Engel, meine Engel, die ihr mir von Kindheit an so lieb seid, wo, ja wo, aber wo seid ihr? Warum greift ihr jetzt nicht ein und verhindert, was dabei ist zu geschehen? Heute, am Montag, den 30. Januar 1933, wird Adolf Hitler, der Schreihals aus Braunau am Inn, deutscher Reichskanzler.

Guy Wagner „nochmals hoffend“

Roman zu Paul Klee

Rombach Verlag
ISBN 978-3-7930-9750-1
16 Euro

Infos & Kontakt
wagnerg@pt.lu

Der, den ich mit Fettkreide schon 1931 als stamtischler skizziert und damit meinen Abscheu für ihn ausgedrückt habe, ist nun an der Macht.“ Mit diesen Sätzen beginnt der neue Roman des Schriftstellers und Kritikers Guy Wagner, der kürzlich im Casino für zeitgenössische Kunst in Luxemburg vorgestellt wurde, wo Charles Muller, Direktor des Escher Theaters, vor gut gefülltem Saal aus dem Werk vorlas.

„nochmals hoffend“ ist, nach „Winterreise“ und „Die Heimkehr. Vom Leben und Sterben des Gustav Mahler“ der dritte Roman des Autors, der sich auf internationaler Ebene einen Namen als Theodorakis-Biograf gemacht hat. Er befasst sich mit den letzten Lebensjahren eines der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts, Paul Klee (1879-1940). Angeregt zu dem Roman wurde Wagner 2010 durch einen Besuch im Luzerner Museum der „Sammlung Rosengart“. Hier fiel ihm ein Aquarell Klees aus dem Jahr 1939 auf, das, so der Autor „von ergreifender Schönheit und Aussagekraft ist“.

„Rein Persönliches“

„nochmals hoffend“ hatte Klee das Bild betitelt, das auch die Coverseite des Buches ziert. Wagner wollte mit dem Roman nicht eine zusätzliche Biografie oder eine Werkanalyse schreiben, sondern in Buchform „rein Persönliches“ zu dem Künstler, der ab 1933 vom Nazi-Regime zu den „Entarteten“ gezählt wurde, herausbringen. Erzählt wird die Geschichte in der ersten Person Singular, so dass der Leser den Eindruck bekommt, als würde er eine Art Tagebuch Klees vor sich haben. In dem hervorragend geschriebenen Roman verarbeitet der Autor auch eine ganze Reihe von Auszügen aus Briefen und anderen persönlichen Dokumenten des Künstlers.

„nochmals hoffend“ weist erstaunliche Parallelen zwischen dem Schicksal Klees und seinem Heimatland in der Zeit zwischen 1933 und 1940 auf.

François Besch/Tageblatt.lu