Frits – mit „s“ – heißt der Kater, der uns zusammen mit Herrchen Fernand die Tür öffnet, als wir den Schauspieler am Montag in seinem Haus im Rollingergrund besuchen. Vor der Garageneinfahrt steht ein Schild. „Fox crossing“ kann man darauf lesen. „Das hat mir mein Freund Carlo Hartmann von einem USA-Besuch mitgebracht“, erklärt Fernand Fox, als wir die Treppen zur guten Stube hochsteigen. An den Wänden im Treppenhaus hängen Collagen von Anne und Pit Weyer – ebenfalls gute Freunde des einstigen Hausherren der „Theaterstuff“ am hauptstädtischen Glacis-Feld.

Fernand Fox: “Ech muss net op der Bühn stierwen”

King Lear
Szenische Lesung

Der Autor und Schriftsteller Pol Greisch (Jahrgang 1930) trifft als König Lear in dieser szenischen Lesung des Kasemattentheaters auf eine neue Generation von drei jungen luxemburgischen Schauspielerinnen. Doch auch sein Hofnarr, gelesen von Fernand Fox (Jahrgang 1934), scheut nicht davor zurück, unangenehme Wahrheiten auf drastische Weise auszusprechen.

Kasemattentheater
Do., 31. März, 20 Uhr
Fr., 1. April, 20 Uhr

Tickets:
Tel.: (+352) 29 12 81
E-Mail: ticket@kasemattentheater.lu
Web: kasemattentheater.lu

Mierscher Kulturhaus
Sa., 2. April, 20 Uhr
So., 3. April, 17 Uhr

Tickets:
Tel.: (+352) 26 32 431
E-Mail: info@kulturhaus.lu
Web: www.kulturhaus.lu

In der Stube dann fällt der Blick auf einen ausgestopften Fuchs und einen bronzenen „Renert“. Wenn man schon Fox heißt … „Oh du léif kleng Zigarett“ lautet der Titel eines Liedes von Pol Pütz, mit dem Fernand Fox vor vier Jahrzehnten großen Erfolg hatte. Und damals rauchte er bereits. Genauso viel, wie dies auch heute noch der Fall ist. „Ich rauche aus Nervosität“, gibt der Schauspieler zu, „aber ich inhaliere den Rauch nicht!“ Während unseres Gespräches gehen so acht „Africaine“ in blauen Dunst auf. Der Kettenraucher erzählt, dass er sich im Alter von 69 Jahren in der Berliner „Charité“ von Grund auf durchchecken ließ.

Keineswegs nur leichte Kost

Auch die Atmungsorgane wurden untersucht. „Rauchen Sie?“, habe der Arzt ihn gefragt. „Ja, seit über 40 Jahren!“ Das könne gar nicht sein, habe daraufhin der Mediziner gemeint: „Sie haben eine jungfräuliche Lunge.“
Fernand Fox wurde am 26. Januar 1934 in Bollendorferbrück geboren. Schon als Jugendlicher stand er auf der Bühne, doch er erlernte einen „ordentlichen Beruf“.

Er besuchte das klassische Lyzeum in Echternach und in der Hauptstadt und trat anschließend in die Dienste der damaligen Interbank ein. Im Rahmen eines Jubiläums der Bank wurde 1956 im Casino eine Theatervorführung zum Besten gegeben und der junge Fox hatte eine Hauptrolle bekommen. Eugène Heinen, Gründer der „Compagnons de la scène“, des späteren „Lëtzebuerger Theaters“, der der Vorführung beiwohnte überzeugte den jungen Schauspieler, sich seiner Truppe anzuschließen. Fernand Fox belegte anschließend drei Jahre lang Diktions- und Schauspielkurse am Konservatorium und zählte schon bald zum festen Inventar von Heinens Truppe.

