Weihnachten, das kann ziemlich hart werden. Verstehen Sie mich nicht falsch, auch ich freue mich auf diese festlichen Tage, wenn sich die Familie unterm Weihnachtsbaum versammelt, im Fernsehen die alten Klassiker wieder aufgelegt werden und am Ende ein Riesenhaufen von Geschenkpapier herumliegt und man vor der gesamten Verwandtschaft den Pulli rumzeigt, den einem die Schwiegermutter geschenkt hat. Wochenlang hat man sich auf Weihnachten vorbereitet, die meiste Zeit davon mit Überlegungen verbracht, was man denn nun wem schenken soll.

Einen Weihnachtsbaum herbeizuschaffen, die ganze Licht- und Leuchter-Dekoration mitsamt Schmuck für den Weihnachtsbaum vom Speicher herunterzuholen, den Baum so abzusägen und in der Halterung zu befestigen, dass er auch wirklich hält und nicht beim ersten Luftzug umfällt, den Kühlschrank mit Getränken zu füllen, die der Kühlung bedürfen, und die gleichen Flaschen im letzten Augenblick erneut hineinzulegen, nachdem die Herrin des Hauses sie entfernt hat, um Platz zu schaffen für Buttercreme, Schlagsahne und anderes kulinarisches Zeug, den Esstisch zu dekorieren und meine Schallplatten vorsorglich in Sicherheit zu bringen, damit sie sich nicht wieder irgendein Cousin oder Bekannter ausleiht („Die kriegst du in einer Woche wieder, versprochen!“), das Familienfoto wieder auf den Geschirrschrank zu stellen, auf dem dieser nervige Onkel zu sehen ist, damit er nicht wie jedes Jahr wieder nörgelt, also das alles ist nichts im Vergleich zur Pflicht, für alle einem nahestehenden Familienmitglieder ein passendes Geschenk zur Hand zu haben. So etwas erfordert Planung, gute Kontakte und Einfallsreichtum.

Oder Improvisationstalent und Durst. Wie in meiner Studentenzeit. Da traf man sich an Heiligabend am frühen Nachmittag zu einem Bierchen, daraus wurden schnell zwei oder drei, und dann verschwand der eine oder andere mal kurz, um irgendwo in der Nähe noch ein Geschenk aufzutreiben. Hatte er es geschafft, gab’s wieder ein Bierchen zur Belohnung, und dann noch eins – und dann war jemand anders dran, so verging der Nachmittag, es kamen immer neue Bekannte und Freunde in die Kneipe und es gab so viel zu erzählen, weil man damals ja noch miteinander redete und Handy und Internet noch nicht erfunden waren.

Am Ende landeten wir alle zu Hause, natürlich zu spät, aber man war bestens gelaunt, oft zu gut, um der versammelten Familie ein verständnisvolles Lächeln zu entlocken. Unsere Kneipentour an Heiligabend hatte Tradition und verbreitete Angst und Schrecken unter den Leuten, besonders unter den eigenen Familienangehörigen.

Irgendwann hat sich das aber gelegt, man ist gemütlicher und häuslicher geworden. Dafür klappt es mit den Geschenken auch nicht unbedingt besser.

1 Kommentar

  1. Heute gibt es kein kitschigeres und verlogeneres Fest als Weihnachten. Viel junge Leute kennen den eigentlichen Sinn und den Ursprung des Lichter-und Gamourfestes nicht. Schon einen Monat im Voraus wird in den Städten und Einkaufszentren eine künstliche Weihnachtsstimmung erzeugt, die zum Kaufen und Konsumieren anregen soll. Ist das Fest der Liebe dann endlich da, ist für echte Liebe nicht mehr viel Platz, die Menschen sind gestresst und viele dem Burnout nahe. Und der dreizehnte Monat ist auch noch hin. Oh du schöne….. alte, vergangene Zeit, wo nicht alles besser, aber vieles gemütlicher und besinnlicher war.

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