Einen Tag nach der Wahl in Schweden ist völlig offen, wer das skandinavische Land künftig regieren kann. Die beiden traditionellen Blöcke, Rot-Grün und Liberal-Konservative, liegen Kopf an Kopf. Der Wahlerfolg der rechtspopulistischen Schwedendemokraten macht zudem selbst die Bildung einer klassischen Minderheitsregierung schwierig.

Die Schwedendemokraten fuhren das beste Ergebnis ihrer Geschichte ein. Sie wurden zwar wie 2014 nur drittstärkste Kraft, gewannen aber 4,7 Punkte auf 17,6 Prozent hinzu und könnten im neuen Reichstag eine mächtige Stellung einnehmen. Denn beide “großen” Parteien schrumpften in der Wählergunst. Die Sozialdemokraten verzeichneten das schlechteste Ergebnis seit mehr als 100 Jahren und verloren nach vorläufigen Zahlen fast drei Prozentpunkte auf 28,4 Prozent. Aber auch die führende Oppositionspartei, die konservativen Moderaten, verlor 3,4 Punkte und kommt nur noch auf 19,8 Prozent.

Beide traditionelle Parteiblöcke trennen nur ein Mandat und weniger als 0,5 Prozentpunkte. Nun könnten sogar Briefwahlstimmen aus dem Ausland entscheiden, wer am Ende die Nase vorn hat. Die Wahlbeteiligung stieg um 1,1 Prozentpunkte auf 84,4 Prozent.

Noch immer nicht alle Stimmen ausgezählt

Am Montag waren noch immer nicht alle Stimmen ausgezählt. Es fehlten unter anderem mehrere zehntausend Wahlbriefe, die Schweden in Wahllokalen im Ausland abgegeben hatten. Diese und spät eingeworfene Briefwahlstimmen sollen noch bis Mittwoch gezählt werden. Erst dann wird wohl feststehen, welcher Block die Wahl knapp für sich entschieden hat.

Bislang hat das rot-grüne Lager mit Sozialdemokraten, Grünen und der sozialistischen Linkspartei hauchdünn die Nase vorn. Die Grünen nahmen dabei mit 4,3 Prozent (minus 2,4 Punkte) nur knapp die Vier-Prozent-Hürde. Die Linkspartei dagegen gewann 2,2 Punkte auf 7,9 Prozent.

Im Vier-Parteien-Lager der liberal-konservativen “Allianz” gewann die liberale Zentrumspartei 2,5 Punkte und landete bei vorläufig 8,6 Prozent. Sie konnte damit ihr Gewicht gegen die Moderaten stärken.

Entscheidung am 24. September

Nun stellt sich die Frage, wie die klassischen Parteien mit den Schwedendemokraten umgehen. Die zählen zwar klar zu den Wahlsiegern, enttäuschten aber dennoch die Erwartungen: Die großen Umfrageinstitute hatten sie vor der Wahl mindestens als zweitstärkste Kraft gesehen, teils wurden ihnen mehr als 20 Prozent vorhergesagt.

Welche Partei den Auftrag zur Regierungsbildung bekommt, entscheiden Reichstag und Reichstagspräsident erst am 24. September. Bis dahin wird sondiert. Mit ihrem starken Ergebnis verhindern die Schwedendemokraten allerdings jede Regierungsmehrheit für einen der großen Blöcke.

Eine Koalition oder auch nur Zusammenarbeit mit den Rechtspopulisten schließen die großen Parteien bislang aus. Eine stabile Regierung können sie dann aber nur bilden, wenn sich die traditionellen Blöcke auflösen und zusammenarbeiten. Mehrere prominente Sozialdemokraten, darunter Regierungschef Stefan Löfven, forderten dies bereits am Sonntagabend. Liberal-konservative Politiker dagegen verlangten Löfvens Rücktritt. Das wies der Regierungschef noch in der Wahlnacht zurück.

3 Kommentare

  1. man darf sich nicht wundern über den erfolg der sogenannten Rechtspopulisten denn wenn man die sorgen der einfachen Mitbürger nicht ernst nimmt dann nehmen die eben rache am wahltag denn auch in schweden gibt es leider zunehmend Menschen die am Monatsende schwierigkeiten haben über die runden zu kommen die glorreichen zeiten der schwedischen Sozialdemokratie sind zu ende weil sie sich nicht mehr für die berechtigten sorgen und damit verbundenen Angste der einfachen Menschen interessieren schade

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