Am Montag feiert die Minettemetropole die Befreiung vom Nazijoch. Aus diesem Anlass findet eine Kranzniederlegung am “Monument aux morts” statt sowie ein Umzug zum “Mémorial américain”. Wir haben ein wenig in unserem Archiv geblättert und sind dabei auf eine echte Anekdote gestoßen.

Im Escher Tageblatt vom 6. Oktober 1944 heißt es nämlich, dass die lange und sehnsüchtig erwarteten ersten Amerikaner nicht an jenem denkwürdigen Sonntag kamen, um ein letztes deutsches Widerstandsnest in der Hauptpost zu beseitigen, sondern bereits einen Tag davor, am 9. September 1944. Eigentlich ist die Mehrzahl “sie kamen” auch falsch, denn es war nur einer. Zudem war er weder gekommen noch mit einem fahrbaren Untersatz unterwegs.

George R. Brooking, damals 25 Jahre alt und aus Livingston/Montana stammend, saß am Steuerknüppel einer Thunderbolt, die über Esch abgeschossen wurde. Ihm gelang es noch, das einsitzige Kampfflugzeug auf einem Wiesengrund in der Nähe von Ehleringen zu landen. Zufälligerweise wurde der Escher Metzgermeister Fred Keup Zeuge der Landung und reagierte prompt: Er eilt herbei und versteckt den jungen Piloten in einem Heuschober. Kurze Zeit später suchte bereits die Feldgendarmerie nach ihm. Keup wird befragt und sagt aus, dass der Pilot in den Wald geflüchtet sei. Als die Luft rein ist, bekommt George R. Brooking andere Kleidung und wird in ein Versteck in der Hüttenstraße 31 (heute rue de l’Usine) geschleust. “Bald darauf aß er zum ersten Mal in seinem Leben deftige Luxemburger Kost und schlief zum ersten Mal aller Sorgen ledig in einem Luxemburger Bett”, heißt es in dem Beitrag weiter.

Als er am Sonntag, dem 10. September aufwachte, rollten bereits die ersten amerikanischen Panzer von Longwy aus Richtung Luxemburg. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich diese Nachricht auch in der Minettemetropole, wo sich die Bevölkerung aber noch ein wenig gedulden musste, um ihre Befreier in Empfang zu nehmen.
Erst am Montag kamen die ersten GIs nach Esch und wurden gebührend willkommen geheißen, wie auf unserem Archivbild zu sehen ist. Wobei George R. Brooking längst da war – wenn auch unfreiwillig.

Kommentieren Sie den Artikel


Please enter your comment!
Please enter your name here