Wenn am Donnerstagabend der Abschluss des europäischen Monats der Fotografie in Luxemburg mit einer Identitäten stiftenden Ausstellung im Kulturzentrum „neimënster“ eingeleitet wird, passt dies wohl auch in die Euphorie des Nationalfeiertags von Sonntag.

Boris Loder hat Materialien in verschiedenen Regionen des Landes sowie an den unterschiedlichsten Orten gesammelt und diese zu aussagekräftigen Objekten zusammengefügt: eine Vielzahl an Kubus-Objekten im Lichtbild als Ausdruck vielschichtiger soziogeografischer Identitäten festgehalten. „Particles“ von Boris Loder verspricht gerade in den alten Gemäuern im Herzen der Vorstadt bis in den September hinein Besucher und Freunde der Fotografie in den Bann zu ziehen.

Dass der europäische Monat der Fotografie in der 7. Auflage nicht nur international renommierte Top-Vertreter dieser Kunstform nach Luxemburg gezogen hat, sondern auch die aufstrebende heimische Fotoszene befeuert, ist klar. Ein großes Verdienst kommt den beiden Herausgebern der Zeitschrift Café-Crème Paul di Felice und Pierre Stiwer zu, die als Organisatoren dieser Veranstaltung keine Mühe gescheut haben, für höchste Qualität zu sorgen. Motto der diesjährigen Ausgabe ist „Der Körper“ in der Fotografie. Es galt diesbezüglich auch, den soziokulturellen Entwicklungen in der Gesellschaft und den vielfältigen Darstellungsformen der Körperkultur Rechnung zu tragen.

Spektakuläre “Bodyfiction(s)”

Wer nicht alle Ausstellungen besichtigen konnte, der kann diese bequem in der Sonderausgabe des Heftes Café-Crème Revue passieren lassen. Auf über 100 großformatigen Seiten werden die spektakulären „Bodyfiction(s)“ präsentiert, ob in Häusern wie MNHA, Cercle Cité, Casino Luxembourg oder beim Arendt & Art Award, egal, die Bilder sind allesamt stark. Weitere Höhepunkte des Monats waren „Fever“ des Duos Markiewicz-Piron im Casino sowie die Schau von Elina Brotherus in der Villa Vauban, „L’autre-Portrait & Embody“, „Fake I Real Me“, „Les guerriers de la beauté“ sowie eben „Particles“ in Neumünster. Gleichfalls zum Tragen kommen mit „Regards sans limites“ die Preisträger einer Studienbörse der Großregion.

Das absolut sehens- und lesenswerte Sonderheft von Café-Crème beschränkt sich nicht auf diese Veranstaltung. In Wort und Bild werden laufende Ausstellungen beim CNA in Düdelingen, in der „Cité de l’image“ in Clerf sowie im Mudam, im Zentrum für Architektur LUCA, dem portugiesischen Kulturzentrum sowie Privatgalerien und der Portfolio-Plattform 2017 vorgestellt und kommentiert.

Mit einem detaillierten Künstler-Index versehen und einem Hinweis auf wichtige Adressen der heimischen Fotolandschaft gestaltet sich diese Ausgabe zu einer unabdingbaren Dokumentation, die man sich in Galerien und Museen sowie bei dem Herausgeber, der Café-Crème asbl., besorgen kann. Wer nach dem europäischen Monat für Fotografie auf weitere Lichtbilder Lust hat, der sollte einen Abstecher nach Arles unternehmen, eine Stadt, die traditionell Anfang Sommer ganz im Zeichen der Fotografie steht. Die Vereinigung Lët’z Arles lädt für Luxemburg am 5. Juli zur Vernissage einer doppelten Ausstellung, „Aedicula“ von Claudia Passeri und „Resonance“ von Krystyna Dul, in der „Chapelle de la charité“ nach Arles ein. Zwei spannende Performances, die hoffentlich gut ankommen.

Fernand Weides

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