Er werde hier nun als Präsident der Albad sprechen, stellte Jean-Marie Reding zu Beginn unseres Gespräches klar. Als Beamter dürfe man hier im Lande den Mund ja nicht so weit aufmachen, als ehrenamtlicher Kämpfer für Bibliotheken hingegen schon.

Vita

– 1975 in Luxemburg-Stadt geboren

– Studium öffentliches Bibliothekswesen an der Fachhochschule Köln

Abschlussdiplom: Diplom-Bibliothekar

– Berufsbegleitendes MALIS-Studium (Master in Library and Information Science)

– Diverse Praktika an Bibliotheken in Deutschland, Frankreich, Luxemburg und der Schweiz

– Seit Mai 2000 Bibliothekar (Beamtenlaufbahn) in der Nationalbibliothek Luxembourg

– Seit 2000 Mitglied im Berufsverband Albad („Associatioun vun de Lëtzebuerger Bibliothekären, Archivisten an Dokumentalisten“)

– Diverse Veröffentlichungen sowohl in Fachzeitschriften als auch in Zeitungen und Zeitschriften wie dem Lëtzebuerger Land, forum …

Und das macht Jean-Marie Reding. Schon seit nun mehr 15 Jahren prangert er Baustellen in der nationalen Buchpolitik an. Durch sein ehrenamtliches Engagement hinter den Kulissen, aber auch durch seine klaren Worte in diversen Zeitungen des Landes. Im Hinblick auf das Bibliothekswesen in Luxemburg prägte er den Begriff des “Entwicklungslandes”. Er brachte das Kulturministerium zum Toben, weil er “Zurück von einem fremden Stern: die öffentlichen Bibliotheken Europas sind auf dem Weg in die Informationsgesellschaft – aber ohne Luxemburg” titelte. Er kämpfte mit seinen Mitteln dafür, dass Nationalbibliothek, Unibibliothek und Nationalarchive den gleichen Standort bekommen. Viele seiner Kämpfe hat er verloren, seine Bilanz fällt erschreckend enttäuschend aus: Viel verbessert hat sich nicht, in den letzten 15 Jahren …

Es gibt so viel zu tun

“Du wirst zwangsläufig zum Zyniker”, sagt Jean-Marie Reding, “vor allem, weil der politische Wille fehlt”, er versucht ein gequältes Lächeln. Zyniker? Haben die nicht jede Hoffnung verloren? Nein. Ein Funken Hoffnung bleibt und an Handtuchschmeißen denkt Jean-Marie Reding keine Sekunde lang. Seine Leidenschaft und seine Überzeugungen sind viel zu stark, als dass er den Kopf in den Sand stecken könnte. Es gibt so viel zu tun.

Baustelle Marketing: “Durch den Rückzug von der Frankfurter Buchmesse haben wir einen großen Verlust erlitten”, sagt Jean-Marie Reding. Man könne dies zwar wieder geradebiegen, müsse es sogar, aber müsse nun wieder ganz von vorne beginnen. Er ist sauer, dass die Menschen nichts aus ihrer Geschichte lernten, schon 1937 habe Batty Weber vom Luxemburger Marketing-Problem geschrieben, die Literatur sei nicht sichtbar genug. Geändert habe sich nichts.

Baustelle Nationalbibliothek/Unibibliothek: Erstere kommt auf den Kirchberg, zweitere nach Belval. Das ist nun entschieden. “Ich bin prinzipientreu, ich finde die Entscheidung immer noch schlecht”, sagt Jean-Marie Reding. Er habe das Gefühl, diese Entscheidungen seien von Menschen getroffen worden, die nie in ihrem Leben studiert, nie Recherche betrieben hätten. “Auch für Studenten ist Zeit Geld.”

Baustelle Gesetz für öffentliche Bibliotheken: “Da haben wir Schreckliches getan”, sagt Jean-Marie Reding, “unser Parlament hat einstimmig beschlossen, dass die Regierung entscheiden darf, welche Bücher in den Bestand einer Bibliothek gehören.” Keiner sehe die Gefahr, keiner habe ein Geschichtsbewusstsein, und kaum einer lese die von der Albad aufgesetzten Pressemitteilungen und Positionspapiere. Keine Zeit.

Funke Hoffnung

Und dennoch: Es wird immer Bibliotheken geben, davon ist Jean-Marie Reding überzeugt. Zum einen, weil sich niemand alle Bücher der Welt leisten könne, zum anderen, weil Kinder auch in Zukunft Wert auf Papier legen würden.

Da ist er doch, der Funke Hoffnung …

Janina Strötgen/Tageblatt.lu