Von Elisa Leclerc

Mit dem Begriff Soja verbinden Fleischesser gerne die geschmacklose Alternative zu tierischer Kost. Wer jedoch am Sonntag im Atelier war, weiß, dass es sich dabei auch um den Namen einer amerikanischen Reggaeband handelt. Obschon der Name Soja zwar als Akronym für „Soldiers of Jah Army“ steht, scheint die Parallele zur Eintönigkeit trotzdem gegeben zu sein.

Man kann der Band Soja zumindest nicht vorwerfen, dass sie sich am Sonntag keine Mühe gegeben hätte: Die acht Musiker beherrschen ihre Instrumente allesamt tadellos und durften ihr Können dabei mit Soloeinlagen auch eindrucksvoll unter Beweis setzen. Neben den üblichen Verdächtigen wie der Gitarre, dem Bass oder dem Schlagzeug sorgten Keyboard, Trompete, Saxofon und Trommeln für einen abwechslungsreichen Reggaesound.
Hellman Escorcia, der Saxofonist, wechselte dabei sogar von Zeit zu Zeit zu einem digitalen Saxofon, auch Aerofon genannt, das von der Optik her vielmehr an eine futuristische Spielkonsole als an ein Instrument erinnerte. An instrumenteller Kreativität mangelte es Soja keinesfalls, auch konnte man den Bandmitgliedern die Liebe zur Musik und ihrer Fangemeinde deutlich ansehen, wobei hierbei besonders Bassist und Sänger Bobby Lee Jefferson zu loben ist: Dieser witzelte, lachte und spielte so nah wie nur möglich am Publikum und scheute auch vor Körperkontakt mit den Fans nicht zurück.

Nasale Balladen

Der Spaßfaktor Jeffersons oder die instrumentellen Soloeinlagen machten dabei jedoch letztendlich die mangelnde Bühnenpräsenz des Leadsängers Jacob Hemphill nicht wett: Mit gewohnt näselnder Stimme sang dieser die gesellschaftskritischen, aber doch etwas primitiven Songtexte in das Mikrofon und zeigte dabei recht wenig Interaktion mit dem Publikum. Die Fans ließen sich davon jedoch nicht abhalten, die Lyrics bekannter Singles wie „Rest of My Life“ oder „You and Me“ lautstark mitzusingen – überhaupt herrschte im Publikum eine großartige Stimmung, ein Einheitsgefühl von Menschen, die gemeinsam das 20-jährige Bestehen der Reggaeband feierten.

Zum Tanzen leiteten die Töne Sojas jedoch nur minimal ein: Mit Liedern wie „Be Aware“, ironischerweise nicht von Hemphill, sondern von dem charismatischeren Jefferson gesungen, kam zwar hin und wieder mehr Bewegung ins Publikum, nichtsdestotrotz waren Reggaeballaden wie beispielsweise „More“ oder „I Don’t Wanna Wait“ deutlich in der Überzahl. Im Vergleich zu anderen Größen der Reggaemusik mangelt es Soja an Pep, allerdings scheinen es genau die Balladen zu sein, die die Beliebtheit der amerikanischen Band aus Virginia ausmachen und dieser einen einzigartigen, ungewohnten Sound verleihen.

Soja scheint somit die Grenzen des Reggaes aufbrechen zu wollen und zeigt dadurch, dass der ursprünglich jamaikanische Sound durchaus auch in den USA produziert werden kann, dabei seinen Wurzeln jedoch treu bleibt und trotzdem auch innovativ ist.

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