Statt nur eines Preises, der sich an alle europäischen Künstler richtet, verlieh die Stiftung „Edward Steichen“ am Donnerstgabend in feierlichem Ambiente erstmals den Förderpreis „Edward Steichen Luxembourg Award“.

Mit einem mehrstelligen Betrag dotiert ist der Preis nicht. Das muss er auch nicht, winkt dem Gewinner doch eine dreimonatige Künstlerresidenz und Ausbildung in jener Stadt, in der Edward Steichen über Jahre hinweg gelebt und gearbeitet hat: New York.

Die im Jahr 1977 in Luxemburg geborene Künstlerin Claudia Passeri ist die strahlende Gewinnerin dieses ersten Förderpreises und zieht im anstehenden Jahr für drei Monate ins New Yorker „International Studio & Curatorial Program“ ein – ein Exzellenzprogramm für graduierte Künstler und Kuratoren, dessen Ziel es ist, Stipendiaten in die New Yorker Kunstszene einzuführen, um so den Grundstein für eine internationale Karriere zu legen.

Kritischer Blick auf die Gesellschaft

Zu verdanken hat sie diese einmalige Opportunität den drei einheimischen Kuratoren Danielle Igniti, Paul de Felice und Christian Mosar, die von der Stiftung beauftragt wurden, einen Kandidaten für den Förderpreis vorzuschlagen. Laut Danielle Igniti, künstlerische Leiterin der Düdelinger Stadtgalerien, hatte die Wahl von Claudia Passeri mehrere Beweggründe: „Wie Edward Steichen bewegt sich auch Claudia Passeri zwischen zwei Nationalitäten. Die Frage nach der Identität in ihrer Kunst ist zugleich die Frage nach dem Menschsein – eine Frage nach dem, was ein Individuum ist und was es werden möchte. Zugleich ist Claudia Passeri eine Künstlerin, die auf politische Verhältnisse einen kritischen Blick wirft“, erklärte Danielle Igniti.

Die drei Befürworter aus Luxemburg sind von Passeris Talent und Ehrgeiz überzeugt. „Entweder jetzt oder nie!“, meinte Danielle Igniti, denn im anstehenden Jahr wäre die Künstlerin zu alt gewesen, um den Förderpreis noch entgegennehmen zu können. „Ich bin davon überzeugt, dass sie die Chance nutzen wird, in New York reifen und sich entfalten wird“, prophezeite Danielle Igniti.

Sechsmonatige Residenz in NY

Doch neben Claudia Passeri galt am Donnerstagabend das Augenmerk auch der polnischen Installationskünstlerin Maria Loboda. Sie wurde im Mudam mit dem prestigevollen „Edward Steichen Award 2011“ ausgezeichnet, der ihr eine sechsmonatige Residenz in NY beschert. Maria Loboda kann sich nicht mehr genau erinnern, wann sie zum letzten Mal in New York weilte. Sichtlich bewegt und zu Tränen gerührt, erzählte sie von vergangenen Träumen, vom Bruch ihres Herzens, als sie vor vollendeten Tatsachen stand und New York den Rücken zukehren musste.

Zu wissen, dass sie bald wieder in jene Stadt zurückkehrt, die sie liebevoll als ihre Quelle der Inspiration schlechthin bezeichnet, erfüllt sie mit großer Vorfreude und Dank an die Stiftung „Edward Steichen“, die seit 2004 das Ziel verfolgt, jungen zeitgenössischen Künstlern neue Türen zu öffnen. „Your life will never be the same again“, sagte gestern Abend Ariana Stahmer, Edward Steichens Urenkelin

Emile Hengen/Tageblatt.lu