Am 15. Dezember 1968 standen sich in der Ehrenpromotion Ettelbrück und der damalige Leader Alliance Düdelingen gegenüber. Da das Spielfeld mit einer Schneedecke bedeckt war, entschieden die Vereinsverantwortlichen der Platzherren, die Partie mit einem roten Ball auszutragen. Vor 350 Zuschauern endete die Auseinandersetzung unter der Leitung von Herrn Zeimes durch einen Treffer von Spielertrainer Van Helvert und ein Düdelinger Eigentor mit 2:0 zugunsten der Etzella.

Von Lex Bruch

Roger Eich – damaliger Vizepräsident der Alliance und Mitglied im FLF-Zentralvorstand – roch den Braten, kannte die Statuten bestens und reichte Protest gegen die Wertung des Spiels ein. Nach Anhören des Schiedsrichters stellte das Verbandsgericht fest, dass ein anderer Protestgrund angegeben wurde als dem Schiedsrichter auf dem Platz mündlich gemeldet worden war (es sei nicht genug Luft im Ball gewesen). Das Verbandsgericht beschloss daraufhin in seiner Tagung vom 19.12.1968, den Protest der Alliance wegen Formfehlers zu verwerfen. Dies war aber nur die erste Etappe dieses beinahe bühnenreifen Spielchens. Denn der gewiefte Roger Eich ließ keineswegs locker und die Angelegenheit landete schließlich vor dem Berufungsgericht. Im offiziellen FLF-Bulletin vom 10.4.1967 lautete die genaue Satzung einst nämlich: „Bei Fußballspielen sind keine Bälle zulässig, die in den Farben eines der beiden Gegner gehalten sind. Als neutral und in allen Fällen zugelassen gelten die einfarbigen Bälle in Beige-Gelb (lederfarben) sowie die üblichen schwarz-weißen Bälle.“

Rot geht gar nicht!

Schon irgendwie sonderbar, denn schließlich waren bereits damals die Vereinsfarben der Jeunesse Esch, der Bonneweger Aris, von Stade Düdelingen und Wasserbillig ebenfalls Schwarz-Weiß. Fakt war, dass dem Gesuch der Düdelinger stattgegeben wurde. Einen Spieltag später musste die Etzella übrigens gegen die schwarz-weißen Wasserbilliger ran und diese Partie verlief zumindest statutenmäßig korrekt, nämlich mit schwarz-weißem Ball.

Die Partie wurde neu angesetzt, aber erst über drei Monate später, am 23. März 1969, ausgetragen. Schiedsrichter war Jacques Colling. Die beiden Punkte blieben nichtsdestotrotz in Ettelbrück, da die Etzella vor 870 Besuchern mit 3:0 siegte. Leon Scheer traf einmal ins Schwarze und Etzellas Torjäger vom Dienst John Grettnich steuerte zwei Treffer bei. „Wir haben das Urteil der Neuansetzung locker zur Kenntnis genommen und freuten uns dann regelrecht auf die Wiederholung. Zu Recht, denn wir wurden ja gleich doppelt belohnt. Einerseits gingen wir erneut als Sieger vom Platz und andererseits war Zahltag, denn zu diesem Ehrenpromotionsspiel kamen immerhin rund 1.000 Schaulustige“, so Grettnich. „Die Alliance-Spieler vermittelten uns allen übrigens das Gefühl, dass sie aufgrund des ergangenen Urteils irgendwie höchst verlegen waren.“

Die Schlagzeile im Tageblatt vom 24. März 1969 lautete übrigens „Ettelbrück auch ohne roten Ball“. Das Luxemburger Wort titelte damals „Ettelbrück zum 2. Male“, während der Spielbericht die Überschrift „Grettnich war überall“ trug.

Das Streitobjekt, sprich runde Leder – zwar rot, aber immerhin rund – hatte nicht nur in Ettelbrück und Düdelingen, sondern landesweit reichlich Kopfschütteln, Hohn und Gelächter ausgelöst. Aber des Sängers Höflichkeit verbietet nicht, dass die als Schildbürgerstreich dargestellte Angelegenheit gleichzeitig auch die Herzen so mancher Fußballanhänger gekränkt hatte. Dieser peinliche Vorfall feiert heute sein 50-jähriges Jubiläum.

Kommentieren Sie den Artikel


Please enter your comment!
Please enter your name here