Seit über zehn Jahren touren De Läb mit ihren gesellschaftskritischen Texten und rauen Beats durch Luxemburg. Am Freitag feiert die Hip-Hop-Band mit einem großen Konzert in der Rockhal. Wir haben uns mit David Galassi, einem der beiden Gründer von De Läb, über Papa-Rap, den luxemburgischen Akzent und Smartphones bei Konzerten unterhalten.

De Läb mischt nun seit über zehn Jahren mit. In euren Anfangszeiten habt ihr eure Alben selbst gebrannt. Heute spielt ihr vor vielen Fans und ihr seid fester Bestandteil der luxemburgischen Musikszene. Ist De Läb Mainstream geworden? 

Mainstream ist ein Wort, das in Luxemburg ziemlich gewagt ist. Wir haben einen ganz kleinen Musikmarkt, wenn wir überhaupt einen Musikmarkt haben. Es ist fast unmöglich von seiner Musik zu leben. Auch Fans ist ein großes Wort. Jeder kennt jeden. Du könntest mein Cousin sein! Wir hatten das Glück mal mehr, mal weniger Publikum zu haben. Wir freuen uns aber über unsere Entwicklung in Luxemburg. Die Leute haben das möglich gemacht.

De Läb hat immer Musik auf Luxemburgisch gemacht. Gab es nie den Anspruch, den Sprung über die Grenze zu schaffen?

Als wir anfingen, war es uns wichtig, eine Sprache zu benutzen, die wir beherrschen. Es gab schon immer Künstler hierzulande, die auf Deutsch gerappt haben und hofften, auch im Ausland erfolgreich zu sein. Die hatten dann diesen ekligen Akzent. Wir wissen alle, wie das klingt, wenn jemand Deutsch mit luxemburgischem Akzent spricht (lacht). Das hätte uns nicht gefallen. Bei uns war klar: Wir rappen in unserer Muttersprache. Heute ist das anders. Ein Deutscher rappt mit türkischem Akzent und nennt es einfach Kanackenrap. Vielleicht hätten wir es anders gemacht, wenn wir jetzt angefangen hätten.

Wenn ihr in der heutigen Musikszene anfangen würdet, hättet ihr dann den gleichen Erfolg? 

Hm, keine Ahnung. Vielleicht nicht. Es hängt immer davon ab, was die Zeit verlangt und worauf die Leute Lust haben. Als wir damals in der Szene ankamen, gab es einen Mangel an luxemburgischer Sprache in der Musik. Hip-Hop hatte auch den Stereotyp des Gangsterrappers. Das kam nicht so gut an. Es gab diese ganz harten Rapper in Luxemburg, die über ein Ghetto gesungen haben, das es nie gab (lacht). Wir haben uns nie so ernst genommen, sondern einfach Musik gemacht, weil uns das Spaß gemacht hat. Und das kam gut an. Die Leute konnten sich mit unseren Texten identifizieren.

Identität ist ein gutes Stichwort. Ihr wart schon immer eine eher politisierte Band, die über die Gesellschaft rappt. Welchen Einfluss haben die politischen Entwicklungen auf eure Musik? Zum Beispiel das Wiederaufkeimen von rechten Ideologien.

Wir haben schon immer die Gesellschaft durch den Kakao gezogen. Das war nie aggressiv, sondern eher ironisch, sarkastisch. Aber wir haben immer auf unsere Art und Weise rebelliert. Was uns jetzt auffällt: Die Sachen, über die wir damals gesungen haben, sind heute immer noch aktuell. Wir haben schon immer über Nazis und Rechte gesungen. Klar, früher hatten die Leute auch ihre Probleme, ich habe aber das Gefühl, dass alles immer krasser wird. Wer hätte gedacht, dass man heute mehr vor sozialen Netzwerken sitzt als vor einer echten Person.

Welche Auswirkungen hat das?

Auf die Musikszene hat das riesige Auswirkungen. Die Leute kommen immer weniger auf Konzerte und isolieren sich immer mehr. Wenn sie da sind, stehen sie nur rum, filmen und genießen das Konzert überhaupt nicht. Außerdem rückt die Musik in den Hintergrund. Du musst durch Image oder irgendwelche Dummheiten die Aufmerksamkeit auf dich ziehen. Erst dann hören Leute deine Musik. Das finde ich schade.

Aber helfen soziale Netzwerke nicht, die Musik zu verbreiten?

Na klar! Wir hatten ganz lange keine Facebook-Seite. Wir haben einen großen Bogen darum gemacht. Es lag möglicherweise daran, dass wir nicht die Besten darin waren, uns online zu vermarkten (lacht).

Du hast vorhin gesagt, dass ihr immer auf eure Weise rebelliert habt. Geht das überhaupt noch nach zehn Jahren?

Unser Privat- und Berufsleben hat sich schon verändert. Wir sitzen nicht mehr den ganzen Tag im Läb-Keller und denken den ganzen Tag über die Gesellschaft nach. Natürlich denken wir noch immer viel über die Gesellschaft nach, aber wir sehen sie mit anderen Augen. Wir gehen die Sachen mittlerweile mit einer gewissen Reife an.

Das heißt ihr macht jetzt Papa-Rap?

Ja, vielleicht. Das geht zwar ein bisschen weit, aber wir sind entspannter geworden. Trotzdem haben wir noch immer etwas zu sagen und ziehen die Leute durch den Kakao, wenn es sein muss. Wir sind halt einfach reifer geworden.

Wie geht es jetzt weiter mit De Läb?

Wir haben nach zehn Jahren einen Meilenstein erreicht. Nach dem Konzert gehen wir das Ganze langsamer an, ohne Druck und Stress. Wenn wir jetzt zehn Jahre für ein Album brauchen, brauchen wir eben zehn Jahre. Wir haben mittlerweile in fast jedem Saal im Land gespielt. Aber der Spaß ist noch immer da und solange der da ist, werden wir weitermachen.

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