Zur Freude vieler mussten die Grills samt Gartenmöbeln im September noch nicht gleich weggeräumt werden, dieses Jahr zog sich der Spätsommer nämlich noch bis Mitte Oktober. Und auch im November lässt sich der Winter noch nicht so richtig blicken. Luxemburg scheint sich mit einem langen, milden Herbst zufriedengeben zu müssen.

Von Lisa Rock

In den vergangenen Jahren mussten die kurzen Hosen Mitte September weggepackt werden und die Ausflüge zum Stausee oder zum Baggerweiher fielen buchstäblich ins Wasser. Dieses Jahr hätte man jedoch Ende September noch ohne Probleme in die Badehose schlüpfen und seine Runden im Freibad schwimmen können. Der Sommer wollte sich einfach nicht verabschieden und weigerte sich, dem Herbst Platz zu machen.

Trotz einigen kälteren, düsteren Tagen Ende Oktober bis Anfang November, an denen man hätte meinen können, dass der Winter sich jetzt doch so langsam anschleichen würde, fiel der Herbst bis jetzt größtenteils sonnig und freundlich aus. Am 13. Oktober waren die Temperaturen sogar noch mal bis auf 24,5 Grad Celsius gestiegen. So ist es nicht verwunderlich, dass die Durchschnittstemperatur des Monats Oktober 2,3 Grad über dem Durchschnitt lag (9,5 Grad, gemessen von 1981 bis 2010).

Ende Oktober wurde es von einem Tag auf den anderen etwas kühler. Am 30. Oktober lag die Minimaltemperatur bei 0,1 Grad Celsius. An diesem Tag fiel in einigen Regionen des Landes sogar der erste Schnee, was ziemlich ungewöhnlich für den zehnten Monat des Jahres ist. Während der letzten Jahre fiel der erste Schnee allgemein erst im November. Da es sich wiederum eher um Schneeregen als um richtige, große Schneeflocken handelte, wurden die Straßen, Häuser und Felder Luxemburgs nicht in eine weiße Decke gehüllt. Auch war der Untergrund noch zu warm.

Dürre und klare Sicht

Der Monat, der sonst immer den Anfang des Herbstes und somit kältere und feuchtere Tage ankündigt, brachte dieses Jahr kaum Regen. In den letzten Jahren wurden an der Wetterstation Findel im Oktober durchschnittlich 86,9 Liter Niederschlag pro Quadratmeter gemessen. Dieses Jahr lagen die Werte bei 15,8 Litern – ein auffälliger Rückgang. Diese Niederschläge fielen größtenteils am Anfang und am Ende des Monats. Somit war der Oktober einer der trockensten Monate des Jahres 2018, das allgemein zu den niederschlagsärmsten seit Jahrzehnten zählt. Januar, Mai und Juni waren die einzigen Monate, in denen es etwas mehr geregnet hat als im Durchschnitt der vergangenen Jahre.

Statt der üblichen 41,7 Stunden Nebel, die normalerweise im Oktober zu erwarten sind, wurden dieses Jahr nur 2,8 Stunden Nebel im Großherzogtum gezählt. Nur fünf Tage lang musste sich die Sonne den Wolken geschlagen geben. Während des gesamten Monats wurden am Findel 172,6 Sonnenstunden registriert, was 66,8 Stunden mehr sind, als der Oktober sonst hergibt.

Weiße Weihnachten?

Aufgrund der Wetterbedingungen, die während der letzten Wochen herrschten, häufen sich Theorien, die besagen, dass dieser Winter vielleicht gar kein richtiger Winter wird. Zumindest was die Temperaturen und Schnee betrifft. Der junge Hobby-Meteorologe und Leiter der Internetseite “Météo Boulaide” Philippe Ernzer hat sich natürlich auch mit den kuriosen Wetterverhältnissen dieses Jahres beschäftigt. Auf Basis von Simulationen und Statistiken der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) kann er einige Vorhersagen treffen, was für ein Wetter uns die kommenden Wintermonate bringen werden. “Bei diesen Statistiken und Simulationen handelt es sich jedoch nur um Schätzungen und nicht um genaue Prognosen”, betont Ernzer. Allerdings waren die Schätzungen des NOAA für die letzten Monate zutreffend. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Simulationen auch weiter als richtig herausstellen, ist also relativ hoch.

Zwar hat es letztes Wochenende einige Schauer gegeben, doch laut NOAA soll es für den Rest des Novembers in unserem Teil Europas weitgehend trocken bleiben. Auch die Temperaturen sollen erneut höher sein als sonst und auch erhöht bleiben. Im Dezember soll es wieder etwas mehr regnen. Nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig, so die Prognosen. Von Schnee könne jedoch nicht wirklich die Rede sein, da die Temperaturen auch im Dezember laut den Vorhersage-Modellen überdurchschnittlich hoch bleiben dürften.

