Die Arbeit eines Clowns und die des Önologen sind eigentlich grundverschieden. Laurence Duhr gelingt es jedoch, beide Berufe unter einen Hut zu bringen. Als Clown bringt sie kranke Menschen zum Lachen und sorgt im Winzerbetrieb ihres Vaters für Veränderung.

Ihre Haare hat Laurence Duhr zu braunen Dreadlocks gedreht. Ihre leuchtenden Augen verbirgt sie hinter einer rosa Hornbrille. Wer sie trifft, merkt sofort, dass sie ziemlich mit sich und der Welt im Reinen ist. Sie lacht viel und kann eigenen Aussagen zufolge nicht lange still sitzen.

Ihr erstes Diplom erhielt Laurence Duhr im Jahr 2004, als sie ihren Abschluss im „Enseignement supérieur classique“ schaffte. Seitdem hat die 35-Jährige aus Grevenmacher eine kleine Sammlung von Diplomen angehäuft. Neben einem Abschluss in Psychologie absolvierte Laurence unter anderem einen Bachelor of Science in Weinbau und Önologie am Weincampus in Neustadt an der Weinstraße. Mindestens ein Diplom soll jedoch noch folgen. Die engagierte junge Frau besucht an mehreren Abenden die deutsche Heilpraktikerschule in Wittlich, um sich dort weiterbilden zu lassen.

An der Universität von Luxemburg erhielt Laurence ihr Vordiplom in Psychologie. Danach wechselte sie zur Universität in Trier. Dort schrieb sie erfolgreich ihre Abschlussarbeit zum Thema „Klinikclowns: Eine Hilfe für Kinder im Krankenhaus?“ Seit diesem Zeitpunkt darf sie sich nun offiziell Diplompsychologin nennen.

Wissbegieriges Multitalent

Neben ihrem Studium ließ sich die wissbegierige Frau zur Clownpädagogin in Bad Kreuznach ausbilden. Die Ausbildung von TuttoClown, die Clowns auf Besuche in medizinischen, sozialen und therapeutischen Institutionen vorbereitet, meisterte Laurence im Jahr 2015 ebenfalls. „Menschen mit Einschränkungen oder aber auch Kinder sehen in dem Clown einen Komplizen. Einer, der sich nicht an die konventionellen Regeln der Gesellschaft halten muss. Sie fühlen sich in seiner Gegenwart nicht mehr allein. So kann zwischen den Zuschauern und dem Clown ein starkes Band entstehen“, erklärt die 35-Jährige im Gespräch mit dem Tageblatt.

Eine Clownsnase reicht bei weitem nicht aus, um das Publikum zu begeistern. Sie bietet dem Clown jedoch eine gewisse Distanz zum Geschehen sowie die nötige Sicherheit bei Auftritten. „Mit dem Schminken beginnt und endet die einzige Routine bei meinen Auftritten. Ich versuche, mich deshalb immer identisch zu schminken. Das Programm muss ständig geändert und immer auf die Bedürfnisse der Zuschauer angepasst werden. Deshalb improvisiere ich fast immer“, erzählt Laurence.

Die Auftritte dauern mal eine Stunde, mal 90 Minuten und verlangen den Protagonisten alles ab. „Die Aufgabe eines Clowns ist es, dafür zu sorgen, dass jeder Zuschauer mindestens einmal während der Aufführung gelacht hat. Um das zu erreichen, habe ich mir ein ganzes Repertoire an Kunststücken angeeignet. Mal erreicht man die Zuschauer mit Musik, mal mit kleinen Kunststücken“, erklärt Laurence. Sollte das nicht reichen, um den Zuschauern ein Lächeln zu entlocken, hat die Clownpädagogin noch ein Ass im Ärmel. Spätestens bei der Fahrt auf einem Miniaturfahrrad können sich die wenigsten ein Lachen noch verkneifen.

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Ganz andere Fähigkeiten sind im Winzerbetrieb der Familie gefragt. Während des Studiums absolvierte sie ein Praktikum bei Reinhard Löwenstein, einem bekannten deutschen Winzer aus Winningen an der Terrassenmosel. Die meisten Reben Löwensteins befinden sich in Steilhängen entlang der Mosel und müssen ohne die Hilfe von Maschinen gelesen werden. „Die Arbeit war sehr anstrengend. Sie hat mir jedoch viel Spaß gemacht. Auch das Team hat mir gefallen. Dort haben Menschen aus der ganzen Welt zusammengearbeitet. Die meiste Zeit habe ich dort nur Englisch gesprochen“, erinnert sich die 35-Jährige.

Weinliebhaber sind begeistert

Im heimischen Betrieb in Grevenmacher kümmert sich Laurence vor allem um die Beschaffenheit des Bodens, aber auch um die Rebstöcke. „Während meiner Ausbildung habe ich den sogenannten sanften Rebenschnitt gelernt und bei uns im Betrieb eingeführt. Zukünftig werden wir vermehrt auf Bioprodukte setzen, ohne jedoch die Zertifizierung anzustreben“, so die Önologin. Die Rebstöcke der Familie erstrecken sich über sieben Hektar. Besonders die Weißweine und der Crémant „Paradis des bulles“ wissen bei Weinliebhabern zu überzeugen. „Unser Crémant wird sechs Jahre in der Flasche gelagert, bevor er verkauft wird. Mit der Zeit verändern sich die Champagnerblasen und verleihen dem Endprodukt seinen einzigartigen Geschmack“, erklärt der Vater, Abi Duhr.

Laurence Duhr wird noch ein weiteres Diplom erwerben – wenn auch nicht ganz freiwillig: Auf einem Heimflug aus Neuseeland erlitt Laurence eine Thrombose. Es handelt sich dabei um eine Gefäßerkrankung, bei der sich ein Blutgerinnsel in einem Blutgefäß bildet. „Aufgrund der Krankheit bin ich gezwungen, immer spezielle Strümpfe zu tragen. Auch das lange Stehen in den Weinbergen macht mir zu schaffen. Deshalb habe ich beschlossen, mich noch einmal beruflich umzuorientieren. Zurzeit lasse ich mich zur Heilpraktikerin ausbilden. So kann ich auch in Zukunft weiter mit Pflanzen arbeiten“, erzählt die 35-Jährige zum Schluss.

 

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