Ein Jahrzehnt der Kultur der Dialoge und des Dialogs der Kulturen an einem geschichtsträchtigen Ort. Auf den Tag genau waren es am Mittwoch zehn Jahre her, dass das CCRN seinen Betrieb aufnahm.

Das einstige Benediktinerkloster und spätere Grund-Gefängnis war von Grund auf renoviert und umgebaut worden, um es zu einem Ort der Kultur und der Begegnung zu machen. Am 28. Mai 2004 öffnete es seine Türen. In den vergangenen zehn Jahren fanden dort hunderte von Veranstaltungen der verschiedensten Art, von Ausstellungen und Konferenzen bis hin zu Theatervorstellungen und Konzerten statt. Neumünster ist heute das Synonym für Festivals wie das OMNI (Musik), “Humour pour la Paix” (Kabarett), für großartige Jazz-Events, für Open-Air-Veranstaltungen mit Weltstars.

Die Feierlichkeiten zum Zehnjährigen begannen am frühen Mittwochabend mit der Vernissagefeier zu einer Ausstellung der besonderen Art. Eine Ausstellung des Fotografen Eric Chenal, bei dem die Mitarbeiter des Kultur- und Begegnungszentrums im Mittelpunkt stehen. “Plakate machen Leute” lautet der Titel der Schau, in der die früheren und heutigen Beschäftigten des CCRN zu sehen sind, wie sie Plakate zu den verschiedenen Veranstaltungen, die zwischen 2004 und heute in der Abtei stattfanden, in den Händen halten. Wenig später wurde eine Arbeit des italienischen Künstlers Ivo Batocco enthüllt, ein Werk, das sich das CCRN zum Geburtstag selbst schenkte und das fortan Bestandteil der Sammlung des Zentrums ist. Es handelt sich dabei um ein imposantes, 240 x 156 Zentimeter großes, dreidimensionales Bild, in welchem der Künstler die Geschichte der Abtei wiedergibt.

Erbgroßherzoglicher Besuch

Später am Abend wurden dann hohe Gäste zur offiziellen akademischen Sitzung erwartet, die im Saal Robert Krieps stattfand. Während sich auf dem Parvis vor dem einstigen “Tutesall” bereits kubanisches Feeling breitmachte und die ersten Mojitos bei lateinamerikanischen Rhythmen über die Theke gingen, empfing die neue CCRN-Generaldirektorin Ainhoa Achutegui in Präsenz des Präsidenten des Verwaltungsrates, Guy Dockendorf, und der Kulturministerin Maggy Nagel Erbgroßherzog Guillaume und Erbgroßherzogin Stéphanie.

Pianist Michel Reis hieß die hohen Gäste im geschmückten Saal Krieps mit einem leicht jazzigen “Wilhelmus” willkommen. Es sei bemerkt, dass zwar Staatsratspräsident Victor Gillen, verschiedene Botschafter, zahlreiche Künstler und die früheren Kulturministerinnen Erna Hennicot-Schoepges und Octavie Modert anwesend waren, jedoch ansonsten die politische Obrigkeit des Landes durch Abwesenheit glänzte. Die Wahlen sind vorbei …

Wie dem auch sei: Michel Reis sorgte mit “Folksong” für den musikalischen Auftakt zur Sitzung, die er zum Abschluss mit dem wunderschönen “Power of beauty” auch beendete. Der Reihe nach gingen Generaldirektorin Ainhoa Achutegui, Verwaltungsratspräsident Guy Dockendorf und Ministerin Maggy Nagel auf die Geschichte des CCRN, seine Vergangenheit und seine Zukunft ein. Dazwischen veranschaulichte ein kurzweiliges Diaporama im Zeitraffer das Leben in der Abtei, von den Anfängen bis jetzt. Die Redner fanden Worte des Lobes u.a. an die Adresse des ersten Direktors des Zentrums, Claude Frisoni, der das CCRN bis zum Dezember vergangenen Jahres leitete und nun im wohlverdienten Ruhestand im Périgord seine Freizeit genießt. Er war übrigens nicht nach Luxemburg gekommen, um bei der Feier dabei zu sein …

Abschließend war es Paul Bertemes von der Agentur mediArt, der das Jubiläumsbuch, in welchem die zehnjährige Geschichte des CCRN in Wort und Bild beleuchtet wird, vorstellte. Nachdem dann (fast) alles gesagt worden war, was es zum Kultur- und Begegnungszentrum zu sagen gibt, begaben sich die Ehrengäste und die Gastgeber zum Parvis des Kultur- und Begegnungszentrums, wo sich mittlerweile auch bereits einige hundert Feiernde eingefunden hatten, um zu heißen Rythmen kühle Cocktails zu schlürfen und zu tanzen.

Die “Fiesta Cubana” bildete den gelungenen Abschluss des Geburtstagsabends. Auch am Donnerstag wurde auf dem Parvis noch munter weitergefeiert: Ab dem späten Vormittag und bis in den frühen Abend hinein dauerte das muntere Treiben. Auf die nächsten zehn Jahre!

François Besch/Tageblatt.lu

Kommentar

“Honni soit qui mal y pense …”

Am 28. Mai 2004 wurde das CCRN, das Kultur- und Begegnungszentrum Abtei Neumünster, offiziell eröffnet. Ein gutes Jahrzehnt lang waren zuvor die Gebäude, die über die Jahrhunderte als Kloster und späteres Gefängnis genutzt wurden, aufwendig renoviert und umgebaut worden. Das erste Jahrzehnt des Zentrums, das mittlerweile aus der Luxemburger Kulturszene nicht mehr wegzudenken ist, wurde am Mittwochabend – also auf den Tag genau – mit einem großen Fest gefeiert. Und einer akademischen Sitzung, wie sich das für solche Anlässe gehört. Während dieser wurde die Geschichte des Zentrums Revue passieren gelassen, es wurde musiziert und es gab ein Diaporama. Generaldirektorin Ainhoa Achutegui, Verwaltungsratspräsident Guy Dockendorf und die neue Kulturministerin Maggy Nagel hielten die Festreden. Worte des Lobes gab es dabei u.a. für die früheren CSV-Ministerinnen Hennicot-Schoepges und Modert. Doch mit keinem Wort erwähnte einer der Redner den Mann, auf den das Projekt der Metamorphose der Abtei vom Gefängnis zu einer Begegnungs- und Kulturstätte eigentlich zurückgeht. Und das, obwohl sie ihre Festreden in dem nach ihm benannten Saal hielten: Robert Krieps, der einstige Häftling – unter der Naziherrschaft – und der letzte Kulturminister, der aus den Reihen der LSAP kam. „Honni soit qui mal y pense …“

François Besch