Weihnachten gilt als die Jahreszeit des guten Willens und der warmen Herzen, als das Fest der großen Gefühle: Bei Glockenklang und Lichterglanz mit viel Seidenpapier und schönen Bescherungen sollten eigentlich Liebe und Freude, Seelenruhe und Besonnenheit die Gemüter erfüllen, doch Verbrechen, Gewalt und sogar Mord gibt es auch an diesen Tagen der Besinnung.

Fröhliche Weihnachten!

Wenn auch schon seit Hunderten von Jahren die Weihnachtszeit für viele bekannte Schriftsteller den Anreiz dazu gibt, unheimlich mordsmäßige Erzählungen zu erdenken, bleibt Heiligabend doch für die meisten Autoren das schöne, besinnliche, stille, einfache und doch reiche Fest, dessen Magie im neuen Kinderband “Mein dickes Weihnachtsbuch – Vorlesen, Basteln, Mitmachen” (Carlsen Verlag, Hamburg 2018, 144 Seiten mit vielen farbigen Bildern, kartoniert, 14,99 Euro, ISBN 978-3-551-51053-2) gut gelaunt heraufbeschworen wird. Hier zeigt Judith Allert, womit man das Warten auf Weihnachten angenehm verkürzt, wie Tiere Weihnachten feiern, wie man versuchen kann, weiße Weihnachten herbeizuzaubern, und was eigentlich geschieht, wenn der überforderte Weihnachtsmann mal eine Ruhepause braucht.

 

Mit einer unterhaltsamen und berührenden, einer wirklich herzerwärmenden Sternengeschichte, die glänzt und strahlt, wartet Karin Kalisa auf. Ihre zauberhafte Neuerscheinung “Sternstunde, Eine Wintererzählung” (Droemer Verlag, München 2018, 118 Seiten, gebunden, 12,00 Euro, ISBN 978-3-426-28190-1) ist der siebenjährigen Kim gewidmet, die fassungslos im Radio hört, dass der wunderbare Weihnachtsstern, unter dem sie geboren wurde, in Wirklichkeit gar kein Stern, sondern nur ein Komet, eine halb gefrorene Kugel aus Gas und Staub, oder eine durch das zufällige Zusammentreffen von Jupiter und Saturn verursachte Erscheinung am Himmelszelt gewesen sein soll. Erst als Klassenkamerad Max ihr erzählt, dass Sterne nicht nur funkeln, sondern auch funken und dass sich demnach Jupiter und Saturn vielleicht im All verabredet haben, fühlt sich Kim in der heimeligen Zeit der kurzen Tage und langen Nächte wieder gut.

 

Im bestechenden Roman “Das Glück kommt mit der Weihnachtspost” (Bastei Lübbe AG, Köln 2018, 256 Seiten, gebunden, 12,00 Euro, ISBN 978-3-431-03994-8) von Mia Jakobsson bestellt die achtjährige Greta beim Weihnachtsmann eine Frau für ihren Papa und ahnt nicht, wo ihr Brief in Wirklichkeit landet und welche Verwicklungen sie mit ihrem Schreiben anzettelt …
Mit Geschichten für fröhliche Weihnachten wartet die für Überraschungen sorgende Anthologie “Auf die Plätzchen, fertig, los” (Diogenes Verlag, Zürich 2018, 284 Seiten, Paperback, 10,00 Euro, ISBN 978-3-257-24462-5) auf, die mit nur einem Blick über den Tellerrand des Weihnachtsbratens dem Leser neue Welten erschließt, in denen sich Herr Tannenbaum, die Weihnachtsfrau, die Weihnachtsgans und Wichtel tummeln …

 

Totenstille Nacht

Von Zeitspannen, die alles andere als heilig sind, erzählen die spannenden Kriminalgeschichten für kalte Tage aus dem von Otto Penzler herausgegebenen Sammelband “Eine Leiche zum Advent – Das große Buch der Weihnachtskrimis” (Bastei Lübbe AG, Köln 2018, 2. Auflage, 706 Seiten, gebunden mit vierfarbigem Schutzumschlag, 12,00 Euro, ISBN 978-3-431-03966-5), in dem zwielichtige Weihnachtsmänner, finstere Nikoläuse, Leichen unter dem Tannenbaum, aus den Strümpfen am Kaminsims tropfendes Blut und vergifteter Glühwein eine schaurige und rätselhafte Atmosphäre erschaffen.

 

Kriminell gepfefferte Versuchungen zur Weihnachtszeit stehen im Mittelpunkt der schmackhaften Lektürekompilation “Makronen, Mistel, Meuchelmord” (Knaur Taschenbuchverlag, München 2018, 432 Seiten, Paperback, 9,99 Euro, ISBN 978-3-426-52355-1), in der bekannte deutschsprachige Autoren mit 24 festlichen Übeltäter-Storys als Chaos- und Kalamitäten-Bringer in Sachen fataler Festgefährdung agieren und die weihnachtliche Geselligkeit zur Feier der Familiennieder- und -zwietracht verkommen lassen. In der Tat: In den 24 kurzen Weihnachtskrimis von der Ostsee bis zu den Alpen wird verraten, vergiftet und verscharrt.

 

 

Auch Hercule Poirots graue Zellen und Miss Marples unverwüstliche Neugier mischen im kriminellen Weihnachtstrubel mit, wovon die neu herausgebrachte Sammlung “Das Geheimnis des Weihnachtspuddings – Geschichten zum Fest” (Atlantik im Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2018, 176 Seiten, Paperback, 10,00 Euro, ISBN 978-3.455-00469-4) von Agatha Christie ein zugleich altbackenes und trotzdem anregendes Zeugnis ablegt.

 

 

 

In die weihnachtliche Zeit passen zudem die Schokoladengeschichten zum Dahinschmelzen aus dem edelsüßen Sammelband “Schokolade” (Diogenes Verlag, Zürich 2018, 286 Seiten, Paperback, 10,00 Euro, ISBN 978-3-257-214461-8), dessen zartbittere Verlockungen den einen in den siebten Himmel versetzen, den anderen aber zu dunklen

 

So klingt die Stille Nacht

Wie es dazu kam, dass ein Wiegenlied von Franz Xaver Gruber und Joseph Mohr aus einem kleinen Dorf in der Nähe von Salzburg zum bekanntesten Weihnachtssong der Welt wurde, erzählt Tina Breckwoldt in ihrem außergewöhnlichen Sachbuch “Stille Nacht” (Servus Verlag bei Benevento Publishing, Wals bei Salzburg 2018, 202 Seiten, gebunden, 24,00 Euro, ISBN 978-3-7104-0186-2), das die 200-jährige Geschichte des großen Weihnachtsklassikers nachvollzieht.

 
Wer sich all die bewegenden Weihnachtsstandards aus dem englischsprachigen Raum aus der Zeit, als Bing Crosby Jesus wurde, anhören möchte, ist beim Label Bear Family an der richtigen Adresse. Nach den beiden bisherigen und überaus erfolgreichen Alben mit Weihnachtsliedern – “Christmas on The Countryside” (BCD17508) und “Big City Christmas” (BCD17509) – folgt nun der dritte nostalgische Teil, “Have Yourself a Swingin’ Little Christmas” (Bear Family Records, Holste 2018, 27 Jazz And R&B Chestnuts For Your Holiday Season, 9,95 Euro, BCD 17577), mit tanzbaren Grooves aus den Genres Jazz, Swing und Rhythm & Blues als empfehlenswerte, aus den Jahren 1935 bis 1959 stammende Alternative zum üblichen Xmas-Kitsch.

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