Die letzte Ausgabe des „Food For Your Senses“ ist vorbei, das „Rock-A-Field“ gibt es schon seit zwei Jahren nicht mehr. Festivals in Luxemburg sterben aus – oder doch nicht? Vier junge Luxemburger wollen das verhindern und rufen die erste Ausgabe des „Luxembourg Open Air“ (LOA) ins Leben, das am kommenden Samstag auf Kirchberg stattfindet.

Die Vision war von Anfang an vielversprechend: Gut gelaunte Menschen raven zu elektronischen Beats im Schatten der weißen Säulen der Philharmonie. In der Hand halten sie ein kühles Getränk während die letzten Sonnenstrahlen des Sommers
eine Regenjacke überflüssig machen. So oder so ähnlich stellt sich Ivan Cardoso das Festival vor, das er erschaffen will – und so oder so ähnlich soll es am kommenden Samstag auf der place de l’Europe auch aussehen.

Ivan Cardoso studiert International Business in Rotterdam. Von dort hat er auch seine Inspiration: „Festivals in besonderen Locations sind im Ausland immer mehr im Kommen. Viele Luxemburger fahren zwei bis vier Stunden, um sie zu besuchen“, weiß der 24-Jährige. Von der Idee, dieses Erlebnis in Luxemburg zu schaffen, erzählt er seinem Freund Felix Hemmerling – und der ist sofort begeistert. Trotzdem war klar, dass die beiden es nicht alleine machen wollen. Ihnen fehlen die Erfahrungen im Eventmanagement und der Gastronomie.

Gut, dass der 23-jährige Hemmerling da jemanden kennt: Tom Wecker (32) und Sebastian Jacqué (29) sind unter anderem Besitzer der beiden Snooze-Restaurants und des „Pavillon“ im Merler Park. Sie sehen Potenzial in der Idee und steigen mit ein.

Ein Festival für alle

Die vier waren sich darüber einig, dass es ein Elektro-Musik-Festival sein soll. „Das ist etwas, was es in dem Stil in Luxemburg noch nicht gibt“, sagt Felix Hemmerling. In welche Musikrichtung es genau gehen soll, darüber gab es jedoch am Anfang Diskussionen. Während Hemmerling und Cardoso am Anfang noch über die „Alternative“-Richtung nachgedacht hatten, meinten Wecker und Jacqué, dass dann keiner komme. Es musste etwas für die breite Masse her.

Vielversprechende Wettervorhersage

„Der Platz hinter der Philharmonie lädt dazu ein, etwas für jeden anzubieten“, sagt Sebastian Jacqué. Geplant ist ein Day-Festival, das morgens um 11.00 Uhr anfängt und das mit einem Food Village sowie einer Chill-out-Area dazu animieren soll, den ganzen Tag dort zu verbringen. Auch junge Familien sollen sich wohlfühlen. „Wir wollen jedem etwas bieten, und dazu gehört nun einmal auch die Musik, die die Menschen hören, wenn sie das Radio aufdrehen“, so Jacqué.


Das Line-up besteht schlussendlich aus sechs luxemburgischen und sechs internationalen DJs. „Wir wollten auch jungen Luxemburgern die Chance geben, ihr Talent zu zeigen“, sagt Felix Hemmerling. Die sechs internationalen DJs sind in diesem Jahr alle auf dem Tomorrowland aufgetreten. Namen wie Lovra, Darno, Marnik, Brooks und Mike Williams sind bei Liebhabern der elektronischen Musik keineswegs unbekannt. Die Künstler zu überzeugen, in Luxemburg zu spielen, war aufgrund der Location gar nicht so schwer.

