25. April 2012 08:48;Akt: 26.04.2012 08:25

Eine luxemburger Sex-Telefonistin erzählt

BLOGGERIN DANN BUCHAUTORIN

LUXEMBURG - Die luxemburgische Sex-Telefonistin, die unter dem Pseudonym „Phonebitch“ seit 2005 in einem viel beachteten Blog über ihren ausgefallenen Nebenjob berichtet, hat jetzt einen Buch darüber herausgebracht.

Das letzte Interview führte das Tageblatt per Internet-Messenger, weil „Phonebitch“ damals ihre Identität auf keinen Fall preisgeben wollte. Das will sie zwar immer noch nicht, doch zumindest sagte sie diesmal zu, das Gespräch mit uns telefonisch zu führen. Und spätestens jetzt wissen wir, wieso sie bereits seit zehn Jahren erfolgreich als Sex-Telefonistin arbeitet.

Ist es nicht ungewohnt für Sie, dass Sie mal jemanden anrufen? Sonst werden Sie doch eher angerufen ...

Phonebitch: „Doch, das ist ungewohnt (lacht). Aber es ist ja nicht zum ersten Mal, dass ich ein Interview gebe. Es ist sehr angenehm.“

Sie führen seit 2005 einen Blog über Ihren Job als Sex-Telefonistin. Wie kam es dazu, dass Sie jetzt ein Buch herausgegeben haben?

„Es war ganz skurril. Anfang 2011 hatte der Piper-Verlag mich per E-Mail kontaktiert, doch diese Nachricht war in meinem Spam-Ordner gelandet. Ich lösche den Spam-Ordner regelmäßig, doch ich prüfe vorher, ob nicht eine Nachricht fälschlicherweise dort gelandet ist. Als ich die E-Mail sah, dachte ich zuerst, es sei nichts seriöses, doch dann bemerkte ich, dass sie vom Piper-Verlag war, was ja schon eine große Sache ist.

Ich habe mich dann bei denen gemeldet, wir haben telefoniert, sie haben mir ihre Bedingungen genannt und den Vertrag geschickt. Den Vertrag habe ich von einem Notar überprüfen lassen und der bestätigte mir, dass alles rechtmäßig sei. Daraufhin habe ich beschlossen, das Angebot anzunehmen.“

Der Verlag ist durch den Blog auf Sie aufmerksam geworden?

„Ja, sie haben den Blog gelesen und dachten, es wäre ein Buch wert. Daraufhin haben wir das durchgezogen. Es ist aber nicht das erste Mal, dass der Verlag aus einem Blog ein Buch gemacht hat. Ein bloggender Polizist hat auch ein Buch bei Piper veröffentlicht.“

Setzt sich das Buch aus einer Ansammlung Ihrer Blog-Einträge zusammen oder enthält es auch unveröffentlichte Texte?

„Halbe-halbe. Ein Teil ist aus dem Blog übernommen, jedoch nicht wortwörtlich. Der Rest besteht aus noch nicht veröffentlichten Passagen. Ich hatte ein Jahr mit dem Blog pausiert, deshalb hat das gut geklappt.“

Können Sie denen, die Ihren Blog nicht kennen, kurz erklären, worum es in dem Buch geht?

„Ich beschreibe Dinge, die mir beim Telefonsex passiert sind. Die Wünsche der Kunden, die ausgefallensten Sachen, die lustigsten Momente. Es steht von allem drin.“

Diese Dinge haben Sie wirklich erlebt oder sind sie Ihrer Fantasie entsprungen?

„Alles in dem Buch ist wirklich passiert, ich habe alles selbst erlebt.“

Und Ihre Anrufer kommen vorwiegend aus Luxemburg?

„Es sind ausschließlich Luxemburger. Eine Service-Nummer kann man ja nicht vom Ausland aus anrufen. Am Ende des Buches danke ich auch den Luxemburgern, die ja allgemein als prüde gelten. Im Buch erfährt man, dass das nicht stimmt.“

Bisweilen hat man beim Lesen den Eindruck, dass Ihre Kunden dabei nicht immer gut wegkommen. An welches Publikum richtet sich das Buch? P.: „Die Männer, die im Blog ihre Kommentare hinterlassen, sind meist auch die, die sagen, sie würden niemals bei einer Sex-Hotline anrufen, weil sie ja wüssten, dass ich nicht nackt da liege, sondern nebenher noch Hausarbeit erledige. Frauen finden die Texte meist sehr lustig, weil darin ein bestimmtes Bild des schwanzgesteuerten Mannes bestätigt wird. Eigentlich richtet das Buch sich an alle ab 18.“

Sie wollen weiterhin anonym bleiben. Hat Telefonsex wirklich noch einen so niedrigen gesellschaftlichen Stellenwert, dass man sich nicht einmal outen kann, wenn man ein Buch darüber verfasst hat?

„Von einem Buch kann man ja nicht leben. Und von Telefonsex kann man mittlerweile auch nicht mehr gut leben. Es gibt einfach zu viele Anbieter. Man braucht nur den Lux-Bazar einmal aufzuschlagen, dann findet man hunderte Nummern. Es ist enorm, was in den letzten Jahren in dieser Hinsicht in Luxemburg passiert ist. Manche kaufen gleich zehn, zwanzig Nummern beieinander, lassen dann nur Anrufbeantworter oder irgendwelche Bänder laufen und verdienen sich dumm und dämlich damit. Als ich vor zehn Jahren damit begonnen habe, gab es in ganz Luxemburg vielleicht vier oder fünf Frauen, die diesen Dienst angeboten haben. Damals konnte man noch richtig gut damit verdienen. Der Anrufer zahlt 2 Euro die Minute, davon bekomme ich 1,24 Euro. Wer verdient schon 74 Euro die Stunde?

Allerdings muss man die Stunde dann auch erst einmal zusammenkriegen, das vergessen die meisten. Ein Anruf dauert in der Regel selten länger als zwei Minuten.“

Wird Telefonsex in Zeiten von Internet und Cam2Cam, wobei man sein Gegenüber ja nicht nur hören, sondern sogar auf dem Schirm sehen kann, überhaupt noch viel in Anspruch genommen?

„Es sind vorwiegend ältere Männer, die bei mir anrufen. Ab 60, 70. Die haben keinen Computer oder wenn schon, wissen sie nicht, wie eine Cam funktioniert. Für sie ist das Telefon noch immer am praktischsten. Oder die, die verheiratet sind, können sich schlecht zuhause mit ihrem Computer in eine Ecke verziehen.“

Wie gut hat sich Ihr Buch denn bislang verkauft?

„Ich habe keine Ahnung, das erfahre ich tatsächlich erst im Januar 2013, wenn ich meine Abrechnung erhalte.“

Luc Laboulle/Tageblatt.lu