Kriegsheimkehrer

06. November 2011 15:49; Akt: 06.11.2011 15:55 Print

\"Amerika verliert den Kampf gegen den Suizid"

Alle 80 Minuten nimmt sich ein US-Veteran das Leben. Die Gründe sind bekannt. Dennoch tun sich die Behörden schwer. Dabei steht die Heimkehr Zehntausender Soldaten aus Afghanistan und dem Irak bevor.

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Das Kriegsveteranenministerium der USA geht davon aus, dass sich alle 80 Minuten ein Kriegsheimkehrer das Leben nimmt. Das ist eine Schätzung, denn nicht alle Bundesstaaten liefern präzise Daten. Während die Meinungen über Ursachen und Lösungen auseinander gehen, besteht am zentralen Befund kein Zweifel: Nur 1 Prozent der amerikanischen Bevölkerung hat Militärdienst geleistet, aber Kriegsveteranen machen 20 Prozent aller Suizide aus. Die Zahlen sind seit Beginn der Kriege in Afghanistan und im Irak zudem sprunghaft angestiegen.

Die Wissenschaft geht davon aus, dass drei Faktoren einen Menschen im Normalfall davon abhalten, sich das Leben zu nehmen: Zugehörigkeit, das Gefühl, gebraucht zu werden und die Aversion gegen Schmerz und Tod. Das Center for a New American Security schreibt in einer aktuellen Studie, dass ein Kriegseinsatz fatalerweise alle drei Barrieren eliminieren kann.

Das Zusammengehörigkeitsgefühl in der Armee ist grundsätzlich stark ausgeprägt. Umso schmerzvoller wiegt der Verlust dieses Umfelds nach der Heimkehr. Auch die gefühlte Distanz zwischen Heimkehrern und Zivilisten spielt hier hinein. Ebenso kann die große Verantwortung, die selbst junge Soldaten in einem Kriegseinsatz übernehmen, nach dem Wiedereintritt in die zivile Arbeitswelt zu einem Gefühl der Nutzlosigkeit führen. Das gilt insbesondere für arbeitlose Veteranen, zumal diese von der schlechten Konjunktur in den USA stärker betroffen sind als Zivilisten. Selbst den stärksten der drei Faktoren können Kriegserfahrungen außer Kraft setzen. Schmerz, Gewalt und Tod sind ständige Begleiter im Irak und in Afghanistan und können einen Menschen mit der Zeit abstumpfen.

Psychische Probleme sind ein Tabu

Die Studie verweist auf zahlreiche, armee-interne Faktoren, welche die Suizid-Prävention behindern. Das Bedürfnis nach psychologischer Unterstützung ist offenbar groß. Die Helpline des Kriegsveteranenministeriums verzeichnete innerhalb von drei Jahren über 144.000 Anrufe. Doch sobald es um konkrete Hilfestellung geht, werden die Veteranen plötzlich zurückhaltend: So sollen doppelt so viele in anonymen Fragebögen psychische Probleme eingestanden haben als im offiziellen Austrittsgespräch nach einem Kriegseinsatz.

Eine mögliche Erklärung für diese Diskrepanz ist der nach wie vor verkrampfte Umgang mit psychischen Problemen. Das selbe Phänomen existiert in der zivilen Welt, aber im Militär ist es naturgemäß noch ausgeprägter. Wer sich für professionelle Hilfe entscheidet, muss oftmals den Spott von Kameraden über sich ergehen lassen. 43 Prozent der Soldaten, die sich 2010 das Leben nahmen, verzichteten im letzten Monat vor ihrem Tod auf psychologische Betreuung, hält das US-Verteidigungsministerium in einem Bericht fest.

Ein weiteres Problem ist die Gesetzeslage: Die Regierung darf beispielsweise keine Informationen über den privaten Waffenbesitz unter Veteranen sammeln. Dabei wurden 2010 fast die Hälfte aller Suizide nicht mit Dienstwaffen, sondern mit Privatwaffen begangen. Auch das Arztgeheimnis erschwert die Prävention, da Vorgesetzte nicht über den Zustand ihrer Soldaten informiert werden dürfen. Eine Gesetzesänderung wäre möglich, würde aber das Problem der Stigmatisierung wieder verschärfen: Militärpsychologen haben angedeutet, dass sich viele Soldaten gegen professionelle Hilfe entscheiden könnten, wenn sie wissen, dass ihr Vorgesetzter darüber informiert wird.

Gefahr für die Freiwilligenarmee

Die Gefahren, die einem Freiwilligenheer aus solchen Befunden erwachsen kann, hatte schon Gründungsvater George Washington umschrieben: "Die Bereitschaft junger Menschen in den Krieg zu ziehen, egal wie gerechtfertigt dieser sein mag, verhält sich proportional zu ihrer Wahrnehmung, wie Veteranen vergangener Kriege von ihrem Land behandelt und wertgeschätzt werden." Amerika sei dabei, den "Kampf gegen den Suizid zu verlieren", konstatiert das Center for a New American Security am Schluss seiner Studie. Mit der bevorstehenden Heimkehr Zehntausender Soldaten aus dem Irak und Afghanistan sei die Zeit gekommen, das Problem "effektiver" und mit "größerer Dringlichkeit" anzugehen.

(Tageblatt.lu/20 Minuten)

  • epat am 07.11.2011 12:53 Report Diesen Beitrag melden

    american way of suicide

    Fir den amerikaneschen Staat ass et jo vun Virdeel, dat sie sech embrengen, well se dann den Staatsbudget net meih weider belaschten. Den sicht sech dann rem Jonker, deih keng aner Chancen gesin an durch den Krigsterror d'Meiglechkeet kréien, Macht iwer anerer auszeüben, ouni sech un Gesetzer ze halen, well deih jo an Krigszeiten ausgeschalt gin. Wann sie zereck kommen, wellen sie deih Macht weiderhin behalen, stoussen awer op Regelen, wou sie gewinnt waren driwer ze stoen. Hir ganz Autoritéit ass fleeten. Sie machen Selbstjustiz, well keng Justiz sie zur Rechenschaft zid. domm gang...

  • Jacky am 07.11.2011 09:42 Report Diesen Beitrag melden

    Ungerechte Kriege

    Ech gin Ierch Recht.. Eis Boomen an Boopen hun vir HIER an EIS Freiheet gekämpft an net vir aner Leit dei sech iwerall mussen ameschen! Dovier as do den Suicide vill mei niddreg... wat dei Amerikanesch Zaldoten do all Daach ze spieren kreien as Gehierwäsch Deluxe, oder as dad normal dad en 3fachen FamiljenPapp sech freet an den Irak zegoen?!?! Vir sei Vaterland!?!! Bleiw doheem a suerg vir deng Fra a Kanner... Mee mega geeeirt gin wan se zreck kommen... Dout oder lieweg... Krank nennen ech dad....

  • Äender am 07.11.2011 08:18 Report Diesen Beitrag melden

    Ungerechte Kriege

    Von den Veteranen des 1. und 2. Weltkrieges haben wahrscheinlich sehr wenige Selbstmord begangen denn sie wussten wofür sie kämpften. Nach Vietnam, Irak, Afghanistan wurden US-Boys geschickt um Unschuldige abzuschlachten. Das belastet natürlich auf das Gewissen. Mohammed Ali sagte 1967: "Ich gehe nicht als Schwarzer in den Vietnam um Gelbe umzubringen für die Weissen" worauf hin ihm sein Weltmeistertitel aberkannt wurde ...