„Sie waren begeistert von dem Platz. Für sie ist das natürlich von Vorteil, weil sie hier Fotos und Videomaterial machen können“, so Cardoso. Zudem spielen sie alle am Samstag zum ersten Mal in Luxemburg. Eine Herausforderung waren die Genehmigungen, die nötig sind, um auf der place de l’Europe ein Festival organisieren zu dürfen. Aber die wichtigsten Einwilligungen waren schnell eingeholt. Dann ging es darum, das Finanzielle zu klären. „Wir hatten das große Glück, bei der ersten Ausgabe von großen Partnern unterstützt zu werden“, sagt Jacqué. Das erlaubt es ihnen, das Festival gratis anzubieten. Geld wollen die vier nicht mit ihrem Festival verdienen.

Wettergötter raven mit

Dass das LOA ganz am Ende der Festival-Saison stattfindet, ist kein Zufall. Laut Wecker gibt es zwei Gründe dafür: „Von Juli bis September ist sowieso niemand in Luxemburg“, sagt der 32-Jährige. Am Wochenende vor dem Schulbeginn seien die Luxemburger fast alle wieder zu Hause. „Zweitens sind die Preise der DJs am Ende der Saison deutlich günstiger als eine Woche nach dem Tomorrowland“, so Wecker weiter. „Und die ’Schueberfouer‘ ist gerade vorbei“, ergänzt Cardoso.

Obwohl aus meteorologischer Sicht seit knapp zwei Wochen Herbst ist, soll das Wetter am Wochenende sonnig und warm werden. Sollte es trotzdem regnen, werden auf dem LOA-Festival Ponchos aus Mais verteilt. „Der Umweltaspekt ist uns wichtig“, betont Sebastian Jacqué. Einwegplastik wird es keinen geben. „Das sollte inzwischen Standard sein“, sagt er.
Um schon um 11.00 Uhr Besucher anzulocken, beginnt das Festival mit einer Crossfit-Stunde von „Bear Crawl“ aus Fentingen. „Wir wollen eine ganze Erfahrung schaffen. Damit die Besucher, wie beim Tomorrowland, in einer anderen Welt sind“, sagt Ivan Cardoso und kündigt an, dass auch für die eine oder andere Überraschung gesorgt sein wird.

Eine weitere Besonderheit: Auf dem LOA-Festival gibt es ganze acht Bars. „Wir haben auf anderen Festivals und Veranstaltungen in Luxemburg in dieser Saison miterlebt, wie die Menschen ewig für ein Getränk anstehen mussten“, sagt Tom Wecker. „Also haben wir beschlossen: Wir brauchen mehr Kassen.“ Acht Bars bedeuten natürlich auch eine Bandbreite an Getränken: Von Bier über Mocktails, also alkoholfreien Cocktails, bis hin zu Gin Tonics wird für jeden Geschmack etwas dabei sein. Genauso beim Essen: Zwölf Foodtrucks bieten auch vegane und vegetarische Gerichte an.

Gratis Event, gratis öffentlicher Verkehr

Genau wie das Festival ist auch der öffentliche Verkehr am Samstag in der Hauptstadt umsonst. „Wir ermutigen die Besucher dazu, mit Zug, Bus oder Tram anzureisen“, sagt Ivan Cardoso. Ein anderer Grund, wieso das Festival um 23 Uhr vorbei ist: „Dann kriegen die meisten noch einen Bus nach Hause. Das ist um 2 oder 3 Uhr morgens nicht mehr so selbstverständlich“, so Hemmerling. Und wer nach 23 Uhr aber noch fit ist, geht zur Afterparty im Gotham. Die Inspiration für ein sogenanntes „Day-Festival“ hat Ivan Cardoso auch aus den Niederlanden mitgebracht, wo dieses Konzept sehr gut funktioniert.

Neben einer guten Zeit und klasse Beats wollen die vier jungen Luxemburger mit dem LOA-Festival das Bild von Luxemburg im Ausland verbessern. Felix Hemmerling hat in Dublin studiert und auch eine Zeit lang in Singapur gelebt: „Dort sehen die Menschen Luxemburg immer nur als Finanzzentrum. Wir wollen zeigen, dass mehr dahintersteckt.“
Das Line-up und alle wichtigen Informationen finden Sie auf der Internetseite
www.loa-festival.com.

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