Kürzlich haben wir die Finanzen in der BGL Ligue beleuchtet. Die Zahl der Profispieler und die Höhe der Vereinsbudgets in der BGL Ligue steigen ständig. FLF-Präsident Paul Philipp spricht sich im Tageblatt-Interview – genau wie die Klubverantwortlichen – gegen eine Teil-Professionalisierung der einheimischen Liga aus.

Von Dan Elvinger

Tageblatt: 70 bis 80 Fußballer verdienen in Luxemburg ihr Geld ausschließlich mit Sport. Überrascht sie diese Zahl?
Paul Philipp: Nein, sie überrascht und schockiert mich nicht. Die meisten dieser 70 bis 80 Spieler stehen bei vier bis fünf Vereinen unter Vertrag. Eines liegt mir jedoch auf dem Magen. Auch wenn man sein Gehalt nur durch Fußball bezieht, ist man noch lange kein Profispieler. Eine österreichische Studie hat kürzlich ergeben, dass 80 Prozent der Profispieler, die nicht auf Topniveau agieren, riskieren zu Sozialfällen zu werden. Sie gehen nämlich bis zu einem bestimmten Lebensjahr keiner anderen Arbeit nach. Wenn man hierzulande ein paar Jahre lang 4.000 bis 7.000 Euro brutto verdient, reicht das nicht einmal, um sich eine Garage zu kaufen, geschweige denn, um sich etwas für die Zukunft aufzubauen. Die meisten Fußballer werden nach ihrer aktiven Zeit keine Karriere als Direktor einschlagen – da sollte man realistisch sein.

Wird durch die Profikicker das Niveau der BGL Ligue gesteigert?
In den letzten Jahren hat sich die Meisterschaft sportlich ständig weiterentwickelt – das ist nicht von der Hand zu weisen. Auf der anderen Seite ist keiner der Profispieler aus dem Ausland in seiner Zeit in Luxemburg besser geworden, weil einfach das Umfeld nicht vorhanden ist, um sich zu verbessern.

Liegt es bei dieser Summe an professionellen Spielern nicht auf der Hand, an eine Teil-Professionalisierung zu denken?
Wir sind kein Markt, wir sind ein Dorf. Wir sollten und werden nicht ins Profitum übergehen. Dafür besteht einfach nicht das richtige Umfeld. Ich verstehe nicht, warum es diese Diskussion überhaupt gibt. Die Einnahmen der Vereine kommen zu großen Teilen von einzelnen Mäzenen. TV-Gelder oder große Zuschauereinnahmen gibt es hierzulande nicht. Viele Vereine hängen von einer Person ab. Das will aber nicht bedeuten, dass wir nicht professioneller arbeiten können. Ich kenne viele Sportler, die einem anderen Job nachgehen und trotzdem sehr gewissenhaft arbeiten.

Gibt es Überlegungen, den Vereinen Vorgaben in puncto Infrastruktur oder Finanzen zu machen?
Das ist utopisch und das wollen wir als Verband nicht. Damit würden wir acht bis zehn Vereine aus der BGL Ligue in den Ruin treiben. Belgien ist das beste Beispiel. Wegen der Auflagen will keiner in die 2. Liga aufsteigen. Virton wurde gezwungen, das Stadion zu renovieren und steht jetzt vor dem finanziellen Aus. Belgien ist aber auch in einer anderen Hinsicht ein gutes Beispiel für uns. Ihre besten Spieler stehen bei ausländischen Vereinen unter Vertrag. Das sollte auch unser Weg sein.

LFL-Präsident Romain Schumacher fordert den Verband auf, Kurse für Vereins-Administratoren anzubieten. Wie stehen Sie dazu?
Wenn das gewünscht wird, können wir das machen. Den Vereinen wird aber bereits heute unter die Arme gegriffen. Vor allem beim Lizenzierungsverfahren der UEFA stehen wir den Klubs mit Rat und Tat zur Seite. Außerdem wird in den Klubs nicht mehr gearbeitet wie vor 30 Jahren. Auch dort hat man sich modernisiert. Wichtig ist, dass man einen Plan hat. Keinen kurzfristigen, sondern einen mittelfristigen. Die nächsten fünf bis zehn Jahre sollten gesichert sein und der Verein sollte nicht auf die Einnahmen aus dem Europapokal angewiesen sein. ‘Et ass einfach, e Lautsprecher ze sinn, wann een eng Buedbidde voller Geld hannert sech stoen huet.’“

Bei Millionenbudgets steigt die Verantwortung der freiwilligen Helfer. Wie kann man dagegen vorgehen?
In dieser Hinsicht können wir nichts unternehmen, das müssen die Vereine tun. Bei den Klubs mit den ganz großen Budgets stellen sowieso einzelne Personen das Geld. Dieses wird oft von Vertrauenspersonen verwaltet.

In der BGL Ligue gibt es nur drei hauptamtliche Profitrainer. Beim Verband fünf. Ist das nicht zu wenig?
In der Tat sollte man in diesem Bereich als Allererstes die Hebel ansetzen. Vor allem im Jugendbereich sind qualifizierte Trainer wichtig. Aber auch hier braucht man einen Plan, Geduld und ein gewisses Budget.

 

4 Kommentare

    • Salut un den Pompier Sam.
      Hien ass pensionneiert weis du jo bestemmt wees.
      An der FLF schafft hien ewei seng Kollegen aus dem Verwaltungsrot op BENEVOLER-BASIS, daat heescht fir naischt..
      Ausser Kilometergeld an daat leit bei: 0, 32.- den Km, ewei bei all aner Member aus irgend enger Kommissioun vun der FLF och.
      Hoffen mat deser Aentwert gedingt ze hun.

      Een deen et wees.

  1. 4000 bis 7000 Bruto nët genuch fir sëch hei am land eppes op ze bauen?
    Wei mëcht dann deen ët, deen den Onqualifizeierten oder och nach den Qualifizeierten Mindesloun kritt?
    Daat sën nach laang keng 4000 € brutto, nämlëch deemno wei, just d’Halschent!

  2. ” Wenn man hierzulande ein paar Jahre lang 4.000 bis 7.000 Euro brutto verdient, reicht das nicht einmal, um sich eine Garage zu kaufen, geschweige denn, um sich etwas für die Zukunft aufzubauen. ”
    KEEN kann dat net, no e puer Joer, och net mat 8 oder 10 000 € brutto. D’BGL-Ligue kéint jo jidderengem ee Spuerkont opmaachen wou obligatoresch 600 oder 1000 € blockéiert gin. Déi meescht Leit mussen laang spueren, fir déi 30 % Eegekapital ze hun ier se dé Wunnraum kënne kaafen dén se brauchen. An dat dauert meeschtens 12- 16 Joer.
    Wien kee Beruff huet deen him no der carrière (déi jo gesondhétlech bedéngt séier kann eriwer sin – voir Kim Kirchen -) sollt do op jiddefalls matmaachen…oder selwer sou eng Initiativ längst geholl hun.

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