Eigentlich sollen Wahlplakate die Menschen über die Positionen der Parteien informieren. Diese Funktion erfüllen sie mittlerweile nicht mehr. Trotzdem sind sie noch immer ein wichtiger Bestandteil des Wahlkampfes. Ein Meinungsbeitrag.

Wer in Luxemburg von A nach B fährt, kommt seit diesem Wochenende nicht mehr um Etienne Schneiders Konterfei, den ominösen Plan der CSV und die luxemburgische Zukunft der DP herum. Die Wahlplakate sind da und der Wahlkampf ist damit offiziell eingeläutet. Wer sich noch nicht aus dem Haus getraut hat und seit Freitagmorgen mit seiner Nase in seinem Bildschirm steckt, kam trotzdem nicht daran vorbei. In den sozialen Medien profilierten sich die Politiker fleißig “bei der Arbeit”. Wer gewählt werden will, muss kleben. Und dabei am besten gesehen werden.

So zum Beispiel Premierminister Xavier Bettel. In einem kurzen Video ist zu sehen, wie er versucht, ein Poster an eine Tafel anzubringen. Genau wie Familienministerin und DP-Parteipräsidentin Corinne Cahen ist er zu klein, um an die oberen Ecken zu kommen. Das Video wurde in den sozialen Medien fast 20.000 Mal gesehen und die Kommentare drehten sich nicht um den Inhalt des Plakates, sondern darum, wie sympathisch der Premierminister doch wirkt.

Der eigentliche Sinn eines Plakates ist es, die Menschen auf etwas aufmerksam zu machen. Sei es ein Dorffest, ein Konzert oder eben eine politische Partei. Diese Funktion hat das Plakat vor allem im politischen Bereich mittlerweile durch die sozialen Medien verloren. Wer die Spitzenkandidaten und überhaupt die Kandidaten sind, ist schon lange bekannt. Auch die Slogans geistern schon einige Monate durch die sozialen Medien, wurden kommentiert und durchdiskutiert.

Trotzdem bewegt der Startschuss die Gemüter. Für einige Politiker wird der Akt sogar zur Schlammschlacht. In den sozialen Medien wird dem politischen Gegner vorgeworfen, mit seinem Plakat die Sicht der Autofahrer zu stören. Oder aber es werden Plakate einer anderen Partei einfach entfernt, damit man sein eigenes aufstellen kann. Schnurrbärte sind bisher (noch) keine gemeldet worden.

Für ordentlich Wirbel hat die ADR gesorgt. Ein Gleichheitszeichen, das wie die Farben der luxemburgischen Fahne aussehen sollte, war verkehrt herum. Statt rot-weiß-blau war die Flagge plötzlich blau-weiß-rot. Ein Umstand, den die Nutzer in den sozialen Medien ausgerechnet der Partei, die sich mit Sprachen- und Identitätsfragen profilieren will, nicht wirklich verzeihen wollten. Die Kritik entbrannte nicht, weil so viele Leute das Plakat gesehen hatten, sondern weil das Bild der Flagge sich wie ein Lauffeuer in den sozialen Medien verbreitete.

Die ganzen Diskussionen zeigen, dass die Plakate etwas Folkloristisches haben. Obwohl sie ihre eigentliche Funktion nicht mehr erfüllen, messen sowohl die Parteien als auch die Wähler ihnen noch eine bestimmte Bedeutung bei.

Sie sind auch eine Möglichkeit, den Wahlkampf, der sich bisher vor allem in der medialen und damit abstrakten Blase abspielte, in der Realität und in den Alltag vieler Menschen einbrechen zu lassen. Wer nun jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit und jeden Abend auf seinem Weg nach Hause an den Gesichtern der Politiker vorbeifährt, wird nicht so schnell vergessen, dass in einem Monat Parlamentswahlen stattfinden. Das wird möglicherweise den einen oder anderen dazu bewegen, sich mit diesen Menschen, die ihn tagaus, tagein anlächeln, auseinanderzusetzen.

9 Kommentare

  1. Manche dieser Riesendinger sind tatsächlich z.B. an Kreuzungen aufgestellt, wo sie wirklich gefährlich sind. Die Polizei sollte sich diese Stellen mal ansehen, bei ihren zahlreichen Patrouillenfahrten auf Einbrecherfang.

  2. Es gibt ganz klare Vorgaben in der ministeriellen Erlaubnis, wie und wo die Werbung der Parteien, aufgestellt oder angebracht werden kann.
    Die Strassenbauverwaltung hat die Aufgabe alle nicht konforme Werbung, umgehend kostenpflichtig zu entfernen. Die Verkehrssicherheit hat absoluten Vorrang.
    Dies sollte die ausländische Firma, welche die Werbung aufgestellt hat, allerdings wissen.

    Schade dass die Parteien nicht mehr über genügend motivierte Militanten verfügen, dies selbst zu erledigen.

  3. Ein Relikt aus dem letzten Jahrhundert, den Parteien fällt nichts Neues ein. Am schlimmsten, wir finanzieren diesen Zirkus auch noch, und leider fallen auch noch viele, zu viel auf diese Propaganda herein.

  4. @Grober JP: sie können das Programm durch ein mail an sekretariat@dei-lenk.lu oder einen Anruf unter 26202072 bestellen und es wird ihnen zugeschickt, online ist es unter http://2018.dei-lenk.lu zu finden.
    @Dany Lamesch: déi Lénk hat alles exklusiv mit seinen Militant*innen aufgestellt dieses Wochenende
    @Aender: wir treten immer bei den Verhandlungen zum Wahlkampfabkommen für reale Begrenzungen ein doch leider einigen sich die Parteien ohne uns immer auf hohe Zahlen an großflächigen Werbeflächen und setzen jetzt auch massig kleine Wegwerfplakate ein

    • Tja, leider viel Bling Bling und nix dahinter. Ich wünschte mir Programme in Papierform, vielleicht bin bin ich auch zu altmodisch. Anstatt an allen Ecken die Gesichter an die Wand zu kleben sollten die Parteien generell sich bemühen die Programme an die Bevölkerung zu senden. Was kostet eigentlich eine solche Klebekampagne?

  5. in einer Zeit der globalen Digitalisierung und wo wir uns im Weltall einkaufen, ist diese Art von Werbung tatsächlich überholt und reinster Folklor. Warum nicht gleich eine Art Kavalkade oder nationaler Politkorso sämtlicher Berwerber/innen, mit allem Drum und Dran organisieren? Das wäre eine heitere Abwechslung und eine allgemeine Volksbelustigung, ein richtiges Spektakel mit grossem Unterhaltungswert. Und dabei könnten die überflüssig gewordenen Plakatkleber mit der Büchse rumlaufen und Wahlspenden einsammeln.

  6. Wahlposteren sinn effektiv aus enger anerer Zeit . Visuell Vermüllung déi een net kann ofstellen ( waat een bei bei Radio an TV kann ). Do kritt een iwerdimensionnéiert Käpp präsentéiert, wou een keen Bezuch dozou huet, et keinten grad esou gutt Plakater sinn fir en SchneewittchenFilm ! An dann déi ganz Pabeierflut déi een ongewollt an ongefrot muss erdulden .

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