Von den Geschäftsleuten, die in der Tageblatt-Reihe über die Traditionshäuser der Stadt Luxemburg zu Wort kamen, hat niemand zu hohe Mieten als das größte Problem genannt. Dagegen brachte fast jeder seinen Unmut über die „Pecherten“ zum Ausdruck. Sie empfinden die Kontrollen in der „Zone bleue“ als übertrieben und nicht unternehmerfreundlich. Die Gemeindeverwaltung lässt keine Gelegenheit aus, zu beteuern, sie unterstütze die Geschäftsleute dort, wo es möglich sei.

Das sollte sie auch in diesem Fall, vor allem angesichts der Tatsache, dass, wie es scheint, der Spielraum nicht sehr groß ist. Der Rückgang des kleinen Einzelhandels scheint ein Übel zu sein, das als Begleitschaden der modernen Gesellschaft gesehen werden kann. In seinem Beitrag „Wie die Dienstleistungsgesellschaft die Städte in Luxemburg verändert hat“ schreibt Markus Hesse, Professor für Stadtforschung an der Uni Luxemburg, dass Bürogebäude, Gewerbegebiete, Einkaufszentren und Tankstellen lediglich die Konsequenz der Spezialisierung des Landes auf Finanzdienstleistungen sei. Dies und eine heutige Schlüsseltechnologie – das Internet – (das ebenfalls manchen Geschäften Probleme bereitet) trügen das Ihrige dazu bei, dass unsere Städte so aussehen, wie sie es heute tun. Dass die Hauptstadt zum Finanzzentrum wurde, war eine bewusste Entscheidung der Politik nach der Stahlkrise der 1970er-Jahre.

Eine der Schlussfolgerungen von Markus Hesse ist nicht gerade optimistisch: Die einseitige Orientierung am Büroraum, oft in Form von großen Vorhaben, gehe auf Kosten eines Städtebaus im kleinteiligen, „humanen“ Maßstab und ihrer Integration in bestehende Stadtstrukturen. Das könnte man so interpretieren, dass, wenn wir ein modernes Land wollen, wir uns dann von Kleinläden, die unsere Städte über hundert Jahre lang prägten, so langsam verabschieden müssen. Läden, die noch viele aus ihrer Kindheit kennen und zunehmend den großen Franchisegeschäften weichen, konnten sich jahrzehntelang in der Stadt halten, weil es erstens Kundschaft gab und zweitens keine oder wenig Konkurrenz auf der grünen Wiese vor der Stadt. Das Angebot an Geschäftsflächen scheint proportional zu den Einwohnern schneller zu wachsen. Als Kunde hat man das Gefühl, es herrsche ein Überangebot: Außer in einem Lebensmittelsupermarkt oder einer Kneipe muss man kaum lange auf Bedienung warten, weil ein Dutzend Kunden Schlange stehen.

„Es gibt noch eine Menge Platz für viele Kräne!“, kommentierte ein Tageblatt-Leser den erwähnten Artikel des Forschers. Der witzig gemeinte Beitrag nennt – gewollt oder ungewollt – das Kernproblem unserer Städte: den schwindenden freien Raum wegen der rasanten Entwicklung (symbolisiert durch die Kräne). „Quand l’immobilier va – tout va“, heißt es, doch es sieht so aus, als sei es ein Segen und ein Fluch zugleich für eine Stadt wie Luxemburg. Die Frage scheint also zu lauten: Wollen wir internationales Finanzzentrum oder eine schnuckelige Kleinstadt sein? Leider sieht es so aus, als ob sich die Politik in diesem Fall selbst zwischen Hammer und Amboss gesetzt hat.

11 Kommentare

  1. es geht nur noch um Geld wen interessieren denn die kleinen Unternehmer wenn die Besitzer von Immobilien ihre Objekte teuer verkaufen können um sich die Taschen voll zu machen, ein größeres Problem sind die leer stehenden Objekte die als Spekulation anlagen gesehen werden oder große Gebäude die sogenannten Erbengemeinschaften gehören die sich unter einander nicht einig werden weil einer dem anderen nicht das schwarze unter dem Fingernagel gönnt, es ist nur noch die GIER nach noch mehr Geld was die kleinen kaputt macht weil man sie bewußt in den Ruin treibt, in diesem Punkt hat sich unsere Regierung und auch die größeren Gemeinden nicht gerade mit Ruhm bekleckert auch da ist die GIER nach Gewerbesteuer größer als der Verstand., scheiß auf den Kleinunternehmer soll der doch schauen wie er klar kommt und seine Familie ernährt. Mir wird übel wenn ich sehe mit welcher Gewissenlosigkeit Existenzen vernichtet werden.

    • @Laird Glenmore: Zitat: Von den Geschäftsleuten (…) hat niemand zu hohe Mieten als das größte Problem genannt. Aber Sie haben natürlich Recht. Schuld an der Misere des Einzelhandels sind Regierung und Gemeinden. Warum auch treiben diese den Ausbau des schnellen Internet in Luxemburg derart schnell voran, dass man mittlerweile als Kunde, selbst aus der letzten Ecke des Landes , aus purer GIER heraus etwas am Arsch der Welt bestellen kann, nur weil es dort ein par Cent billiger ist als beim Händler um die Ecke.

      • hat niemand zu hohe Mieten als das größte Problem genannt
        Ich auch nicht, das Problem liegt wahrscheinlich daran das die Regierung und die Gemeinden schnell und viel Geld verdienen wollen ohne großen Einsatz.
        Dieses Phänomen sehe ich jeden Tag in Esch / Alzette.

  2. Die Geldgier unserer diversen Regierungen hat dazu geführt, dass wir, gemessen an den Wohnungspreisen (eine Wohnung braucht jeder, nicht jedoch unsinnige Dinge die man nachgeworfen bekommt) innerhalb der letzten vierzig Jahre viel ärmer geworden sind. Eine Mitschuld tragen all jene die dem Geld nicht wiederstehen können und Grundstücke oder Immobilien für immer mehr Geld an Immobilienhaie oder ausländische Millionäre verkaufen. Es wird wohl irgendwann so sein, dass reiche Ausländer die Immobilien kaufen, es an ihre eingeflogenen Landsleute vermieten und die Einheimischen sich dünn machen müssen …

  3. Kann nicht sein, in Luxemburg-Stadt kann man eine Kathedrale für 2500€ im JAHR mieten.

    Wenn Sie weniger Verkaufsfläche brauchen, einfache Kirchen sind für 1500-2000€ pro Jahr zu haben.

    • Super Idee im Sommer schön kühl und im Winter Heizkosten die einem den letzten Cent aus der Tasche ziehen und die anderen Nebenkosten sind wahrscheinlich auch nicht zu verachten.
      Ich hätte gerne eine kleine Kirche in Holland und/oder Frankreich werden Kirchen an Privatleute verkauft.

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