Im Sommer wechselte Yann Hoffmann, eines der größten Luxemburger Talente, von den Differdinger Red Boys zu MTV Braunschweig in die dritte deutsche Bundesliga, um dort sein Glück als Handballprofi zu versuchen. Am vergangenen Wochenende wurde bekannt, dass der Rückraumspieler das Abenteuer abbrechen und zu seinem Heimatverein zurückkehren wird, wo er einen Profivertrag über zweieinhalb Jahre unterschrieben hat.

Tageblatt: Warum dieser plötzliche Wechsel?
Yann Hoffmann: Die Red Boys sind an mich herangetreten und in dem Moment hat es mich gereizt, meinem Verein in der Meisterschaft in Luxemburg helfen zu können. Und da die Differdinger mit dem MTV eine für alle Parteien zufriedenstellende Einigung finden konnten, habe ich mich zu diesem Schritt entschlossen.

Ist das Leben als Handballprofi nicht so verlaufen, wie du dir es erträumt hattest?
Ich bin in dem neuen Verein hervorragend aufgenommen worden und sportlich gab es keine Probleme. Ich habe genügend Spielanteile bekommen und mit meinen Leistungen waren die Vereinsverantwortlichen auch zufrieden. Während es sportlich gut lief, war das in der Freizeit doch etwas anders. Es war ungewohnt und schwierig, auf sich allein gestellt zu sein. Hier war ich es gewohnt, mit Freunden etwas zu unternehmen. In Braunschweig war ich viel allein, was schwierig zu verkraften war.

Nach einem guten Start in die Meisterschaft hatte Braunschweig in letzter Zeit mit vier Niederlagen in Folge einen Durchhänger. Hat dies deine Entscheidung beeinflusst?
Nein, keineswegs. Wir hatten einen über Erwarten guten Start in die Saison hingelegt. Dass es zum Schluss nicht mehr so gut lief, lag zum einen daran, dass wir gegen die schwächeren Gegner am Anfang spielten und die Verletzungen einiger Leistungsträger uns doch merklich schwächten. Trotzdem lagen wir total im Soll, was uns auch von den Vereinsverantwortlichen bestätigt wurde.

Wie hat der MTV auf deinen Schritt reagiert?
Sie waren schon ein bisschen enttäuscht, da es mitten in der Meisterschaft schwierig ist, den Verlust zu kompensieren. Doch sie respektieren meine Entscheidung und verstehen meine Lage, was sie dann auch in den Verhandlungen mit den Red Boys bewiesen haben. Deshalb konnte gemeinsam eine Lösung zu meiner Vertragsauflösung gefunden werden. Braunschweig hat sich immer sehr korrekt mir gegenüber verhalten, wofür ich äußerst dankbar bin.

Wie schätzt du das Niveau der dritten deutschen Liga gegenüber der nationalen Meisterschaft ein?
Der Handball hat in Deutschland einen ganz anderen Stellenwert als hierzulande. Das merkt man am Medieninteresse und auch an den Zuschauerzahlen. In der dritten Liga spielten wir immer vor über 1.000 Fans und die Unterstützung des Publikums war intensiver. Trotzdem könnten unsere Spitzenvereine in dieser Liga mithalten.
Der Unterschied ist die Ausgeglichenheit. In der Nationaldivision haben nur fünf oder sechs Vereine das gleiche Niveau. In der dritten Liga kann von den 14 Vereinen jeder jeden schlagen. Jeder Spieltag ist eine neue Herausforderung und das macht das Ganze so interessant.

Du bist nun zurück zu deinen Wurzeln gekommen, was sind deine sportlichen Ziele?
Natürlich haben der Verein und auch ich persönlich ganz anspruchsvolle Ziele. Da wir den Pokal abhaken können, bleibt natürlich der Gewinn der Meisterschale das angestrebte Ziel. Persönlich hoffe ich auch auf ein Weiterkommen im Challenge Cup. Gegen die russische Spitzenmannschaft müssen wir versuchen, das Hinspiel so zu gestalten, dass wir im Rückspiel in Differdingen ein Weiterkommen schaffen können. Käerjeng wäre das gegen einen ähnlichen Gegner ja fast gelungen.

Ich bin mir bewusst, dass ich manchmal nicht der Einfachste bin und mein Temperament mit mir durchgeht. Und wenn der Trainer mich kritisiert hat, dann war das sicherlich berechtigt.

Kommen wir zur Nationalmannschaft. Wie hast du die letzte Kampagne erlebt?
Es war von Anfang an klar, dass es in dieser schwierigen Gruppe nicht einfach für uns werden würde. Gegen Finnland haben wir es im Heimspiel leider verpasst, den fast schon sicheren Sieg einzufahren. Dann im Rückspiel hat der zentrale Mittelblock in der Schlussphase nicht so funktioniert, wie das zum Beispiel gegen Russland der Fall war. Trotzdem behaupte ich, dass wir eine ganz anständige Vorstellung abgeliefert haben. Nur das Hinspiel in der Slowakei haben wir in den Sand gesetzt. Doch dafür haben wir uns im letzten Gruppenspiel am Sonntag revanchiert.

Dir wurde mangelnde Disziplin vorgeworfen. Wie siehst du das?
Ich bin mir bewusst, dass ich manchmal nicht der Einfachste bin und mein Temperament mit mir durchgeht. Und wenn der Trainer mich kritisiert hat, dann war das sicherlich berechtigt. Damit habe ich kein Problem, denn das ist sein Job und das tut er sicherlich, um mir in meiner sportlichen Entwicklung weiterzuhelfen. Und es hatte geholfen, denn als er mir wieder Vertrauen schenkte, konnte ich in den beiden letzten Partien beweisen, dass ich lernfähig bin und der Mannschaft helfen kann.

Zum Abschluss, ist das Thema Handballprofi im Ausland jetzt definitiv ad acta gelegt?
Nun werde ich versuchen, hierzulande wieder Fuß zu fassen und mein Bestes für meine Mannschaft zu geben. Man soll jedoch niemals nie sagen. Sollte das richtige Angebot von einem interessanten Verein kommen, könnte es mich nochmal reizen.

Fernand Schott

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