Viel Regen im Januar und im Februar

Im Januar und im Februar könnte sich dann zumindest das Problem des zu geringen Niederschlags entschärfen – es soll dann sehr oft regnen. Doch auch hier gehen die Modelle bloß von Regen und nicht von Schnee aus. Es soll also Ende 2018 und Anfang 2019 noch keine richtigen Wintertemperaturen geben – laut NOAA. Philippe Ernzer ist da allerdings anderer Meinung. Er glaubt daran, dass wir noch einen “echten” Winter erleben können, nur vielleicht mit potenziell überdurchschnittlich hohen Temperaturen: “Phasen mit winterlichem Wetter und Schnee sind zu erwarten, nur können diese immer wieder von zu warmen Wetterlagen unterbrochen werden”, erklärt der junge Meteorologe.

Den Kindern Luxemburgs ist also nur anzuraten, im Moment von den Laubhaufen zum Spielen zu profitieren. Einen Schneemann zu bauen, könnte für sie nämlich eine kleine Herausforderung werden.

Die Rolle des Jetstreams

Allgemein war es das ganze Jahr 2018 über in Europa zu warm und zu trocken. Dies liegt unter anderem daran, dass die Großwetterlage dieses Jahr oft die gleiche war und noch immer ist. Dass das so ist, haben wir dem Jetstream zu verdanken. Dieser ist ein Windstrom in gut acht bis zwölf Kilometern Höhe, der eine entscheidende Rolle im Wettergeschehen spielt. An den Jetstream sind sowohl Hoch- als auch Tiefdruckgebiete gekoppelt, was für einen stetigen Wechsel sorgt. So ist das Wetter demnach in der Regel ständig im Wandel. Dieses Jahr ist der Jetstream, der sich wellenartig über die Nord- wie die Südhalbkugel der Erde bewegt, jedoch langsamer unterwegs als sonst, sodass über eine lange Zeit die gleiche Großwetterlage über einer Region herrscht.

“Ein Beispiel dafür sind die vielen Überschwemmungen, mit denen Mittel- und Westeuropa im Mai und im Juni zu kämpfen hatten. Über Wochen war die Großwetterlage die gleiche und es hat immer wieder schwüle und warme Luft, Regenschauer und Gewitter gegeben, die aufgrund des schwachen Hochdrucks kaum von der Stelle kamen”, erläutert Ernzer.
Seitdem kam es öfters zu “blockierten Wetterlagen”, wie er sie gerne nennt. Das ganze Jahr über entstand immer wieder über dem Atlantik zwischen Amerika und Europa so eine Blockade. So hat es der Regen kaum noch bis zu uns geschafft – mit Dürre in weiten Teilen Europas als Folge. Zudem haben sich immer wieder warme Luftmassen aus dem Süden an den Jetstream “angekoppelt” und sind nach Europa transportiert worden. Vor allem im Juli war es dadurch zu überdurchschnittlich hohen Temperaturen gekommen.

Abschließend bekräftigt Philippe Ernzer noch, dass man sich derzeit nur nach den Voraussagen der Langzeitmodelle richten könne: “Niemand kann das Wetter einen Monat im Voraus genau vorhersagen, weder Mensch noch Computer. Alles, was einen Zeitraum von drei Tagen überschreitet, ist keine Prognose mehr, sondern eher eine Schätzung. Ob es mit dem Wetter tatsächlich so weitergeht, steht also noch in den Sternen.”

2 Kommentare

  1. “Ob es mit dem Wetter tatsächlich so weitergeht, steht also noch in den Sternen.” Anders ausgedrückt: Am Ende des ellenlangen Artikels sind wir genau so schlau als wie zuvor. War allerdings auch nicht anders zu erwarten. Das Wetter lässt sich nuin mal nicht in zuverlässige Modelle packen (anders als das Klima)

    • Man kann sich halt immer nur auf Modelle beziehen. Diese haben leider nie zu 100% recht und ändern ihre Meinungen oft innerhalb weniger Tage oder sogar Stunden. Das einzige, was die Wettervorhersagen von Dienst X von Dienst Y unterscheidet, ist die Interpretation. Jeder hat die gleichen Modelle zur Verfügung, jedoch werden diese, je nach Erfahrungen, bisher gemessenen Daten oder Vorgehensweise/Prinzip/System von den Herausgebern unterschiedlich an die Öffentlichkeit gebracht. Lägen die Modelle immer richtig, würde all die Wissenschaft rund um die Meteorologie keinen Sinn mehr ergeben. Es ist einfach faszinierend mitzuverfolgen, wie sich die Berechnungen von Lauf zu Lauf ändern und welche Konsequenzen dies jedes mal mit sich bringt. Der ganze Prozess dahinter ist spannender als jeder Krimi. 🙂

      Mit freundlichen Grüßen,
      Philippe

Kommentieren Sie den Artikel


Please enter your comment!
Please enter your name here