Normalerweise regnet es nur an zwei Tagen im Jahr in Bahrein, dieses Mal musste es schon etwas länger angehalten haben, wie man an den Wasserlachen und den Pfützen entlang der Straßen sehen konnte. Auf den Golfplätzen dagegen freute man sich, weil man sich dadurch die teure Bewässerung wenigstens eine Zeit lang ersparen durfte.

Den Einheimischen war das egal, sie stehen nicht auf diesen Sport, obwohl sich alle Länder von Kuwait bis Oman über Bahrein, Katar und die VAE geografisch als „Golfstaaten“ bezeichnen. Sie lieben Falkenjagd, Offroad-Abenteuer mit ihren SUVs und Sportwagen zum Flanieren auf den Highways oder in den schicken Einkaufsstraßen, wo alle sie sehen können, aber niemand Notiz von ihnen nimmt. Denn wer dreht sich schon in Dubai oder Bahrein oder Abu Dhabi nach einem Luxussportwagen um? Das wäre so, als wenn man bei uns einem Golf hinterherpfeifen würde.

Am Golf selbst sollte man den Frauen, viele davon an einem weißen Vierreck in einem schwarzen Tuch zu erkennen, nicht nachpfeifen, denn das gibt Prügel und Geldstrafe, falls man die Prügel überlebt. Weil nun einige Scheichs sich einen Sportwagen wünschten, in denen sie ihre Lieblingsfrauen und Panini-Alben gleichzeitig transportieren können, wenn sie sich zu einem Kamelrennen oder einer öffentlichen Strafvollziehung begeben, entwickelte Porsche den Panamera, jene Limousine, aus der das Unternehmen laut eigener Aussage einen Sportwagen gemacht hat.

Als Porsche dann den Sport Turismo nachschoss, war die Freude komplett. Also so hätte es sein können. War aber anders. Porsche hatte natürlich andere Argumente, diesen Panamera zu entwickeln, und dachte da eher an den Transport einer Golfausrüstung, damit wäre dann der geografische Übergang zu den Golfstaaten vollzogen. Mit dem neuen Panamera GTS und Sport Turismo GTS haben sie jetzt eine Sport-Limousine mit Pistenlook und Renntauglichkeit im, die nichts an der Alltagstauglichkeit des Panamera eingebüßt hat.

„Also freitags musst du aufpassen“, hatte Oma mit den Springerstiefeln gewarnt. „Dann kann es schon vorkommen, dass auf öffentlichen Plätzen der eine oder andere ausgepeitscht oder so wird. Manchmal sogar zwei zum Preis von einem. Die Araber nennen es dann ‘Happy Hour’.“

Happy Hour gibt es beim Panamera GTS rund um die Uhr. Sei es auf normaler Landstraße, in der Stadt oder auf der Piste. Ein dynamisches Fahrwerk mit adaptiver Luftfederung und intelligenter Allradlenkung machen’s möglich: Dieser GTS ist rüttelfest bis sanft auf der Straße und standfest und stramm auf der Piste. Das konnten wir auf der Formel-1.Strecke von Bahrein feststellen, wo wir einige muntere Runden drehen durften und feststellten, wie effizient und einfach er sich auch von ungeübten Fahrern lenken lässt, wie spurtreu und stabil er beim Bremsen reagiert und wie großzügig er auch den einen oder anderen Fahrfehler quittiert, ohne gleich das Weite, sprich Auslaufzone, zu suchen, wie andere Sportwagen sich das nun einmal schuldig sind. In dem Sinne ist diese Sportwagen-Limousine einzigartig. Möge Allah überall Pisten aus dem Boden wachsen lassen und uns einen GTS Panamera hinstellen.

Porsche spricht vom Reisekomfort einer Luxuslimousine, er mit der Performance eines Sportwagens vereint ist, verweist aber darauf, dass es hier immer noch betont sportlich-dynamisch zugeht, nicht zuletzt dank des Porsche-Sportfahrwerks, im Vergleich zu den anderen Panamera noch um 10 mm tiefer gelegt, der Dreikammer-Luftfederung, der sportlichen Abstimmung durch das Porsche Active Suspension Management (PASM) und des Acht-Gang-Doppelkupplungsgetriebes, im Volksmund auch als Automatik bekannt. Serienmäßig ist auch das Sport-Chrono-Paket, das über einen Schalter am Lenkrad vier Fahrmodi ermöglicht, nämlich Normal, Sport, Sport+ und Individual. Die Einstellung Sport+ sollte man nur auf der Rennstrecke betätigen, weil es hier um Ansprechverhalten, Beschleunigung und Balance beim Bremsen geht, ansonsten fährt man im Normal-Programm immer noch sportlich-anspruchsvoll genug. Mit 460 PS aus einem Vier-Liter-V8 kein Wunder!

Billig ist so ein Ding natürlich nicht. Wer dann die faszinierende, sportliche Linie des Panamera GTS betrachtet, das herrliche Interieur mit der Leder-Alcantara-Kombination, die edlen Sportsitze, das Cockpit mit seinem ansprechenden und funktionellen Design, die Verarbeitung, den gesamten technischen Aufwand bei Antrieb, Aufhängung und Lenkung, den mit 460 PS ausreichend, aber nicht provokativ überzüchteten Biturbo-V8-Motor, wer dann nicht sofort zugreift, ist entweder ein hoffnungsloser Geizkragen oder, wie die restlichen 99% aus meinem Bekanntenkreis, unterbezahlt und einer Gehaltsaufbesserung nicht abgeneigt.

2 Kommentare

  1. Kauf mir auch so ein Ding, aber ohne Motor, sonst muss ich meinen Esel in Rente schicken der bisher meinen alten Diesel durch die Frankfurter Innenstadt zieht.

  2. Gäbe es weniger Familienkutschen mit PS hätten wir mehr Sportwagen mit PS. Der Motor des Carrera und Boxster wird immer kleiner, der der Cayennes und Macans und Panameras aber immer grösser. Schade um die schönen Autos.

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