Vier Jahre Vorbereitungszeit auf das höchste Amt als Weinbotschafterin der „Königin der Reben“ hatte die designierte „Rieslingskinnegin“ Fabienne Demuth. Am kommenden Freitag (13. September) folgt mit der Krönung in Wormeldingen der Auftakt in ein aufregendes Jahr.

Von Herbert Becker

Die Sonne strahlt über das wolkenlose Moseltal auf unserem Weg nach Ober-Wormeldingen. Hoch über der Rieslinggemeinde Wormeldingen, inmitten der Weinberge, liegt unser Ziel: das Weingut Demuth. Herzlich empfangen werden wir in der „Wenkelgewan“ von Fabienne Demuth, ihren Eltern Andrée und Roger sowie Schwester Laura. Wir möchten von der designierten Riesling-Königin gerne in Erfahrung bringen, mit welcher Erwartungshaltung sie das ehrenvolle Amt als Botschafterin der „Königin der Reben“ und zugleich der Wormeldinger Winzerschaft angehen wird.

Tageblatt: Woher kommt Ihre Passion zum Wein und wie hat sich diese im Laufe der Jahre entwickelt?
Fabienne Demuth: Ich bin in eine Winzerfamilie hineingeboren worden. Schon mein Großvater hat Weinbau im kleineren Stil betrieben, mein Vater bzw. meine Eltern haben das Weingut im Laufe der Jahrzehnte auf 14 Hektar Rebfläche ausgebaut. Wir produzieren den Wein allerdings nicht selbst, sondern liefern unser Erntegut an die Genossenschaftskellerei Vinsmoselle.

Da lag es auf der Hand, dass ich schon als kleines Mädchen mit zur Weinlese gegangen bin mit meiner Bastelschere und einem kleinen Eimer. Das brachte mit sich, dass wir mit der Familie auch die Weinfeste an der Luxemburger Mosel besucht haben und ich immer leuchtende Augen beim Anblick der Weinköniginnen bekam. „Das möchte ich auch einmal werden“, war der Gedanke, der mich fortan nicht mehr losließ.

Riesling-Königin Fabienne (Mitte) mit ihren Prinzessinnen (v.l.n.r.): Sara, Lara, Fabienne, Céline, Anne

Wann war denn der große Moment gekommen, bewirbt man sich für das ehrenvolle Amt und wie alt muss man sein?
Das Mindestalter ist auf 16 Jahre festgelegt, in dem Alter steigen die meisten jungen Damen dann auch in den Reigen ein. Anders als beispielsweise in Deutschland vollzieht sich das Prozedere wie folgt: Der Weinkönigin werden stets vier Prinzessinnen zur Seite gestellt. Das jedoch ist nicht nur schmückendes Beiwerk, die Prinzessinnen bekleiden dieses Amt während vier Jahren, im fünften Jahr kommt dann der krönende Abschluss als Königin. Eine Bewerbung muss man nicht stellen, die Gemeindeverantwortlichen bzw. das Festkomitee suchen die jungen Damen aus.

Ich hatte eigentlich schon nicht mehr mit einer Anfrage gerechnet, denn ich war bereits 19 Jahre alt, als meine Schwester Laura im Jahr 2015 zur Riesling-Königin gekrönt wurde. In der Regel kommt dann die erste nachfolgende Prinzessin aus dem Ort der amtierenden Königin, in dem Fall also aus Wormeldingen (Anm. d. Red.: Die Rieslinggemeinde besteht aus den Orten Wormeldingen, Ehnen, Ahn und Machtum), und so ging mein Kindheitstraum, nachdem ich lediglich eine Nacht über die Anfrage geschlafen hatte, dann doch noch in Erfüllung.

Wie bereitet man sich auf dieses Amt vor, sind Sie im elterlichen Betrieb involviert?
Nach meinem Abitur am „Lycée Michel Lucius“ habe ich ein Bauingenieurs-Studium an der Universität Kaiserslautern begonnen. Ich habe also keine fundierten önologischen Kenntnisse, das allerdings ist auch keine Bedingung. Ich genieße dennoch eine fachmännische Unterstützung durch meinen Vater, so dass ich durchaus in der Lage bin, mich über den Wein und dessen Vorzüge sowie über die heimische Moselregion zu unterhalten.

Worin sehen Sie die Highlights der nun vor Ihnen liegenden Amtszeit und was möchten Sie gerne, in Verbindung mit Ihrem Amt, vermitteln?
Der emotionalste Moment wird natürlich die Krönung am kommenden Freitag im Kulturzentrum in Wormeldingen sein. Dann freue ich mich im Besonderen auf die „Riesling-Open“ in der Gemeinde sowie auf zahlreiche Weinfeste bei unseren deutschen Nachbarn mit spannenden Weinproben, Krönungszeremonien und Winzerumzügen. Sehr am Herzen liegt mir aber, neben meiner Aufgabe als Botschafterin der „Rieslingsgemeen“ in zahlreiche Kontakte zu treten mit unseren ausländischen Mitbürgern, um diesen die Vorzüge der luxemburgischen Weine und Crémants näherzubringen und ihr Interesse für die Kulturlandschaft Mosel zu wecken. Das Amt hat dahingehend schon einen nicht zu verachtenden Stellenwert, denn man erreicht viele Menschen und man kann das Bild des Winzerberufs darstellen und erklären.

Wie schätzen Sie das Potenzial der Moselregion als Urlaubsregion ein und was kann hier noch – und wenn, von welcher Seite her – getan werden, um diese weiter nach vorne zu bringen?
Wir können mit Sicherheit auf ein großes Potenzial verweisen, in Sachen Önotourismus sind jedoch alle Verantwortlichen, d.h. die zuständigen Ministerien, das ORT, die Winzerschaft, Gastronomie und Hotellerie, gefordert, sich an einen Tisch zu setzen und innovative Konzepte auszuarbeiten.

Lampenfieber oder Vorfreude auf das, was da kommt, was überwiegt in den letzten Tagen vor der Krönung?
Die Vorfreude überwiegt schon. Lampenfieber weniger, in den Jahren als Prinzessinnen habe ich unzählige Events miterlebt und kenne die Abläufe. Neu hinzu, neben Krone und Schärpe, kommt allerdings, dass ich Grußworte und Ansprachen halten muss, aber auch dieser Herausforderung stelle ich mich in den kommenden Monaten gerne. Ich freue mich weiter auf den sogenannten Königinnen-Wein mit meinem eigenen Etikett, einem 2018er Wormeldinger Heiligenhäuschen aus den Weinbergen unserer Familie, den die Gemeinde dann auch im kommenden Jahr bei offiziellen Anlässen als Ehrenwein kredenzen wird.

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