und Beatles auf vier Rädern

Wie verhalten sich Hörer von Beethoven, Mozart, Steven, Bruce, Elton, Mick, Charlie oder Sixpence oder 50 Cent (für Währungsschwankungen übernehmen wir keine Verantwortung!) in Konfliktsituationen? Drängelt ein Bach im Verkehr, lässt ein Chopin auch mal Oma über die Straße oder parkt ein Mick Jagger auch auf Behindertenparkplätzen? Was, wenn man Tschaikowsky die Vorfahrt nimmt oder zu langsam vor Axl Rose dahinfährt oder beim Fahrbahnwechsel Noel Gallagher übersieht? Oder ich einen Rapper ausbremse?

Aber hier ist die Möglichkeit groß, dass der beim Bremsen seine Baseballkappe verliert oder ihm die hintere Lautsprecherbox in den Rücken fliegt, in beiden Fällen ist er entwaffnet und zunächst einmal immobilisiert. Angesichts der Behauptung, dass Hörer von Heavy Rock und Schwermetall die wutanfälligeren Typen sind, sollte man froh sein, auf der Straße mit Zeitgenossen aneinanderzugeraten, die gerade Marianne Rosenberg, Céline Dion oder Modern Talking hören. Nur nicht David Guetta. Um diese Leute fahre ich einen weiten Bogen.

1 Kommentar

Schreiben Sie einen Kommentar zu Jemp Antwort abbrechen


Please enter your comment!
Please enter your name here