Die „Verschlafene“ – so nannte man Aix-en-Provence zur Zeit der Revolution. Heute ist sie hellwach, aber Hektik und Trubel sind ihr fremd. Marc Schonckert aus der Stadt von Cézanne.

Aix ist eine besonnene, aber ehrgeizige Stadt. Man hat eine gesunde Mischung aus junger und älterer Bevölkerung, man hat Studenten und ein beträchtliches historisches und kulturelles Erbe, das man mit Stolz und viel Selbstbewusstsein den auswärtigen Besuchern zur Schau stellt. Aix ist ein Touristenzentrum in der Provence, aber anders als in vielen Touristenhochburgen an der Côte d’Azur oder in Paris zur Ferienzeit tummeln sich hier mindestens ebenso viele Einheimische und Bewohner aus der direkten Umgebung wie Ausländer in den engen, malerischen Seiten- und Nebenstraßen, in den Parks und in den Vorhöfen der Museen und anderer Sehenswürdigkeiten. Aix ist beileibe keine Ramsch-Touristenstadt im Sinne klassischer Destinationen, wo die Touristen in Bussen angekarrt werden und dann in kurzen Hosen und Turnschuhen die Billig-Souvenirläden unsicher machen.

In Aix gibt es eine Menge Terrassen und Restaurants, auf denen permanent Hochbetrieb herrscht und wo die Einheimischen den Ton angeben und sich laut statistischen Erhebungen mindestens zwei Stunden bei einem Kaffee und einem Glas Wasser aufhalten und diskutieren, bevor sie lässig ihren Platz auf der Terrasse räumen. ,

Authentische und wenig aufdringliche Einwohner

Doch im Gegensatz zu den Parisern, die eine Woche lang Dosenfutter essen, um am Wochenende bei einem Pastis für 24 Euro auf den Champs-Elysées den Chinesen und Russen Pariser Lebensstil und Nonchalance vorzuspielen, sind die Einwohner von Aix authentischer und weniger aufdringlich. Immerhin hat man in Aix Zeit im Überfluss, die Bedienung in den Cafés und Restaurants ist gegen Hektik gefeit und ignoriert mit professionellem Geschick jeden Blickkontakt mit den Kunden, um sich ihrer letzten Endes dann doch zu erbarmen und sie für ihre Geduld oder Hartnäckigkeit zu belohnen.

Aix macht Werbung als Shopping-Stadt, doch außer den Läden mit einheimischen gastronomischen Produkten finden sich hier nur Top-Adressen aus Mode und Bekleidung, keine Billigware, sondern meist nur Qualität weit oberhalb der R5- oder Clio-Preisklasse. Dies erklärt zum Teil auch, warum man es hier mit etwas anspruchsvolleren und zahlungskräftigeren Besuchern zu tun hat, die in Aix vornehmlich kulturellen und gastronomischen Prioritäten huldigen. Aix ist auch eine Universitäts-Stadt, doch Studenten sieht man im Stadtkern und in den Cafés und Terrassen eher selten, was angesichts der Preislage im Gastronomiewesen nur normal ist.

Der Stadtkern von Aix ist weitgehend eine Fußgänger-Zone, man bewegt sich hier entspannt und erreicht alle Sehenswürdigkeiten problemlos innerhalb einiger Minuten, ausgehend von den Hotels in und um den Stadtkern. Fast könnte man sich an die Luxemburger Oberstadt erinnert fühlen, allerdings ohne Baustellen, Baukräne und Busse. Nur viersitzige Mini-E-Fahrzeuge, eine Initiative des Geschäftsverbandes für ältere Kunden, kurven hier herum, daneben noch die üblichen Motorräder der Pizza-Lieferdienste, die billige Alternative zu den anspruchsvollen Essgewohnheiten der Einheimischen und der zahlungskräftigen Touristen.

Was man gesehen haben muss

Aix bietet eine Fülle an Museen und historischen Gebäuden und Stätten an, gut zwei Dutzend an der Zahl, unter denen man die Musées Granet und Granet XXème (u.a. Werke von Cézanne, Monet, Van Gogh, Picasso, Ingres, Rembrandt) hervorheben muss, wie auch das Hôtel de Ville oder die Cathédrale Saint-Sauveur und besonders das „Centre d’art Caumont“, in dem derzeit und noch bis zum 29. September 2019 eine Sonderausstellung mit Leihgaben aus der „Collection Thannhauser“ des Guggenheim zu bewundern ist. Hier verharren sowohl der Kenner als auch der Laie in Andacht und Respekt vor den Bildern und Skulpturen von Meistern des Impressionismus und Post-Impressionismus und den Großen der Moderne, von Manet und Picasso über Degas, Gauguin, Cézanne und Van Gogh bis zu Braque und Matisse.

