Erst im vergangenen Winter präsentierte François Schortgen in der Galerie Simoncini in der Hauptstadt eine umfangreiche Ausstellung. Rund 25 mittel- und großformatige Arbeiten, die allesamt aus den Jahren 2013 und 2014 stammten, hatte er dort gezeigt. Allein diese Tatsache unterstreicht den immensen Tatendrang des damals schon 79 Jahre alten Künstlers. Schortgen war das, was man als Luxemburger „Schaffpärd“ nennt. Unermüdlich, trotz seiner schweren Krankheit, stand er in seinem Atelier und arbeitete an neuen Bildern.

Im März 2015 wurde eine weitere Ausstellung seiner Werke im „Centre François Baclesse“ eingeweiht. Doch der Künstler konnte bei der Vernissage leider nicht dabei sein. Seine Tochter Kim vertrat damals ihren schwerkranken Vater.

Schon seit er 13 Jahre alt war, malte der gebürtige Escher, der seit langen Jahren in Ehleringen lebte und arbeitete. Stark beeinflusst wurde er als Künstler durch seine zahlreichen Reisen. Als 19-Jähriger zog es ihn erstmals in die Ferne. Nach Alaska und später in die Nordwest-Territorien im Norden Kanadas.

Vom Fernweh geprägt

Der Abenteuerlustige machte hier nicht nur Bekanntschaft mit den letzten Pionieren des Klondike-Goldrauschs, die Ende des 19. Jahrhunderts dorthin ausgewandert waren, um ihr Glück zu suchen, sondern vor allem auch mit den Inuit und ihren Schamanen, mit denen er eine Zeit lang zusammenlebte.

Diese Reisen hatten nicht nur den Menschen François Schortgen geprägt, sondern auch den Künstler. Auch die regelmäßigen China-Besuche, die er später unternahm, als er nach Luxemburg zurückgekehrt war und nach einem Informatikstudium einen so genannten geregelten Beruf ergriffen und eine Familie gegründet hatte, sollten sein Werk nachhaltig beeinflussen. Noch Ende der 1980er Jahre besuchte der Künstler Kurse für chinesische Kalligrafie in Paris.
Die zahlreichen Reisen spiegelten sich seit jeher unweigerlich in seinem umfangreichen Werk wider. In der Galerie Schlassgoart zeigte François Schortgen zu Anfang des Jahres 2013 so eine Reihe von Werken, deren Skizzen anlässlich seiner Reisen nach Grönland und Spitzbergen (2006 und 2008) entstanden waren. Riesige Gletscher hatte er damals festgehalten und saß dabei oft abends auf dem Außendeck des Schiffes bei klirrender Kälte, derweil es sich die anderen Passagiere im Inneren gemütlich gemacht hatten.

Auf einer Serie von Bildern hatte er kalbende Gletscher dargestellt und die diversen Stimmungen, die sie zu verschiedenen Tages- und Nachtzeiten verströmen, auf der Leinwand in seinem ureigenen Stil verewigt. Das unten stehende Bild „Surnaturel“ stammt aus dieser Werkreihe.

Zweifellos zählte François Schortgen zu den wichtigsten Vertretern der lyrischen Abstraktion und der modernen Kunst nach dem Zweiten Weltkrieg in Luxemburg. Nun hat er seine allerletzte Reise angetreten.

Das Tageblatt entbietet der Familie des Verstorbenen sein aufrichtiges Beileid.

François Besch