Er steht seit etlichen Jahren auf der Bühne. Nun hat es den Komponisten und Musiker Maxime Bender aber hinter die Kulissen verschlagen. Seit Monaten leitet er die Geschicke rund um das „Echterlive“-Festival, das vom 11. bis zum 14. Juli stattfindet. Hier werden jedes Jahr etwas Neues gewagt und der Region im Osten des Landes ein einzigartiger Charme verliehen.

Maxime Bender hat weder Erfahrung im High-Speed-Zelt-Aufbauen, noch wurde er irgendwann mal Campingplatz-Meister im Koma-Saufen. Seine ersten Festival-Erfahrungen durfte er im Alter von 14 Jahren sammeln, als er seine Eltern zum Marciac-Jazz-Festival im Süden Frankreichs begleitete.

Bei diesem zweiwöchigen Event, das bereits mehr als 40 Jahre besteht, traten schon Jazz-Giganten wie Michel Petrucciani, Stan Getz, Dizzy Gillespie oder Wynton Marsalis – dem im Übrigen eine Statue in der Festival-Stadt gewidmet ist – auf. Während Bender in jungen Jahren wohl eher die Musik und die Atmosphäre dort faszinierten, beschäftigen ihn heute noch ganz andere Faktoren, die auch im Kontext von “Echterlive” eine Rolle spielen: “Es ist den Veranstaltern gelungen, ein Format zu erschaffen, durch das enorme Gewinne in der gesamten Region verbucht werden können. Es wurden Arbeitsplätze geschaffen, eine Musikschule entstand und es wurden neue Spielstätten gebaut, die auch außerhalb der Festivalsaison genutzt werden können.” Der Brückenschlag zwischen der Kultur und den menschlichen Gegebenheiten hat Bender offenkundig nachhaltig beeindruckt.

Definitiv kein “Fyre”

Er geht die Neuauflage des Echternacher Festivals dennoch besonnen an und weiß, dass Größenwahn fehl am Platz wäre. Leicht schmunzelnd erzählt der Musiker, dass er sich kürzlich die Netflix-Dokumentation über das katastrophale, kläglich gescheiterte Luxus-Festival “Fyre” angeschaut habe. Letzteres fand nie wirklich stattfand, generierte aber extreme Schulden und die Organisatoren wurden in der Folge von absolut unverantwortlichen Entscheidungen von Anzeigen überrollt. “So werde ich es hier definitiv nicht angehen”, verspricht Bender.

Als gebürtiger Waldbilliger kennt der junge Veranstalter das Schaffensfeld, das er nun bestellen und pflegen soll. Maxime Bender ging in Echternach zur Schule und unterrichtet derzeit auch selbst an der Musikschule. Als Bender ins Schwärmen gerät über Echternach und die umliegende Gegend, fällt auf, dass er weitaus mehr schöne Flecken und interessante Fakten kennt, als man einem Standard-Reiseführer entnehmen kann.

Von wegen Provinz

“Manchmal fallen trotzdem schon mal Sätze wie: `Es ist aber nett, dass auch mal was in der Provinz passiert‘”, erzählt Bender und fügt an: “Der Begriff trifft in unserem Fall aber nicht zu. Als eine der ältesten Städte des Landes kann Echternach auf eine mehr als 1.000 Jahre umspannende Kultur zurückschauen. Die Region hat extrem viel zu bieten. Daraus möchte ich schöpfen und dies über die nächsten Jahre ausbauen”, stellt der “Echterlive”-Organisator klar.

Um das traditionsreiche Festival neu aufleben zu lassen, entschied sich Maxime Bender, gemeinsam mit seinem Team für eine gesunde Mischung aus Komprimieren und Erweitern. Das Festival findet nun nicht mehr über zwei Monate hinweg statt, sondern erstreckt sich über vier Tage. Andererseits wächst die Veranstaltung um ein Art- sowie ein Food-Village. Bei Ersterem können unter Anleitung professioneller Künstler zum Beispiel Installationen, Holzschnitzereien oder Lampions entstehen. Wenn es dann ans kulinarische Eingemachte geht, stehen regionale Produzenten und Gastronomen an ihren Ständen, die sich einer kleinen Plauderei bestimmt nicht verweigern werden.

Von Grammy-Gewinnern bis zu Organisten 

In Bezug auf das musikalische Programm fällt auf, dass die Klassik vorerst in den Hintergrund gerückt ist. Was aber nicht bedeutet, dass man sich einer weniger großen Vielfalt gegenüber sieht. An unterschiedlichen Spielorten sind internationale Acts wie die amerikanische Grammy-Gewinnerin Joss Stone, der “Jimi Hendrix der Sahara” Vieux Farka Touré oder auch der Ex-David-Bowie-Saxofonist Donny McCaslin anzutreffen. Gleiches gilt für anerkannte nationale Künstler – darunter de Läb und ebenso die jungen talentierten Jazz-Musiker hinter dem Klein-Kollektiv, das von dem Luxemburger Jérôme Klein geleitet wird.

Zu den etwas außergewöhnlicheren Wagnissen darf das für Mitternacht angesetzte Konzert am 13. Juli gelten, bei dem Maurice Clement (aktueller “Organist in Residence” der Philharmonie) in der Basilika auf den kapverdianisch-luxemburgischen Elektro-Produzenten Aamar stößt. “Mich würde es sehr freuen, wenn das Publikum, das eventuell wegen der größeren Namen herkommt, zusätzlich auf etwas Ungeahntes stößt und schöne neue Entdeckungen macht, denn dafür sind Festivals schließlich auch da”, hofft der Veranstalter.
Maxime Bender lässt das Argument der angeblich zu großen Distanz zum Veranstaltungsort übrigens nicht gelten: “Häufig heißt es, Echternach sei zu weit von der Hauptstadt weg. Wenn man versucht, vom Kirchberg zum Hauptbahnhof zu fahren, beansprucht das genau so viel Zeit”, so Bender nicht ohne ironischen Unterton. Wem die Autofahrt dennoch zu müßig sei, der könne ja auf die zahlreichen Extra-Busse zurückgreifen, die unter anderem von Luxemburg-Stadt, dem Ösling und sogar von Trier aus starten.

“Wanderfestival” durch Luxemburg

Gegenüber dem Tageblatt wirkt Maxime Bender zuversichtlich, dass es Mitte Juli zu wertvollen Momenten in der Abteistadt kommen wird. Einen Wehrmutstropfen gibt es trotzdem: Es finden in diesem Zeitraum auch zahlreiche andere Veranstaltungen im Großherzogtum statt. Egal wie lange im Voraus man versuche, zu planen und sich abzusprechen, komme dies leider immer wieder vor, ergänzt Bender.

Die Revolution frisst also leider immer noch ihre Kinder. Um bei dieser alles anderen als neuen Problematik etwas Abhilfe zu schaffen, äußert Maxime Bender eine interessante Idee: “Jedes einzelne Festival bedeutet unglaublich viel finanziellen und zeitlichen Aufwand. Würde man dies einmal alles zusammenlegen, könnte man ein gigantisches Festival mit extremer Strahlkraft weit über die Grenzen hinaus machen. Die Kompetenzen und das Know-how sind hierzulande definitiv vorhanden. Das könnte dann eine Art Wander-Festival sein, das jedes Jahr in einem anderen Teil des Landes stattfindet. Derzeit kocht noch jeder sein eigenes Süppchen, und das finde ich etwas schade.”

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