“Ernste” Rollen

Die nächste Etappe war das Kasemattentheater, wo er zusammen mit dem leider viel zu früh verstorbenen Tun Deutsch auch die ersten „ernsten“ Rollen übernahm. „Bei Heinen führten wir fast nur witzige, luxemburgische Stücke auf, mit dem Kasemattentheater bot sich mir die Gelegenheit, auch ernste Rollen zu spielen.“ Im Kasemattentheater unter Tun Deutsch sei professioneller vorgegangen worden als bei Heinen. In seiner Zeit beim Kasemattentheater lernte Fernand Fox auch André Jung kennen, den Luxemburger Schauspieler, der ihn bis heute am stärksten beeindruckt hat. Auch als Charakterdarsteller sollte der Schauspieler Fernand Fox brillieren, obwohl ihn das Publikum – bis heute – wohl vor allem als Komiker in Erinnerung behält. Daran schuld ist nicht zuletzt das luxemburgische Fernsehen und damit der wöchentliche „Hei elei“-Sketch, den er zusammen mit u.a. Hary Haagen (1902-1980) und Jängi Hopp (1923-1971) viele Jahre lang spielte.

Fernand Fox trat daneben regelmäßig mit dem Ensemble der Nationallotterie auf und zählte lange Zeit zur Stammbesetzung der „Revue“. Auch auf der Leinwand konnte man ihn schon oft sehen, u.a. in den Bausch-Filmen „Le Club des chômeurs“ und „La Revanche“ sowie in den RTL-Produktionen „Déi zwee vum Bierg“ und „E Liewe laang“.
Zu seiner Popularität trugen aber wohl auch die zahllosen Werbespots bei, die er während 25 Jahren für die „La Luxembourgeoise“ drehte. Als Filmschauspieler ist Fernand Fox übrigens auch heute noch aktiv. Erst im vergangenen Jahr wurde ihm der Preis des besten Schauspielers für seine Rolle als Jakob im Kurzfilm „Lingo Vino“ (Iris Productions) anlässlich des 61. Kurzfilmfestivals von Montecatini verliehen.

Theater im eigenen Lokal

Auf der Bühne jedoch sieht man „Foxe Fern“, wie der Volksmund ihn nennt, leider fast nicht mehr. Ende März, Anfang April wird er zwar noch in einer Shakespeare-Produktion von „King Lear“ an der Seite von u.a. Pol Greisch auftreten (siehe blauen Kasten), aber das war’s dann auch schon. Neue Projekte sind derzeit keine in Planung und Fernand Fox hat auch nicht mehr die echte Lust auf weitere Auftritte auf den Brettern, die die Welt bedeuten. „Ich habe alles gespielt, Komödien und ernste Stücke. Ich muss auch nicht bis an mein Lebensende auf der Bühne stehen …“ Fragt man ihn danach, was denn seine liebsten Theaterproduktionen gewesen seien, so antwortet er spontan „De Bretzert“, eine Farce von Norbert Weber, und „Emigranten“, eine Tragikomödie von Slawomir Mrozek. Mit dem letztgenannten Stück trat Fernand Fox sogar 14-mal in Salzburg auf. Doch ebenso die beiden Greisch-Stücke „Äddi Charel“, in dem er zusammen mit Hary Haagen auf der Bühne stand, und „D’grouss Vakanz“ mit Juliette François (1925-2007) bleiben ihm in bester Erinnerung.

Bei der Interbank hatte Fernand Fox übrigens nur zwei Jahre gearbeitet. Danach trat er eine Stelle bei der Arbed an, wo er bis zum Alter von 48 Jahren in der Direktion arbeitete. Und dann? Dann machte er sich selbstständig: „’Der ist verrückt geworden’, sagten sie damals. ‘Gibt eine gut bezahlte, feste Stelle auf und eröffnet eine Gaststätte.’“ Doch der Erfolg sollte ihm recht geben. Die „Theaterstuff“ auf Limpertsberg entwickelte sich sozusagen über Nacht zum Szenetreff: Künstler, Journalisten, Politiker … alle gaben sich hier ein Stelldichein. Und der frisch gebackene Wirt konnte endlich in eigenen Räumlichkeiten spielen. Regelmäßig, bis er das Lokal 1989 aufgab, um sich nur noch der Schauspielerei und dem Reisen zu widmen, fanden in der „Theaterstuff“ Kabarettabende statt. Ausstellungen und Konzerte wurden ebenfalls dort organisiert.

„So, nun geht’s aber zum Aperitif!“ Frits bleibt zuhause, Herrchen zieht Mantel und Schirmmütze über und spaziert zum Stammlokal, wo er nicht hinter, sondern vor dem Tresen Platz nimmt. Prost, und alles Gute zum Geburtstag!

François Besch