Wer das ganz Besondere und Außergewöhnliche erleben möchte, sollte einen Rundgang mit Jean-Pierre Cassely buchen, der bei einem zweistündigen Spaziergang (jeden Montag von 10.00 bis 12.00 Uhr) durch den Stadtkern von Aix eine Menge faszinierender Details und auch Geheimnisse über die historischen Gebäude und auch Persönlichkeiten sowie bekannte Häupter der Geschichte der Stadt zu erzählen weiß. Den Rundgang „Aix insolite et secrète“ kann man beim „Office du tourisme“ buchen oder aber das gleichnamige Buch von J.-P. Cassely erwerben, am besten beides zusammen.

Cézanne

Wer Aix-en Provence besucht, kommt an Cézanne nicht vorbei. Es ist die Stadt dieses Malers, der als Vater einer neuen Welle von Impressionisten gilt und über den Picasso einst sagte: „Er war der Vater von uns allen.“ So kann man dann in Aix nicht weniger als 32 historische Plätze, Gebäude, Museen und Ateliers besuchen, die mit Cézanne, seiner Familie und Bekannten in Verbindung stehen, im Stadtkern gelegen und nur einen kleinen Spaziergang durch die malerischen Gassen vom Cours Mirabeau entfernt, jener Prachtstraße mit Hotels, Cafés, Banken und exklusiven Geschäften, die den Stadtkern von der place Général de Gaulle im Osten, wo sich das „Office du tourisme“ befindet, bis zum boulevard Carnot im Westen durchläuft. Nur zwei Erinnerungsstätten liegen weiter raus im Norden der Stadt, nämlich das 1,6 km vom Stadtkern entfernte Atelier, in dem er von 1901 bis 1906 arbeitete, das in einem Hügel oberhalb der Stadt versteckt liegt, wobei die letzten 200 Meter Aufstieg etwas anstrengend sind, und das 2,6 km entfernte „Terrain des peintres“, Lieblingsstelle des Malers, von der aus man einen herrlichen Blick auf den Berg Sainte-Victoire, eines der bevorzugten Motive von Cézanne, hat.

Info

City Pass
Beim „Office du tourisme“ an der place De Gaulle kann man einen City Pass erwerben, der zum Eintritt in die meisten der Sehenswürdigkeiten und Museen und Teilnahme an organisierten Touren berechtigt und den man sich schon leisten sollte, falls man hier ein kulturell intensives Wochenende plant.
Preis: Ab 25 Euro (Erwachsene) für 24 Stunden bis 43 Euro für die Dauer von drei Tagen.

Mit dem Bus ab Flughafen Marseille
Direkt ab Flughafen Marseille-Provence fährt in kurzen Zeitabständen ein Bus nach Aix-en-Provence. Von der „Gare routière“ in Aix sind es zehn Minuten zu Fuß bis zum „Office du torusime“ und dem Cours Mirabeau.
Office du tourisme
300, av. Giuseppe Verdi,
13605 Aix-en-Provence
www.aixenprovencetourism.com

4 Kommentare

  1. “Aix ist auch eine Universitäts-Stadt, doch Studenten sieht man im Stadtkern und in den Cafés und Terrassen eher selten, was angesichts der Preislage im Gastronomiewesen nur normal ist.”

    Psst, das Personal ist alles Studenten.

  2. Obwohl wir gerade erst von de Mille Miglia zurück sind, haben Sie uns richtig Lust gemacht dahin zu Dieseln. (Euro 5). Erster Halt, Beaune und dann in ein, zwei oder drei weiteren Etappen bis nach Aix. Schön wäre es, wenn die Alpenpässe für den Rückweg frei wären. 3 Tage sollte man einplanen bis Chamonix. Mein alter Diesel schafft das noch ein paar Jahre, glauben Sie mir, liebe🤢 .

  3. Moien Marc, Dir musst di nexten Keier nach eppes wer eis Ste Victoire schreiben, dat ass mein beleiften Bierg, mat sengen prieuré uewen drop, an menger Staat.

Kommentieren Sie den Artikel


Please enter your comment!
Please enter your name here