Luxemburg hat den Rohstoff Holz neu entdeckt. So wurde vor zwei Jahren der Wood Cluster, eine Art Innovations-Cluster für den Bereich Holzproduktion und -verarbeitung, geschaffen. Nun ist dieser Sektor im Umbruch.

Als der verstorbene Staatssekretär Camille Gira gegen Ende des Jahres 2016 den Wood Cluster vorgestellt hatte, sprach er über den Wald. Der Waldboden filtere Regenwasser zu Trinkwasser. Bäume produzieren die Luft zum Atmen, indem sie CO2 umwandeln. Er erinnerte zudem an die 5.000 Tier- und Pflanzenarten, denen der Wald ein Zuhause bietet. Er wies aber auch auf die Tatsache hin, dass im Großherzogtum jedes Jahr mehr Holz nachwächst, als genutzt wird. Ein Ausbau der Holzwirtschaft könnte einen neuen grünen Sektor schaffen.

Zwei Jahre später wurde im Wood-Cluster-Forum nicht mehr über Bäume und Wälder gesprochen, dafür umso mehr über das Holz und über alles, was aus diesem Rohstoff hergestellt werden kann. „Ich freue mich zu sehen, dass die Entwicklung, die Camille angestoßen hat, heute Resultate bringt“, sagte Energieminister Claude Turmes. „Et ass Beweegung do“, meinte Umweltministerin Carole Dieschbourg.

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In den vergangenen zwei Jahren wurde das Potenzial des einheimischen Holzes untersucht. Eine Anwendungsmöglichkeit mit viel Potenzial sieht das Cluster in der Anwendung von Holz im Bau. Im Gegensatz zu Stahl und Beton ist der Einsatz von Holz für den Bau von Immobilien fast klimaneutral. „Holz bindet CO2“, sagte die Umweltministerin. Solange das Haus steht, ist das Kohlenstoffdioxid, das der Baum beim Wachstum aus der Atmosphäre absorbiert hatte, gebunden. Bei Beton und Stahl sieht die Umweltbilanz ganz anders aus. „Zwischen den Jahren 2013 und 2016 betrug die Holzbauquote sieben Prozent“, sagte Philippe Genot, der Cluster Manager. Sein Ziel ist es, bis zum Jahr 2021 dafür zu sorgen, dass jedes zehnte neugebaute Haus aus Holz bestehen wird. „Bauen mit Holz macht Sinn“, meinte die Ministerin. In Zukunft werde es Prämien geben, wenn sich der Bauherr für diesen Baustoff entscheidet.

Pierre Goetschy von Prefalux sprach über die Erfahrungen seines Unternehmens mit dem Bau von Gebäuden aus Buchenholz, der in Luxemburg vorherrschenden Baumart. Bei der Fertigbauweise können Träger aus Buchenholz solche aus Stahl ersetzen und der Raum dazwischen von Bauplatten aus Buchenholz ausgefüllt werden. „Es lässt sich so einfach wie Lego-Bausteine zusammensetzen“, so Goetschy. So lassen sich auch mehrere Stockwerke in relativ kurzer Zeit bauen. Der Unterschied zu den bisherigen Hölzern wäre schon am Gewicht deutlich spürbar. „Für die statischen Ingenieure waren die Träger wie ein neues Spielzeug“, so Goetschy. Die Baubuche habe sich als äußerst stabiler Werkstoff herausgestellt, selbst ein ArcelorMittal-Ingenieur habe sich beeindruckt gezeigt. Der größte Nachteil sei die Nässeempfindlichkeit des Materials, dies spiele jedoch nur eine Rolle beim Bau. Es gilt, die Träger gut vor Regen zu schützen.

Nässeempfindlichkeit

Gute Erfahrungen mit Baubuchen hatte auch Jos Bollendorf von SGI-Ingenieurs, ein Co-Kreator von drei mehrstöckigen Holzbauprojekten auf Kirchberg, gemacht. 100 Jahre würden die Gebäude halten – „wenn man will, auch viel länger“. Beim Bau werde auch darauf geachtet, dass das Material eines Tages wiederverwendet werden kann. Zu was in 100 Jahren die Träger und Platten genutzt werden können, ließ er offen.

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Im Gegensatz zu Stahl nimmt die Qualität des Holzes bei jeder Stufe der Kaskadennutzung ab, bis es sich nur noch für die energetische Endnutzung eignet. Die Holzhäuser können, wenn die Bewohner erst mal eingezogen sind, auch mit dem Rohstoff beheizt werden. „Die Hälfte der Gebäude auf Kirchberg wird mit Holz beheizt“, so Genot. „Das wissen viele nicht.“ 76 GWh an Hitze und 22 GWh Strom entstehen so pro Jahr auf Kirchberg. „Holz verbrennen ist nicht die erste Wahl“, sagte Claude Turmes. Als Resteverwertung sei die energetische Nutzung okay.

Ehe das Holz aber im Ofen landet, soll es am besten anderwertig genutzt werden, etwa als Grundstoff für Spanplatten. 750.000 m3 Holz wachsen jedes Jahr in Luxemburg nach. Aktuell werden 500.000 m3 entnommen. Es gilt nun, dieses Potenzial zu nutzen. Endloses Wachstumspotenzial hat dieser Sektor jedoch nicht: „Wir dürfen diese Ressource nicht überbenutzen“, meinte die Umweltministerin. Beim Holz solle nicht das geschehen, was in der Landwirtschaft passierte: „Wir dürfen den Druck auf die Biodiversität nicht vergessen“, so die Ministerin.

1 Kommentar

  1. “Der größte Nachteil sei die Nässeempfindlichkeit des Materials”

    Während das Eisen rostet. Kesseldruckimprägnierte Teile für die Risikobereiche verwenden und fertig ist’s.

    Ich wohn seit 30 Jahren in einem Holzhaus.

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