"edudrame"

07. Dezember 2011 08:08; Akt: 07.12.2011 09:38 Print

You can guess what it’s aboutYou can guess what it’s about

Manchmal kann es nicht schaden, den Sinn des Lebens nicht in irgendwelchen metaphysischen Sphären zu suchen. "Carpe diem", die Sentenz aus Horaz’ Ode, ist eines der Leitmotive im neuen Stück der Uni-Theatertruppe edudrame.

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Mila Mulas, Conrad Doberauer und Marlene Schick-Witte (v.l.n.r.) sind die Gründer der Theatertruppe edudrame. (Bild: Tageblatt/Isabella Finzi)

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Finanzkrise hier, Rettungsschirme da, Untergangsszenarien, Endzeitstimmung und jede Menge Expertenberichte. "Das will doch keiner mehr hören", sagt Conrad Doberauer, einer der Gründer der Theatertruppe "edudrame" der Uni Luxemburg. Und deshalb hat er sich gemeinsam mit Mila Mulas und Marlene Schick-Witte für ihr aktuelles Theaterprojekt "Our Town / Luxembored?", von Diskursen und Theorien weitestgehend verabschiedet und den Blick auf die "Banalitäten des Alltags" gelegt.

Kleinstadtdrama "Our town" als Folie

Das mit dem Pulitzerpreis gekrönte Kleinstadtdrama "Our Town" von Thornton Wilder dient den dreien als Vorlage. Allerdings haben sie 60 Prozent des Stückes herausgeschnitten. Geblieben sind die Protagonisten George Gibbs und Emily Webb, so wie das Setting: Gartenarbeit, Kindererziehung, Acht-Stunden- Jobs in einer idyllischen Kleinstadt. Ein banales Leben irgendwo auf der Welt. Und die Erkenntnis, dass es sich lohnt, das Einfache schätzen zu lernen. "Our Town" ist beinahe 100 Jahre alt, doch erkennen die drei in dem Stück Ähnlichkeit mit dem Jetzt. Fragen nach dem Glück und nach dem Sinn des Lebens stelle sich schließlich jeder, sagt Marlene Schick-Witte, egal zu welcher Zeit und an welchem Ort.

Und dennoch – der Titel verrät es – geht es neben diesen übergeordneten "Fragen der Menschheit" auch und in erster Linie um Luxemburg. Luxembored? Langweilt Luxemburg? Die drei Studenten der Uni Luxemburg, die alle erst zum Studieren ins Großherzogtum gekommen sind, haben dazu sicher selbst viel zu sagen. Doch um ihre Meinung geht es ihnen nicht. Deshalb das Fragezeichen. Und gefragt haben sie die unterschiedlichsten Menschen. Luxemburger, Grenzgänger, Erasmus-Studenten, Menschen von 14 bis Mitte 60, von kleinen Arbeitern bis hin zu Managern. Diese Mini-Interviews haben sie aufgezeichnet, 16 von ihnen spielen sie während des Abends ein. "Our Town" wird also in regelmäßigen Abständen durch ganz persönliche Meinungen zu Luxemburg unterbrochen.

Hundescheiße in Esch

"Zu hören sind die unterschiedlichsten Sachen", erzählt Mila Mulas, "doch meistens geht es wirklich um Banalitäten." Um Hundescheiße in Esch, um Pöbeleien, um die schöne Petruss,.... "Für manche ist Luxemburg das Paradies, andere wollen nur ganz schnell wieder weg."

Auch von den Schauspielern, die im Mai noch für das Stück "Gravediggers Inc. Accepted your friend request – midnight zeitgeist@mausoleum" auf der Bühne standen, ist keiner mehr da. Außer natürlich Conrad, Mila und Marlene. Und die haben dann für "Our Town/Luxembored" eben neu gecasted.
Der Eintritt am morgigen Donnerstag ist frei. Kultur zum Nulltarif. Die Gemeinde Esch sendet damit ein schlechtes Signal, auch wenn diese Gratis-Aktion vielleicht gut gemeint ist: Kultur hat einen Wert. Nur der Tod ist umsonst.

(Janina Strötgen/Tageblatt.lu)

  • Kulturfreund am 07.12.2011 09:41 Report Diesen Beitrag melden

    Bedenklich

    Liebe Frau Strötgen, Ich finde Ihren letzten Satz in diesem Artikel sehr bedenklich. Er zeugt von einem elitären Kulturverständnis.