Kürzlich gaben Kulturministerin Sam Tanson („déi gréng“), Bürgermeisterin Lydie Polfer (DP) und Simone Beck, Vorsitzende der Luxemburger Unesco- Kommission, den Startschuss zu den 25-Jahr-Feiern des Eintrags von „Luxemburg, Altstadt und Festung“ in die Liste des Weltkulturerbes der Unesco. Die Bevölkerung wurde dabei aufgerufen, Projekte auf der Internetseite patrimoinemondial.lu einzureichen. Wir haben uns mit „Unesco Site Manager“ Robert L. Philippart unterhalten.

Tageblatt: Weshalb gibt es diesen Aufruf? Fehlt es an Ideen und eigenen Projekten?
Robert L. Philippart: Nein, ganz und gar nicht. Allein die Stadt Luxemburg hat zahlreiche Ideen und Initiativen ins Leben gerufen: Eröffnung eines Unesco Visitor Center, eine Fotoausstellung in Zusammenarbeit mit der Fotothek, eine Ausgabe zum Weltkulturerbe des Magazins Ons Stad, ein internationales Kolloquium der Organisation der „Villes du patrimoine mondial“ und die Einweihung mehrerer thematischer Stadttouren.
Der Aufruf geht von der Unesco selbst aus, denn Welterbe geht uns alle etwas an. Als Weltorganisation regt die Unesco so die partizipative Vorgehensweise an. Als Weltagentur für nachhaltigen Frieden und Entwicklung fördert sie das Zusammenleben aller Kulturen sowie den gegenseitigen Respekt für historische Wurzeln und das Kulturerbe. Deshalb kann es nur ein anspruchsvolles Jubiläumsprogramm werden, wenn sich alle daran beteiligen.

Das heißt, das Fest wird ein kunterbuntes unübersichtliches Durcheinander?
Nein, denn das Jubiläumsjahr ist zeitlich begrenzt: vom 17. Dezember 2019 bis zum 17. Dezember 2020. Das Datum gilt als Erinnerung an die Entscheidung, die für Luxemburg 2014 in Phuket getroffen wurde. Nur Projekte, die während dieses Zeitraums stattfinden, erhalten das Label „25 Jahre Lëtzebuerg Weltkulturerbe“.
Nutzer unserer Internetseite (www.patrimoinemondial.lu) erfahren, dass sich das Programm um fünf Achsen dreht. Der Bezug zu „Luxemburg, Altstadt und Festung“ muss erkennbar und das Projekt durchführbar sowie finanzierbar sein. Ein „Comité de sélection“ mit Vertretern der Stadt Luxemburg, der Luxemburger Unesco-Kommission, des Kulturministeriums und des Luxembourg City Tourist Office analysiert die Anfragen, um das Logo „25 Jahre Lëtzebuerg Weltkulturerbe“ zu vergeben.

Für welche Projekte kann die Anfrage gestellt werden?
Für geführte Stadtbesichtigungen, Vorträge, Buch- und Artikelveröffentlichungen, Kunstaufführungen, touristische und gastronomische Angebote, wissenschaftliche Studien sowie für die Entwicklung digitaler Apps zur Vermarktung des Weltkulturerbes kann die Anfrage zum Erhalt des Labels eingereicht werden.

Und wer kann mitmachen?
Gemeinden, Vereinigungen ohne Gewinnzweck, gemeinnützige Stiftungen, Aktionsgruppen, kommerzielle Veranstalter, Freunde des Kulturerbes oder der Unesco und ihrer unterschiedlichen Programme, aber auch Einzelpersonen, Schulen, öffentliche sowie private kulturelle Einrichtungen, Geschäftsunternehmen und touristische Akteure sind zur aktiven Beteiligung eingeladen. Die Projektträger müssen nicht aus Luxemburg-Stadt kommen. Die Werte der Unesco können überall im Land gefeiert werden, nur „Luxemburg, Altstadt und Festung“ sollte dabei ein sichtbarer Anlass sein.

Sie verleihen einfach nur ein Logo. Macht das Sinn?
Ein spezifisches Label zum Jubiläumsjahr für Luxemburg ist mehr als ein Nice-to-have-Logo. Es handelt sich hier nicht um ein Marketing-Logo, sondern um ein echtes Label, das die Qualität des Projektes nach bestimmten Kriterien anerkennt. Es schafft eine Familienkultur, ein Wirgefühl rund um das Weltkulturerbe „Luxemburg, Altstadt und Festung“ und zeugt vom Bewusstsein um unser Kulturerbe, von der Sorge für eine nachhaltige Entwicklung sowie vom direkten Bezug zur Gemeinschaft aller Völker im Hinblick auf eine Zukunft in Frieden, Toleranz, Respekt und internationaler Solidarität.

Welche Vorteile hat das Label?
Wer nun offiziell zu dieser Art Familie gehört, kann stolz sein Label auf gemeinnützigen, aber auch auf kommerziellen Produkten zeigen. Diese Gemeinschaft rund um das Label ist ein großes soziales Netz, das die unterschiedlichsten Akteure miteinander verbindet. Neue Kooperationen können entstehen, eine bessere Koordination der Projekte kann geleistet werden. Solidarisch hilft jeder jedem zum Erfolg bei seinen Projekten. Die Einbindung in die allgemeine Vermarktung des Jubiläumsjahres garantiert den Projektträgern hohe Sichtbarkeit.

Das Verleihen des Labels bedingt nicht zwingend eine automatische Bezuschussung. Entmutigt diese Einschränkung die interessierten Teilnehmer nicht?
Nicht jedes Projekt, das eingereicht wird und das Label erhält, benötigt einen finanziellen Zuschuss. Oftmals genügt eine strategische Vermarktung im Rahmen des Festprogramms. Der Hinweis auf die unterschiedlichen Arten finanzieller Unterstützung ist klar auf www.patrimoinemondial.lu gekennzeichnet. Entspricht ein Projekt den Anforderungen zur Bezuschussung, dann kann der Projektträger eine Anfrage beim Kulturministerium einreichen. Es geht aber auch um Verknüpfungen von Partnern und das Zusammenlegen verschiedener Projekthaushalte. Auch dies soll Kooperation unter den Akteuren fördern. Das Unesco Site Management hilft hierbei koordinierend, greift aber nicht den Entscheidungen des „Comité de sélection des projets à labéliser“ vor.

Abschließende Frage: Wie kann man sein Projekt einreichen?
Unsere Internetseite, die alle Informationen auf Französisch und Englisch anbietet, führt zum Einschreibeformular hin, das es auszufüllen gilt. Dieses kann auch im PDF-Format heruntergeladen und ans Unesco Site Management ins Kulturministerium eingereicht werden. Für eventuelle Fragen stehe ich selbst gerne zur Verfügung.

1 Kommentar

  1. “Als Weltagentur für nachhaltigen Frieden und Entwicklung fördert sie das Zusammenleben aller Kulturen sowie den gegenseitigen Respekt für historische Wurzeln und das Kulturerbe.” Und ….. ?

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