75 Jahre "Guernica"

06. Juli 2012 16:38; Akt: 06.07.2012 16:56 Print

Picassos Anti-Kriegs-Gemälde im  KinoPicassos Anti-Kriegs-Gemälde im Kino

Vor 75 Jahren wurde Picassos berühmtes Anti-Kriegs-Gemälde "Guernica" erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Der Künstler hatte das Monumentalwerk in 33 Tagen fertiggestellt. Ein Film von Carlos Saura soll die Entstehung zeigen.

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Der Auftrag war ziemlich ungewöhnlich: Pablo Picasso sollte für die spanische Regierung für wenig Geld ein Bild von spektakulären Ausmaßen malen. Das Werk sollte die große Attraktion des spanischen Pavillons auf der Weltausstellung 1937 in Paris sein. Zugleich wollte Spaniens damalige republikanische Regierung international auf ihren Kampf im Bürgerkrieg gegen die Truppen des späteren Diktators Francisco Franco aufmerksam machen.

Am Donnerstag (12. Juli) vor 75 Jahren wurde der Pavillon eröffnet und das berühmte Anti-Kriegs-Gemälde "Guernica" erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Picasso (1881-1973) hatte sich nach dem Erhalt des Auftrags Anfang des Jahres 1937 mehrere Monate schwer damit getan, Ideen für die Motive zu sammeln, die er auf der riesigen Leinwand darstellen sollte. Die Bombardierung der Kleinstadt Guernica im spanischen Baskenland durch die "Legion Condor" des deutschen Nazi-Regimes am 26. April 1937 lieferte ihm die entscheidende Inspiration.

Bedeutendes Kunstwerk

Das 7,77 mal 3,49 Meter große Gemälde, ein Aufschrei gegen Krieg und Zerstörung, wird zu den bedeutendsten Kunstwerken des 20. Jahrhunderts gezählt. Die Entstehung des Monumentalwerks vor 75 Jahren soll nun verfilmt werden. Der spanische Regisseur Carlos Saura ("Bluthochzeit", "Carmen") will seinen geplanten Kinofilm "33 días" (33 Tage) nennen. Dies ist die Zeit, in der Picasso das "Guernica"-Bild damals in Paris gemalt hatte.

Hollywoodstar Antonio Banderas, der ebenso wie Picasso aus Málaga stammt, wird den Künstler spielen, Gwyneth Paltrow übernimmt die Rolle der französischen Fotografin und Picasso-Geliebten Dora Maar. Die Dreharbeiten sollen am 12. September beginnen. "Ich werde Picasso als einen Menschen zeigen, der das Leben liebte und als einzigartiger Künstler alle Schemen der Malerei durchbrach", sagte Saura der Zeitung "ABC".

Gemälde hängt in Madrid

Das Gemälde gehört heute zur Kollektion des Königin-Sofía-Museums in Madrid und ist dessen Hauptattraktion. Über den Standort gibt es in Spanien jedoch immer wieder Streit und Debatten. Das nur 300 Meter entfernt gelegene Prado-Museum hätte das Bild auch gerne gezeigt. Politiker aus dem Baskenland sind der Ansicht, das Werk gehöre nach Guernica oder in eine andere baskische Stadt.

Die spanische Regierung lehnte solche Forderungen aber stets ab. Sie verwies unter anderem darauf, dass das Gemälde sich in einem heiklen Zustand befinde und in keinem Fall transportiert werden dürfe. Experten hatten 129 Schadstellen festgestellt. Nach einem Gutachten ist die Leinwand brüchig, die Farbschicht weist an vielen Stellen Risse auf.

Werk reiste durch die Welt

Das Gemälde war in den ersten Jahren nach seiner Fertigstellung kreuz und quer durch die Welt gereist. Nach dem Ende der Weltausstellung in Paris wurde es in Großbritannien und Skandinavien gezeigt. Weil in Spanien das Franco-Regime (1939-1975) die Macht ergriffen hatte, ließ Picasso das Werk in die Obhut des New Yorker Museum of Modern Art geben. Er verfügte, dass es erst nach Spanien gebracht werde darf, wenn in seiner Heimat wieder eine Demokratie herrscht.

Sechs Jahre nach dem Tod des Diktators gelangte das Bild 1981 an Bord einer Linienmaschine nach Madrid. Die Passagiere wussten nichts von der wertvollen Fracht. Die Presse sprach damals von der "Heimkehr des letzten Verbannten aus dem Exil". Dabei konnte von einer Heimkehr streng genommen nicht die Rede sein, denn das Werk war bis dahin nie in Spanien gewesen.

(dpa/Tageblatt.lu)